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Mineralogisches Museum in Oberkirchen hat rund 3000 Steine zu bieten

Museen im Saarland : Steins Stein-Sammlung ist heute ein Museum

Das Mineralogische Museum in Oberkirchen sucht neue Wege. Ein Café und Veranstaltungen sollen verstärkt Besucher anziehen.

Es könnte auch gemalt sein. Aber das Motiv auf dem blauen Achat ist tatsächlich gewachsen. Es sieht aus wie eine untergehende Sonne. Und genau so heißt auch das Exponat, das laut Erwin Raddatz das absolute Schmuckstück im Mineralogischen Museum in Oberkirchen ist: „Die untergehende Sonne ist weltweit bekannt.“ Raddatz ist der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Weiselberg, der das Museum betreut; Eigentümer ist die Gemeinde Freisen.

Etwa 3000 Exponate gibt es in den beiden Räumen in der Alten Schule. Die meisten davon wurden rund um den Weiselberg gefunden, es gibt aber auch welche aus Fischbach bei Idar-Oberstein und ganz wenige aus fernen Ländern. 90 verschiedene Edelsteine sind ausgestellt, darunter Achat, Jaspis, Chalcedron, Amethyst, Goethit oder Rauchquarz. Der Großteil stammt aus einer Sammlung von Augustin Stein aus Sien, der der Liebe wegen nach Oberkirchen gezogen war. Sein Portrait hängt übrigens ebenfalls im Museum.

1920 begann Stein bereits mit dem Suchen nach Schätzen am Weiselberg. 1948 erteilte die Regierung des Saarlandes ihm die Genehmigung, ein Museum zu betreiben. Dieses Museum war in seinem Privathaus untergebracht. „Daher haben wir in Oberkirchen auch eine Museumsstraße“, so Raddatz. Und weiter: „Wahnsinn, was alles in diesem Haus verteilt war“, erinnert sich Raddatz an seine Schulzeit, als er das Privat-Museum einst besuchte. Und spricht von 30 bis 40 Vitrinen.

Nach dem Tod Steins 1958 führte zunächst dessen Frau Marga das Museum weiter. In den 1970er-Jahren kaufte die Gemeinde die Sammlung auf, damit nach Marga Steins Tod „nicht alles auseinandergerissen wurde.“ Denn die Erben hatten, so Raddatz, bereits damit begonnen, die Steine zu verkaufen. Zunächst lagerten diese im Keller des ehemaligen Rathauses, wo heute übrigens das Mineralienmuseum Freisen untergebracht ist.  Bis am 30. Juni 1996 das Mineralogische Museum im denkmalgeschützten Gebäude der Alten Schule eröffnet wurde.

Da der Heimat- und Verkehrsverein kein Mineralienverein ist, bleibt die Sammlung größtenteils auf dem Stand, auf dem sie heute ist. Denn die etwa 60 Mitglieder machen sich nicht auf die Suche nach Steinen, sie buddeln nicht oder schleifen. Sie verwalten lediglich die Sammlung. Und suchen neue Wege, um das Museum am Leben zu erhalten. Denn mittlerweile habe sich die Besucherzahl im Jahr auf zwischen 250 und 300 eingependelt. An einen Besucher aus Thüringen erinnert sich Raddatz besonders gerne. Vor ein paar Jahren habe dieser angerufen. Er sei gerade im Saarland und wolle mal vorbeischauen. Gesagt, getan. Kaum hatte er einen Schritt in die Ausstellung gemacht, freute er sich mit den Worten: „Genau das ist sie.“ Der Mann sammelte Tabakdosen. In der Pfalz hatte er eine aus Achat erstanden mit dem Aufdruck „Oberkirchen“. Nun machte er sich auf die Suche nach der Herkunft dieser Dose. Und wurde fündig.

