Studentin aus Grügelborn berichtet über Buschfeuer in Australien

Buschbrände in Australien : „Ich stand auf der Straße und habe geweint“

Jessica Theobald lebt zurzeit in Australien. Der SZ berichtet die Studentin aus dem Saarland, wie sie die verheerenden Buschbrände erlebt hat.

Die Flammen kannten kein Erbarmen. Unermüdlich bahnten sie sich ihren Weg durch Australien – und verschlangen alles, was ihnen in die Quere kam. Eine Fläche so groß wie ganz Süddeutschland haben sie bereits in Schutt und Asche gelegt. Mindestens 26 Menschen verloren durch die verheerenden Buschfeuer ihr Leben. Experten schätzen, dass eine Milliarde Kängurus, Koalas, Vögel, Reptilien und andere Tiere in den Bränden gestorben sind. Es scheint, als würde der Kontinent in Flammen aufgehen. Eine Verbesserung der Lage ist nach dem Eindämmen des größten Feuers und Einsetzen des Regens eventuell in Sicht. Noch immer aber sind tausende Menschen auf der Flucht, die Temperaturen sind hoch.

„Man kann den Rauch ganz extrem riechen und den rosa-grauen Qualm sehen. Der Himmel ist trüb“, berichtet Jessica Theobald. Die Studentin aus Grügelborn absolviert zurzeit ihr Auslandssemester an der Universität in Perth, der Hauptstadt des Bundesstaates Western Australia. Am 1. Januar ist sie dort angekommen – und hat gleich die gedrückte Stimmung bemerkt. „In der Stadt hängen an vielen Gebäuden Bildschirme. Sie zeigen unverblümt, was zurzeit in Teilen Australiens passiert. Das ist schon krass“, sagt die 26-Jährige. Immer wieder blieben Menschen vor diesen Bildschirmen stehen. Nicht selten kämen ihnen dabei die Tränen. „Mir ist es auch so gegangen. Ich bin kein sentimentaler Mensch, aber als ich einige Aufnahmen gesehen habe, stand ich auch auf offener Straße und habe geweint“, erzählt Theobald.

Bislang war Perth weitestgehend von den Bränden verschont geblieben. Doch am Donnerstag gaben die Behörden erste Warnungen für den Süden der Stadt heraus. „Wir sollen die Fenster und Türen geschlossen halten“, berichtet die junge Frau aus dem St. Wendeler Land. Der Grund: Es sind Feuer in Rockingham und Armadale verzeichnet worden. Die Orte liegen etwa 30 bis 40 Kilometer von Perth entfernt. Auch einige Straßen in der Umgebung seien gesperrt. „Wir sind vom Rest des Landes abgeschnitten. Der Highway zwischen Western Australia und Southern Australia ist dicht“, sagt die angehende Bauingenieurin. Sie vermutet, dass sich die Situation auch wegen des Windes zugespitzt hat. „Der weht seit ein paar Tagen besonders stark.“ Auch die Temperaturen würden immer weiter ansteigen. Vergangene Woche habe die Hitzewelle mal eine kurze Pause eingelegt. Das Thermometer zeigte lediglich 22 Grad an. „Aber mittlerweile liegen wir schon wieder bei 32 Grad“, erzählt Theobald.

Für die Studentin ist es bereits ihr zweiter Aufenthalt in Australien. Vor sieben Jahren war sie schon einmal am anderen Ende der Welt. Fünf Monate lang hat sie damals als Au-pair an der Ostküste gearbeitet. „Das ist wie eine Sucht. Wer einmal hier war, muss wieder kommen“, ist Theobald überzeugt. Dass Feuer ihr liebstes Reiseziel zerstören, tut ihr im Herzen weh. Daher hat sie einen Entschluss gefasst.

Dieses Baby-Känguru hatte Glück: Der Feuerwehrmann Dave Soldavini hat es gerettet. Foto: dpa/Jeremy Mcmahon
Ein Löschhubschrauber fliegt über ein Buschfeuer. Die Brände geraten immer mehr außer Kontrolle. Foto: dpa/State Government Of Victoria
Ein Känguru hüpft durch das von Rauchschwaden vernebelte Buschland. Eine Milliarde Tiere sind nach Schätzungen bereits getötet worden. Foto: dpa/Lukas Coch
Jessica Theobald aus Grügelborn studiert ein Semester lang in Perth. Die Fotos zeigen sie mit Koala und Känguru im Caversham-Wildlife-Park. Foto: Theobald
Jessica Theobald. Foto: Theobald

„Ursprünglich war geplant, dass mein Freund Ende Januar nachkommt. Wir wollten ein halbes Jahr lang in Perth leben und danach noch ein paar Monate reisen“, sagt Theobald. Sydney und auch ein Trip nach Bali hätten ganz oben auf ihrer Liste gestanden. Doch nun nach diesen Erlebnissen hat das Paar ein neues Ziel. Nach dem Semester wollen sich die beiden drei Monate lang einer Hilfsorganisation anschließen und Tiere retten, die wegen der Brände in Not geraten sind. „Wir können hier nicht mehr mit gutem Gewissen Urlaub machen, ohne anzupacken“, stellt die Grügelbornerin entschlossen fest.