Von gräflichen Gütern und einer Glockenreise

Von gräflichen Gütern und einer Glockenreise

Aßweiler. 2005 kam das Buch "Die englischen Gärten am Niederwürzbacher Weiher" von Ralf Schneider heraus. Darin wird auch eine "Schweizerei" erwähnt, die wohl im Zusammenhang mit dem Leyenschen Schlösschen Bagatelle auf den Seelbacher Höhen zu sehen ist

Aßweiler. 2005 kam das Buch "Die englischen Gärten am Niederwürzbacher Weiher" von Ralf Schneider heraus. Darin wird auch eine "Schweizerei" erwähnt, die wohl im Zusammenhang mit dem Leyenschen Schlösschen Bagatelle auf den Seelbacher Höhen zu sehen ist. Ralf Schneiders "Spurensuche" nach einem "Paradies aus Menschenhand", wie es im Untertitel heißt, veranlasste den Aßweiler Heimatkreis Heimatgeschichte zu weiteren Forschungen speziell zu den gräflichen Bautätigkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft auf Seelbacher Gebiet. Die Schweizerei war ein landwirtschaftlicher Betrieb, den Graf Philipp von der Leyen, der Sohn von Gräfin Marianne, zwischen 1788 und 1790 errichten ließ. "46 Kühe und acht Ochsen hat der Graf in der Schweiz gekauft. Wir gehen davon aus, dass er hier ein Mustergut aufbauen wollte", berichtet Erich Heib. In den Jahren von 1782 bis 1791 waren schon die Philippsburg, der Rote Bau und Schlösschen Bagatelle errichtet worden.Vor allem Erich Heib und Horst Helle vom Arbeitskreis Heimatgeschichte Aßweiler machten sich daran, nach Quellen zu suchen, die Aufschluss über Schloss Bagatelle und die Schweizerei geben könnten. "Rund 1000 Stunden haben wir in verschiedenen Archiven zugebracht", erzählt Erich Heib, neben Horst Helle stellvertretender Vorsitzendes des Arbeitskreises, dessen Vorsitzender Horst Witte ist.Neben dem Blieskasteler Stadtarchiv stöberten sie unter anderem auch im saarländischen Landesarchiv in Saarbrücken, in Saargemünd und im Archiv des Bistums Speyer nach Dokumenten. Im Zuge dieser Recherchen fanden sie nicht nur Interessantes über Bagatelle und Schweizerei heraus, sondern stießen auch auf eine Glocke, die heute in der Heiligkreuz-Kapelle des Blieskasteler Klosters hängt. Sie fanden Hinweise darauf, dass diese Glocke womöglich einmal im Schlösschen Bagatelle in Seelbach gehangen hatte. Vermutlich, so Erich Heib, gehörte die Glocke ursprünglich in die Schlosskirche und Graf Philipp ließ sie nach Seelbach bringen. Die Verbindung zu Seelbach ergab sich aus einem Dokument aus den Leyenschen Akten, das die Heimatgeschichtler im saarländischen Landesarchiv in Saarbrücken-Scheidt entdeckten. Aus diesem Dokument geht hervor, dass ein Johannes Becker aus Seelbach im Jahre 1804 diese 1793 von Soldaten der französischen Revolutionstruppen erbeutete Glocke für 55 Gulden zurückkaufte. Seit 1804 oder 1805 hängt die Glocke nun in der Klosterkapelle auf dem Han. Heib vermutet, dass zu diesem Zeitpunkt die durch die Revolutionstruppen verursachten Schäden in der Schlosskirche noch nicht fertig behoben waren - die Schlosskirche wurde erst 1808 wieder geöffnet -, so dass die Glocke nicht an ihrem angestammten Platz zurück konnte.Da die Kapelle in diesem Jahr umfangreich saniert wird, ergab sich für Erich Heib und Horst Helle Ende Juli die Gelegenheit, die Glocke vom Gerüst aus zu fotografieren. Diese war 1778 gegossen worden. 1843 goss Glockengießer Georg Hamm aus Wittersheim die mit 50 Zentimetern Durchmesser und Höhe recht kleine Glocke neu, wie aus der Glockeninschrift hervorgeht.

Auf einen BlickEine rund 180 Seiten starke Broschüre mit zahlreichen Abbildungen, in der die Ergebnisse der Recherchen zusammengefasst sind, wird im Dezember in Aßweiler vorgestellt. Der Titel wird wohl lauten: "Die Schweizerei des Grafen Philipp von der Leyen". zal

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