Sensation zum Geburtstag

So schnell wird ein Dorf 203 Jahre älter. An diesem Wochenende wollte Haupersweiler eigentlich „nur“ sein 685-jähriges Bestehen mit einem historischen Dorffest feiern. Nun muss aber die Chronik überarbeitet werden. Denn Heimatforscher Bernhard Breidt hat im Kölner Stadtarchiv herausgefunden, dass die erste dokumentierte Erwähnung auf das Jahr 1128 datiert. Noch ein Grund mehr für das Fest, das an diesem Samstag mit einem historischen Umzug beginnt.

An diesem Wochenende sind große Festtage in Haupersweiler angesagt. Die 685-Jahr-Feier steht bevor. Die bislang erste urkundliche und bekannte Erwähnung von Haupersweiler geht auf das Jahr 1331 zurück. Doch plötzlich platzt Heimatforscher Bernhard Breidt mit einer überraschenden Nachricht herein: Das 578-Einwohner-Dorf ist wesentlich älter als bisher gedacht und müsste eigentlich seinen 888. Geburtstag feiern. Zusätzliche Verwirrung stiftet die Internetseite der Gemeinde Freisen, nach deren Angabe das Dorf im Jahre 1431 erstmals erwähnt wird.

Damit räumt Breidt nun auf. Das Mitglied des örtlichen Dorf- und Kulturvereins hat bei Recherchen im Kölner Stadtarchiv herausgefunden, dass das Dorf bereits im Jahre 1128 dokumentiert worden ist. Die Daten sind seinerzeit von Kataster-Inspektor Heinrich Michel in seinem Büchlein "Geschichte des St. Wendeler Landes und seiner einzelnen Gemeinden" zusammengetragen worden.

Lösung war zum Greifen nah

Im Jahre 1128 hat Haupersweiler mit Herchweiler und Seitz-weiler im Nahegau zur Abtei Disibodenberg gehört. "Ich hatte es geahnt", meint der Heimatforscher am Mittwoch. Anstoß für seine Spurensuche sei ein 1961 von seiner Cousine und Junglehrerin in Haupersweiler Maria Müller verfasster Aufsatz zum Thema "Heimat-raum meines Dienstortes" gewesen.

Seine anschließende Forschung hätte er wesentlich bequemer gestalten können. Mit einem Klick und dem Besuch auf der Internetseite des angrenzenden rheinland-pfälzischen Nachbardorfes Herchweiler wäre Breidt unter dem Menüpunkt "Geschichtliches" auf die gleichen Daten gestoßen, die seit rund zehn Jahren zum Nachlesen bereitstehen. Im vom Autor. dem Herchweiler-Altbürgermeister Helmut Weyrich, vor 20 Jahren recherchierten Artikel "Herchweiler in den alten Grenzbeschreibungen des Remigiuslandes" heißt es am Ende: "Haupersweiler und die heutige Straße in der Gass gehörte im Jahre 1128 zur Abtei Disibodenberg". Als Quelle gibt der Chronist ebenfalls das Büchlein des Kataster-Inspektors Michel an, zudem ein Antwortschreiben des Archivdirektors Dr. Debus, Landesarchiv Speyer, an den Verfasser datiert vom 1. Juni 1992. Am Donnerstag betont der im Tirolurlaub weilende Weyrich auf SZ-Anfrage: "Ich habe damals nach der Ortsgrenze von Herchweiler geforscht und nicht danach, wie alt Haupersweiler ist."

Als Breidt durch die SZ davon erfährt, ist er baff. "Davon habe ich nichts gewusst", so der überraschte Heimatforscher . Fakt ist in jedem Fall, Haupersweiler ist um 203 Jahre gealtert. "Diese Fakten wollten wir bis zum Dorffest rauskriegen und sie dann verraten", erklärt Ortsvorsteher Franz-Josef Danneck (SPD ). Und das ist noch nicht alles. Anhand von Ausgrabungsergebnissen kann zudem eine erste Besiedlung durch die Kelten in der jüngeren Eisenzeit (480 bis 30 v. Christus) nachgewiesen werden. Des Weiteren werden restaurierte Fundstücke keltischen Ursprungs aus der Spätlaténezeit (300 v. Christus) beim Dorffest präsentiert.

Zum Thema:

Auf einen Blick Das Dorffest in Haupersweiler startet an diesem Samstag mit einem historischen Umzug. Danach, um 18.30 Uhr, beginnt der Heimatabend, der von den Vereinen gestaltet wird. Weiter geht es am Sonntag, 9 Uhr, mit der Messe auf dem Festplatz. Um 10 Uhr startet der Markt. Ab 15 Uhr stehen an allen Ständen Darbietungen einzelner Gruppen an. Auch eine Fotoausstellung sowie Videos von vergangenen Dorffesten stehen auf dem Programm. Die Kinder können sich schminken lassen, auf der Hüpfburg toben, Karussell fahren oder sich am Wasserspritzen bei der Feuerwehr beteiligen. frf