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Zwischen Bienen, Zebras und Pusteblumen

Zwischen Bienen, Zebras und Pusteblumen

Auch Rosenmontag sind im St. Wendeler Land die Narren auf die Straße gegangen. Sechs Mal wurde bei Umzügen und anschließenden Partys gefeiert.

 Pony Happy war das Maskottchen der Bienenrock-Ranch, die beim Gehweiler Umzug dabei war. Foto: B&K
Pony Happy war das Maskottchen der Bienenrock-Ranch, die beim Gehweiler Umzug dabei war. Foto: B&K Foto: B&K
 Umzug in Freisen: Die „ Frääsemer Hexe“ hatten sich Cleopatra als Vorbild für die Kostümierung gewählt. Foto: B&K
Umzug in Freisen: Die „ Frääsemer Hexe“ hatten sich Cleopatra als Vorbild für die Kostümierung gewählt. Foto: B&K Foto: B&K
 Die ersten Zebras für den Nationalpark sind da. Der Kolping-Damenelferrat im Nonnweiler Umzug. Foto: Faber
Die ersten Zebras für den Nationalpark sind da. Der Kolping-Damenelferrat im Nonnweiler Umzug. Foto: Faber Foto: Faber
 Als Pusteblumen war die Fußgruppe des Pfeiffenclubs Bosen am Rosenmontag unterwegs. Foto: Faber
Als Pusteblumen war die Fußgruppe des Pfeiffenclubs Bosen am Rosenmontag unterwegs. Foto: Faber Foto: Faber
 Mit bunten Perücken und Kostümen trat der Musikverein Stern aus Sotzweiler/Bergweiler beim Umzug in Überroth an. Foto: Färber
Mit bunten Perücken und Kostümen trat der Musikverein Stern aus Sotzweiler/Bergweiler beim Umzug in Überroth an. Foto: Färber Foto: Färber

Behäbig machte sich der Marpinger Rosenmontagsumzug am Exelberg auf den Weg, angeführt von der Band "37 Komma 1", die auf ihrem Wagen Stimmungslieder live zum Besten gab. An jeder Ecke hielten sich die Fastnachter auf, um Gutzjer zu schmeißen und die Narren mit "Alleh Hopp" zu grüßen. Die Jungs vom FC Hellas nutzen die Gunst der Stunde, um eine Runde auf der Faschingsmeile zu kicken. Ein Trend ließ sich ausmachen: Auffallend viele tierisch gekleidete Faasendbozen waren sowohl im Zug, als auch am Wegesrand auszumachen. Die pelzigen Kostüme schützten zudem prima vor der klirrenden Kälte. 50 Gruppen zogen wieder mit; der Marpinger Umzug bleibt damit einer der größten im Kreis. Nach anderthalb Stunden Tollerei wischten sodann Kehrmaschinen die gröbsten Spuren von der Straße und die Narren verlegten die Feierei in die Zelte am Marktplatz und in die Schulaula.

Zum ersten Mal fand der Umzug am Rosenmontag ohne den Karnevalsverein Alleh Hopp statt. Trotzdem bewegte sich ein halbes Dutzend bunter Gefährte durch den Ort. Möglich machten es Gehweilers Ortsvorsteher Lars Haßdenteufel und seine Helfer. "Wir haben alles getan, um die über 50-jährige bestehende Tradition fortzuführen", so Haßdenteufel. Mit dabei war der Bienenrock, so heißt eine Pferderanch in Berschweiler bei Baumholder. Angeführt wurde der Motivwagen von dem Maskottchen "Happy", einem Shetland-Pony. Als schönster Club von der Saar grüßte der SV Viktoria. Mit "Und tun dir die Füße richtig weh, werde Mitglied im Dartclub SVG" warb der Sportverein für seine neugegründete Abteilung. Mit dabei auch zehn alte Männer aus dem "Gehweiler Altenheim Zur goldenen Urne". Chauffiert wurden die Herrschaften von dem früheren Prinzen des heimischen Karnevalvereins, Andreas Gerhart.

