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"Hier bekommt man mehr mit"

"Hier bekommt man mehr mit"

Güdingen. Hunderte von Menschen drängen sich an die Wettschalter, an den Essensständen haben sich Schlangen gebildet. Vor dem Führring will jeder den besten Blick auf das Pferd des nächsten Rennens erhaschen. Die Zielgerade ist überfüllt von Pferdebegeisterten, die ihre Favoriten beim BMW-Renntag am Samstag in Güdingen laut anfeuern. Doch davon kriegen manche wenig mit

Güdingen. Hunderte von Menschen drängen sich an die Wettschalter, an den Essensständen haben sich Schlangen gebildet. Vor dem Führring will jeder den besten Blick auf das Pferd des nächsten Rennens erhaschen. Die Zielgerade ist überfüllt von Pferdebegeisterten, die ihre Favoriten beim BMW-Renntag am Samstag in Güdingen laut anfeuern. Doch davon kriegen manche wenig mit. Vielleicht ein Dutzend Menschen hat sich abgeschieden am anderen Ende des Trubels hingestellt, auf einen kleinen Hügel, und schaut sich das Rennen dort an, wo die Startboxen und die Ställe der Pferde sind."Wir sind eigentlich nur hier hinten, weil sie es sagt", lacht die 27-jährige Nadine Gehder aus Mandelbachtal und deutet auf das kleine Mädchen, das auf dem Hügel vor der Rennbahn herumspringt. Sarah Lang ist gerade mal sechs Jahre alt und ist zum ersten Mal mit ihrer Mutter Corinna und deren Freundin Nadine auf der Pferderennbahn. "Ich reite selbst privat", erklärt Nadine Gehder.Dass die kleine Sarah dabei sein würde, war selbstverständlich. "Sarah liebt Pferde, seit sie auf der Welt ist", erzählt ihre 32-jährige Mutter aus Homburg. "Als sie vier Monate alt war, hatte ich sie auf dem Arm. Von da aus hatte sie eigentlich gar nicht auf den Boden sehen können, und trotzdem hat sie ganz unten ein Stoffpferd entdeckt, das sie haben wollte. Wir haben es ihr gekauft, und von da an war die Pferdeliebe groß." Bei Familienfesten mit Pferden ist das Mädchen die Erste, die auf einem der Tiere sitzt.Beim Renntag ist sie mit Leidenschaft dabei. "Die Nummer eins gewinnt", ruft Sarah von dem Hügel aus, als Wallach Dulce et Decorum aus seinem Stall geführt wird, direkt vor ihren Augen. Auf die Pferde mit der Startnummer eins tippt sie immer. Feelin Irie aus dem Starterfeld des Hauptrennens darf sie sogar streicheln, bevor er zum Führring gebracht wird. "Das bringt ihm Glück", ist Sarah überzeugt.All das kriegen die Wetter rund um das Ziel gar nicht mit. "Es ist hier interessanter", findet Nadine Gehder, "hier bekommt man mehr von den Pferden mit. Sie werden rübergeführt, wieder zurückgebracht. Die Kleine sieht schon: Sind die Pferde trocken, werden sie erst noch laufen. Sind sie nass, ist das Rennen schon vorbei". Auf die Wetten legen die Drei nicht viel Wert. "Ahnung habe ich da keine", gesteht Nadine Gehder, "ich würde dann sagen: Das Pferd gewinnt, weil es schön aussieht".Dann lieber die kleine Sarah immer auf das Pferd mit der Nummer eins tippen lassen - völlig unverfänglich und ohne Wettschein, von dem Hügel neben den Ställen aus. Feelin Irie wird übrigens nur Fünfter, aber das macht dem Mädchen nichts aus. cjo