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Weihnachtsbaumbeleuchten in der Baumholder US-Gemeinde virtuell

Tradition mal anders : Gar New Yorker schauen auf Baumholder

Das traditionelle Weihnachtsbaumbeleuchten ging in diesen Corona-Zeiten virtuell über die Bühne.

Es ist klirrend kalt, Schnee rieselt. Eine kleine Delegation hat sich auf dem Parkplatz am US-Hauptquartier in Baumholder versammelt. Eine Kamera und Scheinwerfer sind aufgestellt, denn das traditionelle feierliche Beleuchten des Weihnachtsbaumes steht an. Der Interims-Stellvertretende Garnisonskommandeur der Militärgemeinde Baumholder, Jason Tudor, begrüßt die Gäste: „Heute Abend begehen wir eine der ältesten militärischen Traditionen. Das traditionelle Beleuchten des Weihnachtsbaumes läutet offiziell die Weihnachtszeit ein in unserer US-Militärgemeinde Baumholder.“

Auf diese Tradition wollte die Militärgemeinde nach Angaben eines Standort-Sprechers trotz erschwerter Bedingungen nicht verzichten. „Wegen der Pandemie und den Auflagen der Corona-Bekämpfungsverordnung, ist diese Zeremonie anders als sonst. Es sind keine Besucher hier, keine Kinder, welche aufgeregt auf Santa Claus warten. Wir senden heute live via Facebook und wollen damit etwas Weihnachtsstimmung in Ihr Zuhause bringen”, so Tudor zu den virtuellen Gästen. Militärpfarrer Chaplain (Major) Matthew Stuart betete mit den wenigen Anwesenden für friedliche Festtage und eine gesunde Zukunft.

Der Kommandeur der 16. Versorgungsbrigade, Colonel (Oberst) Scott Kindberg, trat als erster Redner ans Mikrofon. „Eine nie zu erwartende Situation in der Weltgeschichte stellt uns vor eine große Herausforderung”, so Kindberg. Für ihn bedeutet die diesjährige Zeremonie viel mehr als in den vergangenen Jahren. „Bald leuchtet dieser Baum. Seine Lichter sind ein Leuchtfeuer des Glückes, das unsere Gemeinden durch Tradition, Geist und die Freude der Jahreszeit verbindet”, sagte Kindberg.

Ebenfalls anders als in den vergangenen Jahren war, dass der Bürgermeister Grußworte überbrachte. Bernd Alsfasser, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Baumholder, ermutigte die virtuell zuhörenden Gäste, die Festtage im Kreise der Familie zu genießen. „Die Weihnachtszeit ist für uns alle eine besondere Zeit. Sie bietet uns die Gelegenheit, mit Familie, und in normalen Zeiten auch mit Freunden, das vergangene Jahr zu reflektieren und einen Ausblick auf das neue Jahr zu wagen”, so Alsfasser.

Er empfahl aber, die momentane Situation nicht aus den Augen zu lassen. „In Ihrem eigenen Interesse und für die Sicherheit Ihrer Mitbürger, bitte ich Sie um Einhaltung der von der Landesregierung auferlegten Einschränkungen bezüglich der Corona Pandemie. Gemeinsam sind wir stark.”

Dem Gastgeber der Zeremonie, Colonel (Oberst) Vance Klosinski, Kommandeur der US-Army Garnison Rheinland-Pfalz, war es vorbehalten, die Ankunft von Santa Claus anzukündigen. Zuvor jedoch erklärte der Garnisonskommandeur, welche Kraft der weihnachtliche Geist und die Freude über die Feiertage habe. „Diese Kräfte bilden ineinander greifende Fäden, die sich durch unsere Geschichte ziehen und uns auf so vielfältige Weise vereinen.”

So erzählt er vom Ersten Weltkrieg, als die verfeindeten Soldaten an Weihnachten die Kampfhandlungen einstellten und sich gegenseitig besuchten. Und vom Ende des Zweiten Weltkrieg, als die ersten 250 000 US-Soldaten vor Weihnachten zurückkehrten, aber wegen der Űberlastung des Luft-, Schienen- und Straßenverkehrs nicht zu ihren Familien weiterreisen konnten.

Amerikanische Bürger haben dann auf ihre Weihnachten verzichtet und geholfen, die Soldaten zu ihrer Familien zu bringen. „In einem Fall hat ein Taxi-Fahrer aus Los Angeles sechs Soldaten mehr als 2000 Meilen nach Chicago gefahren. Er verweigerte die Annahme von Geld und forderte die Soldaten auf, dafür Geschenke für ihre Familien zu kaufen”, so Klosinski.

In Zeiten der Pandemie sei die Heimat wieder weiter weg für manche. „Viele sind in Quarantäne, isoliert, oder auch im Einsatz. Wenn gleich die Lichter an unserem Weihnachtsbaum leuchten, hoffe ich, dass sie und ihre Familien sich einen Moment nehmen und an alle denken, die jetzt alleine irgendwo sind.”

Nach seinen Weihnachtsgrüßen bat er den anwesenden kleinen Chor, Weihnachtslieder anzustimmen. Traditionell war das letzte Lied der Ankunft von Santa Claus gewidmet – „Here comes Santa“ sangen alle zusammen. Mit Blaulicht und Polizeieskorte kam Santa Claus zum Weihnachtsbaum.

Dann war es soweit. Der Mann in Rot durfte den Schalter umlegen. Was folgte, war wie immer: Die unzähligen Lichter an dem großen Baum erstrahlten in vollem Glanz. Und das vor den Augen von Menschen rund um den Globus. Wie Tudor betonte, hatten sich Freunde aus Guam, aus Virginia, aus New York oder Kalifornien eingewählt, um das Schauspiel online zu verfolgen.