Helfer aus St. Wendel nähen für Wildtiere in Asutralien

Kostenpflichtiger Inhalt: Hilfe nach den Buschbränden : St. Wendeler nähen für australische Wildtiere

Viele Kängurus, Koalas und Flughunde wurden bei den Bränden verletzt. Um ihnen zu helfen, spenden Freiwillige nun quasi ihre Zeit.

Das kleine Känguru hat es nicht geschafft. Die Flammen waren einfach zu schnell. Bei seiner Flucht vor der Feuerwalze ist es in einem Zaun hängen geblieben. Nur die verkohlten Reste seines Körpers sind noch übrig. Die Ärmchen hängen über dem Draht, der Kopf ragt zwischen den Maschen empor – als habe das Tier gerade zum Sprung ansetzen wollen. Es ist ein furchtbares Bild, das der Fotograf Brad Fleet in Australien aufgenommen und auf der Plattform Instagram veröffentlicht hat. Ein Bild, welches das Grauen der Katastrophe ausdrückt.

Mehr als eine Milliarde Säugetiere, Vögel und Reptilien sind in den verheerenden Buschfeuern ums Leben gekommen. Experten gehen davon aus, dass allein im Bundesstaat New South Wales rund 500 Millionen Tiere starben. Hinzukommen unzählige verletzte und verwaiste. „Sie sind dem Ganzen hilflos ausgeliefert. Die Menschen werden zum Glück evakuiert und können sich selbst retten. Aber die Tiere eben nicht“, sagt Josy Dittmann. Sie wollte helfen, wusste allerdings nicht so genau wie. Nur Geld zu spenden, kam für die 31-Jährige aus Neunkirchen/Nahe nicht infrage. „Aber ich konnte auch nicht einfach mal ans andere Ende der Welt fliegen, um anzupacken“, erklärt die Tierliebhaberin.

Im sozialen Netzwerk Facebook sei sie schließlich auf die Gruppe „Deutschland hilft Australiens Wildtieren!“ aufmerksam geworden. Deren Mitglieder nähen, stricken und häkeln Kuschelnester, Kängurubeutel oder auch Tücher für Flughundbabys. „Mit etwas zu helfen, was man gerne tut, das finde ich klasse“, schwärmt Dittmann. Sie trat der Gruppe bei und legte gleich los. Die passenden Schnittmuster konnte sie im Internet herunterladen und auch die Stoffe waren schnell organisiert. „Die hat mir die Stofferia Jajoma in Bliesen zur Verfügung gestellt“, berichtet Dittman. Denn auch deren Mitarbeiter beteiligen sich an der Aktion.

„Wir sind in vielen Bereichen sozial engagiert“, erzählt Geschäftsführerin Susanne Kreuz. Als sie von dem Hilfsprojekt für die australischen Wildtiere erfahren habe, sei sie sofort davon begeistert gewesen. Mittlerweile hat sie schon zwei Pakete voll mit Stoffen gespendet, ein drittes packt sie gerade. Hin und wieder setzt sich Kreuz auch selbst an die Nähmaschine. Aber vor allem ihre Kollegin Anne Groß habe viele Artikel geschneidert.

Anne Groß (von links), Josy Dittmann und Susanne Kreuz in der Stofferia Jajoma in Bliesen. Foto: Marc Buch

Deutschlandweit sind inzwischen weit mehr als 300 Häkler, 400 Näher und 80 Stricker aktiv. Rund 20 000 Menschen haben sich der Facebook-Gruppe angeschlossen. Dabei kam die Aktion erst Anfang Januar ins Rollen. Der australische Tierrettungsverband Animal Rescue Collective Craft Guild (ARCCG) hatte dazu aufgerufen, Hilfsgüter für verletzte Tiere anzufertigen. „Die Freiwilligen vor Ort haben keine Zeit, die Dinge zu nähen, weil sie Notfälle im Akkord behandeln. Zeit ist gerade das größte Problem – deshalb spenden wir sozusagen unsere Zeit“, sagt Julia Sesto. Die Tierschützerin päppelt in ihrer Freizeit für gewöhnlich Fledermäuse auf. Doch der Hilferuf aus Down Under ging ihr so nahe, dass sie am 4. Januar gemeinsam mit fünf weiteren Freiwilligen die Facebook-Gruppe gründete.

Gemeinsam organisieren sie auch den Versand der Hilfsgüter. 13 Sammelstellen gibt es in ganz Deutschland, eine davon im Saarland. Von dort aus werden all die Beutel, Nester und Taschen verschickt. „Der Versand ist wegen der schwierigen Zollbedingungen leider sehr kompliziert“, berichtet Sesto. Australien gilt als besonders streng, was die Einfuhr bestimmter Artikel angeht. Die Helfer müssen daher vor allem auf die Sauberkeit der Stoffe achten. Sie müssen ohne Weichspüler gewaschen und frei von Tierhaaren sein. Zudem dürfen nur Kartons verwendet werden, die vorher keinesfalls Kontakt zu Lebensmitteln hatten. Hinzukommt ein weiteres Problem: Der Versand ist extrem teuer. „Ein 20 Kilo-Paket per Post nach Australien zu schicken, kostet 100 Euro. Da wir kein Verein sind, dürfen wir keine Spenden sammeln“, erklärt Sesto. Sie habe daher die Lufthansa um einen Rabatt gebeten.

Das letzte Paket soll spätestens am 4. Februar ins Flugzeug geladen werden. Die Facebook-Aktion läuft danach aus. Ein Grund dafür: der enorme Aufwand. „Wir haben alle einen Vollzeitjob, viele auch ein Ehrenamt im Wildtierschutz und natürlich auch noch Familie und Privatleben“, sagt Sesto. Allerdings möchte sie den fleißigen Helfern am Ende der Aktion Möglichkeiten geben weiterzumachen. „Unsere heimischen Wildtiere benötigen unsere Hilfe ja schließlich auch“, betont sie. Doch bis es soweit ist, verbleiben immerhin noch knapp zwei Wochen. Und die will Josy Dittmann nutzen. „Ich fertige die Beutel nach der Arbeit quasi im Viertelstunden-Takt an“, sagt sie. Mehr als 20 große Stücke habe sie bereits genäht und weitere drei Kartons mit Stoffspenden stünden schon bereit. Zwar habe die große australische Partnerorganisation ARCCG erstmal keinen Bedarf mehr an Hilfsgütern – sie kommt mit dem Verteilen nicht mehr nach. Dafür werde nun aber auch eine kleinere Organisation bedacht, wie Initiatorin Sesto via Facebook mitteilt.

Dort veröffentlicht sie übrigens immer wieder auch Fotos aus Down Under. Und die unterscheiden sich von all den schrecklichen Bildern, die in den vergangenen Monaten durch die Medien gingen. Denn darauf zu sehen sind keine Tiere in Not. Sondern Kängurus, die sich in einen orangefarbenen Beutel kuscheln. Ein Wombat-Baby, das es sich in einer weißen Tasche gemütlich gemacht hat. Ein Koala, der verschlafen aus seinem flauschigen Nest spitzt. Und ein Flughund, der sich an sein Bettchen klammert. Dank der fleißigen Helfer konnten all diese Tiere gerettet werden – und haben ein neues, kuscheliges Zuhause gefunden.

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Hier geht es zur Bilderstrecke: So süß kuscheln Australiens Wildtiere