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So lief die Wahl der Gemeinde Freisen

Wahl in Freisen : Die Freien Wähler und das breite Grinsen

Sie erreichen zur zweiten Amtszeit all ihre Ziele. In Feierlaune war auch der alte und neue Bürgermeister: Karl Josef Scheer (SPD).

Als die Saarbrücker Zeitung am Montagmorgen Gerd-Peter Werle, den Vorsitzenden der Freien Wähler, zur Stellungnahme erwischt, sind er und seine Mitstreiter gerade am Saubermachen. Und selbst das macht an diesem Morgen Spaß. Die Party im Kolpinghaus ging doch länger als erwartet. „Bis 3.30 Uhr haben wir eine Limo zusammen getrunken“, scherzt Werle. Die Freien Wähler haben auch allen Grund zum Feiern, gehen sie doch in Freisen als Sieger aus dieser Wahl hervor.

In erster Linie freut er sich, dass es im Gemeinderat keine absolute Mehrheit mehr gibt. Und das auch, weil die Freien Wähler mit 15,3 Prozent einen Sitz hinzugewonnen haben und nun mit vier Mitgliedern im Rat vertreten sind. Hinzu kommt, dass die Freien Wähler im Freisener Ortsrat vier Sitze erobert haben und damit die Möglichkeit besteht, den Ortsvorsteher zu stellen. „Alle von uns laufen heute Morgen mit einem breiten Grinsen bis hinter die Ohren  herum“, sagt Werle.

Auch Bürgermeister Karl-Josef Scheer ist bester Laune.  Er sieht sich nach einer langen Nacht – „ich kam um 2 Uhr heim“ – mit dem persönlichen Ergebnis von 65,6 Prozent in seiner Arbeit bestätigt. Schließlich habe er sein Wahlprogramm von vor fünf Jahren komplett abgearbeitet.  „Und ich werde auch genau so weiterarbeiten“, verspricht der SPD-Mann. Da sei es auch nicht tragisch, dass die SPD die absolute Mehrheit im Rat verloren hat. „Ich habe auch vorher schon zwei Jahre ohne absolute Mehrheit gearbeitet, das ist kein Problem, und ich werde auch kein Problem daraus machen.“ Seine Devise laute: Ehrlich sein, keine Versprechen machen, die er nicht halten kann, die Ratsmitglieder mitnehmen. Dann werde die Zusammenarbeit auch in Zukunft klappen.  Damit will er versuchen, die, die ihn nicht gewählt haben, in den nächsten zehn Jahren seiner  Amtszeit zu überzeugen.

Die ihn nicht gewählt haben, das waren 34,4 Prozent. Sie gaben ihre Stimme dem CDU-Kandidaten Alexander Becker, der, wie er selbst sagt, 299 Tage Wahlkampf gemacht hat. Er zeigt sich am Montag enttäuscht. „Ich habe schon bessere Tage in meinem Leben gehabt“, gesteht er ein. Nüchtern gesehen, sei es eben schwer, gegen einen Amtsinhaber zu gewinnen. Realistisch gesehen, habe er aber nicht nur gegen die SPD, sondern auch gegen die Freien Wähler gekämpft. Becker ärgert sich über die „klare Wahlempfehlung“ der Freien Wähler im Gemeindeblatt. Das hält er nicht für richtig. Wobei er betont: „Der Wahlkampf mit der SPD war fair auf Augenhöhe, aber nicht mit den Freien Wählern.“ Becker bedauert, dass mit den Freien Wählern „der Populismus auch im lokalen Bereich eingezogen ist“. Er sieht in ihnen lediglich eine „Protestpartei“, die der CDU schaden wolle.

Er hat gut lachen: Gerd Peter Werle von den Freien Wählern. Foto: B & K/Franz Rudolf Klos
Alexandra Altenhofer überreicht Bürgermeister Karl-Josef Scheer im Volkshaus in Oberkirchen eine Torte mit Feuerwerk und würdigt damit die gewonnene Wahl. Foto: B & K/Franz Rudolf Klos

Trotz der Niederlage will Becker die Wahl jetzt erst einmal sacken lassen und dann nach vorne blicken. Schließlich ist er auch Gemeindeverbands-Vorsitzender. Und da lautet die Devise: „Nach der Wahl ist vor der Wahl.“ Gerade in den Ortsräten gebe es auch erfreuliche Entwicklungen. In jedem Ort habe die CDU Vertrauen der Bürger gewonnen, dem müsse die Partei nun gerecht werden. Das gelte auch für die Gemeinde-Ebene. Da hat die CDU ihre zehn Sitze gehalten, die SPD ist nun mit 13 statt 14 Mitgliedern im Rat vertreten, und die Freien Wähler sind zu viert.  Die Wahlbeteiligung lag übrigens bei 78,9 Prozent.