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Hoffnung machen statt in Trümmern suchen

Hoffnung machen statt in Trümmern suchen

Freisen. "Für uns ist immer der neunte Monat." Der Vergleich mit der Endphase einer Schwangerschaft passt, meint THW-Helfer Ronny Bier aus Hirstein. Denn seine Tasche für einen möglichen Einsatz ist immer gepackt - genau wie bei der werdenden Mutter, die jeden Moment damit rechnet, ins Krankenhaus zu fahren

Freisen. "Für uns ist immer der neunte Monat." Der Vergleich mit der Endphase einer Schwangerschaft passt, meint THW-Helfer Ronny Bier aus Hirstein. Denn seine Tasche für einen möglichen Einsatz ist immer gepackt - genau wie bei der werdenden Mutter, die jeden Moment damit rechnet, ins Krankenhaus zu fahren. Er, der schon oft für das Technische Hilfswerk im Einsatz war, habe seine Tasche in zwei Minuten gepackt.So auch, als die Alarmierung für Japan kam (wir berichteten). Seit Samstagabend sind er und seine neun Kameraden aus den Ortsverbänden Freisen und Nohfelden wieder zu Hause. Aber der Einsatz wird noch nachbereitet. So werden jetzt die Daten in Sachen Strahlung ausgewertet. Denn jeder Helfer hatte während des gesamten Einsatzes sein eigenes Messgerät am Körper. "Die Werte waren immer im Normalbereich", beruhigt Christy Kiruparajah aus Freisen. "Die Mannschaft wird keinem Risiko ausgesetzt", betont Bier, dass Sicherheit über allem stehe. Daher fahren alle saarländischen Helfer auch heute in die Uni-Klinik nach Mainz, wo eine radiologische Untersuchung auf sie wartet.

Auch vor dem Einsatz wurden alle Helfer von einem Arzt durchgecheckt. Zwei Personen durften nicht mitfliegen, da ihre Impfungen nicht auf dem neuesten Stand waren. Elf Impfungen müssen die Mitglieder des schnellen Einsatz-Teams Seeba regelmäßig auffrischen. Auch ansonsten müsse alles stimmen - vom Blutdruck bis zum Allgemeinbefinden. Schließlich arbeiten die Helfer unter extremen Bedingungen.

 Der Tsnuami ließ kaum ein Haus stehen. Foto: dpa
Der Tsnuami ließ kaum ein Haus stehen. Foto: dpa

In Japan seien diese noch verhältnismäßig harmlos gewesen. Denn die Helfer haben es nie bis in Schadensgebiet geschafft. Dreimal machten sie sich auf den Weg, dreimal mussten sie wegen einer Tsunami-Warnung umkehren. "Das war schon deprimierend - so kurz vor dem Ziel", sagt Bier. Und der 23-jährige Kiruparajah fügt hinzu: "Uns war schon bewusst, dass wir nicht viele Menschen aus den Trümmern retten würden." Schließlich war es nicht nur das Erdbeben. Wegen der enormen Wassermassen haben die Helfer nicht einmal die Trümmer gesehen. Bier: "Das Wasser hat alles mitgerissen, es gab kaum Überlebenschancen." Aber die Helfer in Blau waren nicht enttäuscht, stellten sich schnell auf ihre neue Aufgabe ein - den Menschen Hoffnung geben und Ausreisewillige nach Hause bringen. Und auch THW-Präsident Albrecht Broemme, der gestern in Landkreis St. Wendel unterwegs war, bewertet den Einsatz positiv: "Obwohl wir keine Lebensrettung leisten konnten, war der Einsatz doch ein wichtiger Baustein für die Völkerverständigung."