Ein solch intensives Interesse sei aber selten. Zwar komme immer mal wieder eine Schulklasse vorbei, Touristen vom Ferienpark am Bostalsee machen einen Abstecher,  auch Busse fahren das Museum an. Amerikaner aus Baumholder, Chinesen aus Hoppstädten-Weiersbach oder auch Belgier, Holländer und Franzosen waren schon zu Gast. Aber die Massen bleiben aus. „Die kommen nicht wegen zwei Räumen mit Achaten“, sagt  Michael Roos, der im Verein für Pressearbeit und Marketing zuständig ist. Daher seine Devise: „Wir können nichts ändern, ohne uns etwas Neues einfallen zu lassen.“

Ein erster Schritt: Im Dezember 2017 eröffnete das Café Edelstein mitten im Museum. Ein paar Tische und Stühle, hinzu kommen selbstgebackene Kuchen, Kaffee und kalte Getränke. Das Konzept ist einfach. Und geht auf. Nicht nur der Heimat- und Verkehrsverein kann seine Kasse dank des Kuchenverkaufs aufbessern, sondern jeder Verein, der mal eine Sonntagsschicht übernehmen möchte. Die Liste dazu führt Raddatz. Die Nachfrage sei da. Nicht nur von den Vereinen. Sondern vor allem von den Besuchern. Und wenn sie schon mal da sind, dann schauen sich viele von ihnen auch die Steine an. „Dann werde ich gerufen und muss mal kurz meine Kaffeemaschine verlassen“, so Raddatz.

Eine weitere Aktion, mit der Gäste angelockt werden sollen:  Heimische Künstler dürfen im Museum ausstellen. Derzeit sind die Bilder von Winfried Pickard zu sehen.  Es gab schon eine Weinprobe im Museum, Vorträge, einen Bingo-Nachmittag oder eine Honig-Präsentation, gerade in der vergangenen Woche erst ein Edelstein- und Schmuck-Event. „Unsere Tür steht offen, jeder mit guten Ideen kann mitmachen“, so Roos. Das Prozedere sei einfach und unkompliziert. Und das alles mit einem Ziel im Fokus: „ Das Museum der Zukunft bietet nicht nur Edelsteine, es soll ein Multikommunikations-Platz werden.“  Dafür wird derzeit auch im oberen Stockwerk fleißig gewerkelt. Der historische Schulraum, in dem sogar noch die Tafel hängt, wird ausgebaut zu einem Veranstaltungssaal. Und draußen, neben dem Gebäude, entsteht demnächst eine Freifläche, damit im Sommer auch dort gefeiert werden kann. Raddatz und Roos denken da in erster Linie an das Gudd-Zweck-Extrem-Grillen, das nach einer Testphase im vergangenen Jahr ab 30. April jeden Dienstag vor dem Museum über die Bühne gehen soll. Auch hier ist das Konzept ganz einfach: Ein örtlicher Caterer bietet ein All-you-can-eat-Buffet, der Gast zahlt 14,50 Euro; und jeweils ein Euro geht an den ausrichtenden Verein. Es wird gegessen und sich unterhalten; und vielleicht findet dann auch der eine oder andere Besucher den Weg  ins Museum. Und betrachtet voller Ehrfurcht die untergehende Sonne.

Alle Serienteile, die bisher erschienen sind, finden sich im Internet.

www.saarbruecker-zeitung.de/

Dieser ehemalige Klassenraum wird zu einem Veranstaltungssaal umgebaut. Hier können auch Familienfeiern stattfinden. Foto: Melanie Mai
So sieht das Museum von außen aus. Es ist in der ehemaligen Schule untergebracht.  Dort besuchte auch schon Erwin Raddatz vom Heimat- und Verkehrsverein Weiselberg die Grundschule. Foto: Melanie Mai
Ein Portrait Augustin Steins hängt ebenfalls im Museum. Von ihm stammt der größte Teil der Sammlung. Darunter eine Vitrine mit Exponaten aus dem schwarzen Gestein, das am Weiselberg gefunden wurde. Foto: Melanie Mai
Michael Roos (links) und Erwin Raddatz mit zwei besonderen Achaten aus der Ausstellung. Foto: Melanie Mai
Derzeit sind die Werke von Winfried Pickard aus Oberkirchen zu sehen. Foto: Melanie Mai
Die „Untergehende Sonne“ ist ein  besonderes Exponat im Museum. Foto: Melanie Mai
Dieser Stein hat intensive Farben und ein Muster, das einer Blume ähnelt. Foto: Melanie Mai

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