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Wand klappte wie Spielkarte ein

Wand klappte wie Spielkarte ein

Aßweiler. Es war genau 20.26 Uhr am Montagabend, als das Haus "Saar-Pfalz-Straße 73" in Aßweiler mit lautem Getöse in sich zusammenfiel. Erst brach die Seitenwand ein und klappte wie eine Spielkarte nach außen, dann stürzte das Dach zusammen, und von dem Wohnhaus blieb nur noch ein Trümmerberg (die SZ berichtete)

Aßweiler. Es war genau 20.26 Uhr am Montagabend, als das Haus "Saar-Pfalz-Straße 73" in Aßweiler mit lautem Getöse in sich zusammenfiel. Erst brach die Seitenwand ein und klappte wie eine Spielkarte nach außen, dann stürzte das Dach zusammen, und von dem Wohnhaus blieb nur noch ein Trümmerberg (die SZ berichtete). Die Eigentümer wollten das leer stehende alte Haus sanieren, den Keller trockenlegen. Ein Bauunternehmen war beauftragt, ein Statiker hatte vor einem halben Jahr bescheinigt, dass das Haus noch standsicher sei. Das Bauunternehmen legte die Kellermauern frei - rund ums Haus ein tiefer Graben. Montagnachmittag bildeten sich Risse, erzählt ein junger Mann, der das Haus mit seiner Lebensgefährtin nutzen wollte. Auch sie kann nur noch zusehen, wie ihre Baustelle zusammenbricht. Erst brach eine Mauer im Keller nach außen, dann senkten sich die Fenster, überall beindicke Risse. Der Ingenieur Rainer Scheller aus Homburg wurde gerufen, und er sah sofort, dass das Haus in Kürze einstürzen würde. "Das war 100 Prozent klar. Ich ließ sofort die Polizei rufen, um den Verkehr zu sperren, und informierte die Elektrizitätswerke, damit nichts Schlimmeres passiert", sagt er im Gespräch mit der SZ. Die Pfalzwerke demontierten die Überleitungen, einige Häuser waren daher ohne Strom. Am gleichen Abend wurden die Leitungen neu befestigt. Der Homburger Statiker weiß auch, warum das Haus zusammengefallen ist, will es aber derzeit für sich behalten. Er fürchtet, dass er in einem späteren Gerichtsverfahren als Zeuge aussagen muss und will dem nicht vorgreifen. Das vor 1900 gebaute Haus sei nach dem Auftreten der Risse nicht zu retten gewesen. Das Haus selbst sei "dringend sanierungsbedürftig" gewesen und hätte nach seiner Meinung erfolgreich saniert werden können. Möglicherweise gebe es einen Zusammenhang mit den Erdarbeiten, meint der Statiker. Das Blieskasteler Bauunternehmen, das diese Arbeiten ausführte, will sich nicht äußern. Auf Anfrage hieß es: "Wir wollen das Ergebnis eines Gutachtens abwarten. Wann das vorliegen wird, ist noch offen. Solange sagen wir nichts." Bei der Polizei bewertet man die Angelegenheit als "rein zivilrechtliche Sache". Blieskastels Polizeichef Klaus Port: "Wir waren nur dort, um die Straße zu sperren und den Verkehr zu regeln. Strafrechtlich ist hier nichts zu tun." Bauherr, Bauunternehmer und Hauseigentümer müssen sich jetzt über die Kosten streiten - Gutachter sind eingeschaltet und werden die Sache untersuchen, zumal das angebaute Haus auch noch beschädigt wurde. Das steht aber ebenfalls leer, es war vor Monaten schon bei einem Wohnhausbrand unbewohnbar geworden.