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Garten-Tipps von Diplom-Biologe Michael Keller vom Landkreis St. Wendel

Menschen im Landkreis St. Wendel zieht es in die Gärten : Warum drastische Eingriffe ein Problem sind

Der Diplom-Biologe Michael Keller vom Landkreis St. Wendel gibt Tipps für den heimischen Garten.

Das schöne Wetter der vergangenen Tage lockte viele Bürger in ihre Gärten. Michael Keller, Fachberater Obst- und Gartenbau des beim Landkreis St. Wendel angesiedelten Amts für Entwicklung des ländlichen Raums, würde die Menschen in ihrem gärtnerischen Eifer gerne zu etwas Zurückhaltung auffordern – im Sinne von Umwelt-, Arten- und Insektenschutz: „Es wäre gut, wenn die Pflegemaßnahmen eher reduziert würden. Beispielsweise muss man nicht jede Woche den Rasen mähen. Selbst wenn die Temperaturen zuletzt hoch waren, so befinden wir uns trotzdem im März. Beseitigt man jetzt das Laub des Winters, entsorgt man damit auch Kleintiere und Igel, die dort zur Zeit noch sitzen. Gleiches gilt für das Zurückschneiden von Stauden. Auch hier sollte man sich noch etwas in Geduld üben, da diese momentan noch von Insektenlarven bewohnt werden.“ Ohnehin sei bei hohen Tages- und niedrigen Nachttemperaturen Vorsicht geboten, da zu drastische Eingriffe für die Pflanzen schwierig werden könnten.

Zudem richtet Michael Keller sich an diejenigen Gartenbesitzer, die Nistkästen auf ihrem Grundstück installiert haben: „Diese sollten nun von altem Nistmaterial befreit und mit warmem Wasser ausgespült werden, damit sie für die nächsten Bewohner bezugsfertig sind.“ Der Diplom-Biologe würde sich freuen, wenn möglichst viele Bewohner des St. Wendeler Landes auf ihrem Gelände Meisenkästen einrichteten und das hat einen Grund: „Meisen sind die besten Schädlingsbekämpfer, die wir umsonst kriegen können. Sie halten Raupen, wie die des Buchsbaumzünslers oder des Frostspanners, im Zaum und sorgen dafür, dass ein Gleichgewicht hergestellt wird.“ Auch Tontöpfe als Quartier für Ohrwürmer seien eine gute Idee: „Ohrwürmer fressen nachts Schädlinge wie Blattläuse oder Spinnmilben und ruhen sich tagsüber im Tontopf aus.“

Was Obstbäume betreffe, sollte man zumindest dahingehend tätig werden, dass man das Obst des vergangenen Jahres entfernt, da dieses Fruchtfäulepilze enthalte, die auch die neue Ernte verderben könnten. Wichtig sei hier auch, das Altobst mit dem Biomüll zu entsorgen, es dürfe nicht auf dem Grundstück, auch nicht auf dem Kompost, verbleiben. Es sei jetzt bereits möglich, Obstbäume zu schneiden, allerdings biete sich ein konservatives Vorgehen an: „Das wichtigste Schnittgesetz besagt: Wer viel schneidet, bekommt viele wilde Austriebe. Der Baum benötigt dann sehr viel Energie und braucht seine Reserveknospen auf, was letztlich zum Absterben des Baumes führen kann.“, so der 62-Jährige. Bei Zwetschge oder Süßkirsche habe es sich bewährt, während der Erntezeit zu schneiden. Bei Apfelbäumen hingegen sei es vorteilhaft, im August zu schneiden. Dann könne man gleichzeitig das Obst ausdünnen und verhindern, dass Äste abbrechen.

Wenn man sich in Bezug auf den Schnitt von Obstbäumen unsicher sei, könne man sich an die Baumwarte der lokalen Obst- und Gartenbauvereine wenden oder aber beim Amt Entwicklung ländlicher Raum anfragen: „Ich fahre, wenn es zeitlich möglich ist, auch raus, schaue mir die Bäume an und gebe Tipps“, bekräftigt der Diplom-Biologe. Entsprechende Schnittkurse der Obst- und Gartenbauvereine seien vorerst aufgrund der Pandemie-Lage nicht geplant. Sobald diese wieder angeboten würden, könne man jedoch die Termine auf der Website des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine ersehen.

Onlineangebote oder Bücher könnten die praktische Anleitung in der Regel nicht ersetzen. Michael Keller hat aber auch Tipps zum Schneiden von Rosengewächsen. Klassische Rosen könne man schneiden, wenn die Forsythien blühen. Hier solle man jedoch „gegen sein Gefühl“ agieren: „Eine stark wachsende Rose schneidet man vorsichtig, damit sie nicht noch mehr austreibt, wohingegen man eine kleine Beetrose mit schwächerem Wachstum stärker zurückschneiden kann, damit sie vital bleibt“, empfiehlt der Pflanzenspezialist.

Bei Blütensträuchern hänge der richtige Schnittzeitpunkt davon ab, ob es sich um Früh- oder Sommerblüher handele: „Frühblüher wie Forsythien schneidet man nach der Blüte. Dazu entfernt man in Bodenhöhe die alten Triebe, sodass nur einige wenige junge Triebe verbleiben. Bei den Sommerblühern, hierzu gehören beispielsweise Flieder oder Hortensie, kann man jetzt tätig werden und die Triebe, die im vergangenen Jahr geblüht haben, herausschneiden“, erklärt er. Zum richtigen Schneiden von Blütensträuchern kann von Michael Kellers Dienststelle eine Broschüre bezogen werden, telefonisch oder per E-Mail. Darüber hinaus weist der St. Wendeler darauf hin, dass die Aktion „Der Kreis St. Wendel blüht auf“ auch in diesem Jahr fortgeführt wird. Interessierte können kostenloses Saatgut vom Landkreis beziehen.

  Diplom-Biologe Michael Keller.
 Diplom-Biologe Michael Keller. Foto: J. Bonenberger/Landkreis St. Wendel

Infos: Landkreis St. Wendel, Entwicklung ländlicher Raum, Tel. (0 68 51) 8 01 47 01, Fax: (0 68 51) 8 01 47 90, E-Mail: laendlicher-Raum@lkwnd.de.