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Hundebesitzer un ihre Erfahrungen mit ausländischen Tierschutzhunden

Aus Rumänien gebracht : „Kein Hund will zurück ins Heim“

Einen Vierbeiner anzuschaffen, will gut überlegt sein. Das gilt auch für Tiere, die aus dem Ausland kommen und von Tierschutzorganisationen vermittelt werden. Zwei Hundebesitzer aus der Region berichten.

Wer den „besten Freund“ des Menschen in seine Familie integrieren möchte, muss zunächst einmal entscheiden, woher der Hund kommen soll. Eine Möglichkeit besteht darin, einen Tierschutzhund aus dem Ausland zu adoptieren. Was ist da zu beachten? Die SZ hat nachgefragt.

Organisationen zum Schutz deutscher und ausländischer Tiere gibt es einige. Allein dem Landesverband Saarland gehören neun Tierschutzorganisationen an. Deutschlandweit sind es laut deutschem Tierschutzbund mehr als 740 örtliche Tierschutzvereine mit mehr als  550 vereinseigenen Tierheimen und Auffangstationen. 10,38 Prozent der deutschen Bevölkerung (mehr als 800 000 Menschen) sind zudem Mitglied in einem solchen Verein.

Timo Groß hält einen Hund, den er von einer Tierschutzorganisation bekommen hat. Der St. Wendeler wünschte sich eine Spielkameradin für seine Huskymischlings-Hündin Lucy. „Da ich die Arbeit der Organistion SpecialDogs schon länger verfolgt habe und Ales Stark, eine Mitgründerin des Vereins, eine langjährige Bekannte von mir ist, fragte ich dort an“, erzählt Groß. Diese Organisation engagiere sich vor allem für Tiere in Rumänien. Groß wurde fündig. Er entschied sich für Siku, wie Lucy eine Husky-Mischlingsdame. Da Siku in Rumänien war, musste sich das Herrchen auf die von den örtlichen Betreuern beschriebenen Charaktereigenschaften verlassen. „Das funktionierte super, und die Integration im neuen Zuhause war kein Problem. Dadurch, dass alle Hunde der SpecialDogs tierärztlich versorgt werden, war Siku vollkommen gesund“, erinnert sich Groß. Für die Vermittlung sei eine Schutzgebühr zu zahlen – für Mischlingshunde zwischen 250 und 400 Euro. Dabei kommt es auf Alter, Gesundheitszustand und vorhandene Impfungen an.

„Seit einigen Jahren steigt die Anzahl von Vermittlungen von ausländischen Tierschutzhunden nach Deutschland stark an.“ Diese Zeilen stammen aus einem Beitrag auf der Internetseite tierfreund.de. Doch warum ist das so? Lukas Wolf aus Niederkirchen, Besitzer eines Tierschutzhundes von der Organisation 2gether4strays, sagt: „Es gibt so viele Hunde, die auf der Straße leben und in die Tötung gesteckt werden.“

Allerdings wisse er von der Vorsitzenden des Vereins, Carmen Molinari, dass die zukünftigen Besitzer jede Menge Verständnis mitbringen müssten und erklärt: „Die Geduld, die man aufbringen muss, ist die gleiche wie bei einem Welpen – auch wenn der Hund schon ein paar Monate alt ist. Das liegt daran, dass die meisten Hunde vorher auf der Straße gelebt haben und keine Leine oder Stubenreinheit kennen. Da kann es schon mal passieren, dass Mülleimer auseinandergenommen oder Tischbeine angeknabbert werden. Dessen sollte sich jeder bei der Adoption eines Hundes aus dem Tierschutz bewusst sein.“ Wolf weiter: „Wenn man darauf achtet, den Hund direkt zu stören, gehört aber auch dieses Verhalten schnell der Vergangenheit an, und der Hund wird zeigen, wie wahnsinnig er sich über sein neues Leben freut.“

Auch Wolfs Hund Hutsch kommt aus Rumänien und war innerhalb weniger Wochen bei seiner neuen Familie. „Am 27. Dezember war er vier Jahre bei uns. Wir sind sehr froh, dass wir uns für ihn entschieden haben. Er kommt mit in den Urlaub, hört aufs Wort, bellt kaum. Und unser Tierarzt sieht uns nur einmal im Jahr zum Impfen. Ein absoluter Traumhund“, unterstreicht der Hundebesitzer.

„Es ist immer gut, wenn man so viele Informationen wie möglich über den Hund bekommt und einen direkten Ansprechpartner hat“, so  Wolf auf die Frage nach der passenden Tierschutzorganisation. Groß ergänzt: „Ein Hund ist eine Anschaffung fürs Leben, das sollte jedem bewusst sein,und man sollte sich fragen, ob genug Kraft, Geduld und auch finanzielle Mittel aufgebracht werden können.“

Timo Groß mit seiner Huskymischlingshündin Siku aus Rumänien. Foto: Timo Groß

„Auch die Tierschützer wollen sicher gehen, dass ihre Schützlinge gut untergebracht sind“, sagt die Vermittlerin der SpecialDogs, Joana Köhler aus Köln. Dazu müssten alle Interessenten bei Interessensbekundung einen Fragebogen ausfüllen. Neben den persönlichen Angaben, werden dort auch Wohnverhältnisse, Betreuung in Abwesenheit und Familienstrukturen abgefragt. Kommen Familien oder Einzelpersonen in die nähere Auswahl, stehe die Vorkontrolle an. Carmen Molinari betont: „Die Verantwortung, dass die Adoption gut überlegt ist, liegt bei den Menschen. Kein Hund will zurück ins Heim.“