25 Fußgruppen und Wagen zogen am Rosenmontag durch Freisen . In die Rolle des Moderators schlüpfte Musicaldarsteller Michael Ewig, der vom Alois-Stock-Platz aus, die Akteure vorstellte. Die Feuerwehr Freisen traute sich was. Närrisch beleuchteten sie auf ihrem Wagen ein Thema "Rund um den Kirchturm". Sie spielten auf einen Konflikt zwischen dem Oberkircher und dem Freisener Pfarrer an. So hieß es "Gekämpft wird stur, subtil, verbissen. Nächstenliebe wird mit Füßen getreten. Und dass im Namen Gottes?" Ein weiteres Spruchband rief zur Buße auf. Humorvoll ging es bei der Gruppe der Durchblicker zu. Sie stellten ganz besondere Brillen-Trends vor, so zum Beispiel die Urlaubsbrille, die den Strandblick gleich mitliefert. Bei den "Frääsemer Hexen " galt dieses Mal nicht Nomen est Omen. Sie kamen als ägyptische Schönheiten daher.

60 Gruppen gingen am Rosenmontag auf die Straße. Auch dieses Mal verzierten die Überrother ihre Wagen mit selbstgemachten Papierrosen. So brachten die Trink- und Schwenkfreunde (TSF) auf ihrem Wagen 2000 weiße und blaue Kunstrosen an. Während die Mitglieder als (Tinten) Fische verkleidet waren, thronte auf ihrem Gefährt eine Puppe als Bademeisterin, die über ein Haifischbecken wachte. Passend dazu schickte der Sportverein Überroth Taucher los. Seit 20 Jahren dabei ist die Oldietanzgarde "Ü30" aus Überroth. Die Garde-Tänzerinnen verwandelten sich dank grauer Perücken und Schminke in alte Damen. Das Männerballett aus Scheuern segelte mit einem Piratenschiff durch die Straßen. "Mit Kanonendonner & wildem Schrein fallen Piraten aus Scheuern heute ein" lautete ihr Slogan.

Rund 1000 Besucher nahmen singend und schunkelnd die Narrenparade in Bosen ab. Verteilt auf 13 Wagen und Fußgruppen, zogen 180 Teilnehmer hinter dem Stohbär her. "Ob Flasche leer oder voll, bei uns ist es immer toll", behauptete der Löschzug aus Sötern. Der Eiweiler-Billigflieger "Bärendaaler-Airline" muss sich noch gedulden, ehe in Berlin gelandet werden kann. "Geschäfte, Ärzte, Banken und Läden, alles Pusteblume", beschwerte sich die Fußgruppe vom Pfeifenclub, dass Bosen mittlerweile ein reiner Wohnort geworden sei. Leerstände, verwaiste Kneipen rund um den Bostalsee - all das juckte die Schlümpfe und Schneemänner wenig. Dafür wurde eine neue Idee geboren. Dosengemüse soll es künftig nur noch aus Naturanbau geben, forderte eine Fußgruppe. "Sind wir nicht alle ein bisschen Barbie?" - getreu diesem Motto stolzierte die verpackte Modepuppe in mehreren Ausführungen mit Freund Ken über den Asphalt. "Der Schützenkönig kommt in diesem Jahr, aus Bosen ist doch klar", blickten nicht nur die Gut-Ziel-Schützen voraus. Kinoreif betrieb die Fußgruppe vom Altenheim Werbung für den demnächst startenden Film "Minions". Nach der Runde durchs Dorf ging's zum Feiern weiter ins evangelischen Gemeindehaus.

Top-Stimmung auf und neben der Triererstraße in Nonnweiler . Vorneweg spielte die Blasmusik, dahinter gingen die Hexen der Royal Family durch die Hölle. Wahnsinn! Die trinkfesten Herren vom Weizenbierclub meinten: "Wer Bier trinkt, hilft der Landwirtschaft". Auch Bundestrainer Jogi Löw und seine weltmeisterlichen Kicker (SG Peterberg) leisteten dazu im Umzug einen großen Beitrag. Mit dem Nationalpark soll alles anders werden. "Da ist es schön, man kann sogar Zebras sehn", erklärte der Kolping-Damenelferrat. Mit einer großen Besetzung waren Robin Hood und seine vogelfreien Gefährten (KKV Eisen) durch den Buchwood in den Hochwald gekommen. Garziös und auf Zehenspitzen bewegte sich das Rosa-Tanzballett-Tatütata, hinreißend schön und bei den Posen cool und souverän flanierten die Mädels der Showtanzgruppe Wild Dancers über den asphaltierten Laufsteg. Die frechen Früchtchen aus Kastel und der Bierfelder Jugendclub bildeten das Ende der närrischen Karawane. Gemeinsam mit den Nonnweiler Regenten Prinz Peter I. und Prinzessin Michelle I. wurde in der Kurhalle weitergefeiert.