1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Freisen

Linden leiden an Krebsgeschwülsten

Linden leiden an Krebsgeschwülsten

Freisen. Sie sind mehr als 80 Jahre alt, 35 Meter hoch und haben einen Umfang von bis zu 2,20 Meter. Die Rede ist von den Linden, die in der Freisener Schulstraße die Allee bilden. Diese Allee gehört Ende dieser Woche erst einmal der Vergangenheit an. Denn die Bäume sind krank und müssen gefällt werden. Heute Nachmittag, nach Schulschluss, geht's los

Freisen. Sie sind mehr als 80 Jahre alt, 35 Meter hoch und haben einen Umfang von bis zu 2,20 Meter. Die Rede ist von den Linden, die in der Freisener Schulstraße die Allee bilden. Diese Allee gehört Ende dieser Woche erst einmal der Vergangenheit an. Denn die Bäume sind krank und müssen gefällt werden. Heute Nachmittag, nach Schulschluss, geht's los. "Das ist mit die unangenehmste Entscheidung, die ich in 14 Jahren Amtszeit treffen musste", sagt Freisens Bürgermeister Wolfgang Alles. Denn diese Entscheidung habe enorme Auswirkungen auf das Ortsbild. Die Allee sei schön und gehöre einfach zum Dorf. Auch Ortsvorsteher Gerd Staudt sagt: "Die Linden-Allee ist das Aushängeschild von Freisen." Das Abholzen müsse aber sein. Im Frühjahr, als Mitarbeiter des Bauhofs, das Totholz aus den Baumkronen herausschnitten, entdeckten sie die Schäden. Alles gab ein Gutachten in Auftrag. Das Ergebnis liegt jetzt vor: Am Fällen der Bäume geht kein Weg vorbei. Gutachter Ingo Nienas aus Lebach nennt unter anderem Fäulnis an früheren Schnittstellen, Wunden an Stämmen, die von Unfällen herrühren, Längsrisse an Stämmen sowie Schief- und Drehwuchs als Gründe dafür. Außerdem zeigten die Stämme "sehr starke Krebsgeschwülste, die die gesamte Standsicherheit der Bäume empfindlich stören", sagt Nienas. Warum es zu diesen Schäden kommt, erklärt Alles. Als die Linden gepflanzt wurden, gab es kaum Infrastruktur. Die Bäume standen in der freien Natur, heute störten nicht nur Straße und Verkehr, sondern auch die Gebäude rundherum - Kindergarten, Schule, Rathaus. Versorgungsleitungen behindern die Wurzeln. "Der Baum wurde immer mehr eingeengt durch die Zivilisation", sagt Alles. Noch dazu seien die einzelnen Bäume sehr dicht nebeneinander gepflanzt worden. Acht bis zehn Meter - das sei zu wenig. Weniger für den Stamm als für die Kronen. "Die einzelnen Äste sind ineinander verwachsen", nennt der Bürgermeister ein Problem. Vor etwa sieben Wochen war die Erstbegehung mit dem Gutachter. Fünf Bäume mussten sofort weg. "Dicke Äste könnten beim nächsten Sturm herunterfallen", sagt Alles. Also wurden bereits fünf Bäume gefällt. Bis auf die jungen Bäume, die erst vor etwa 20 Jahren gepflanzt wurden, muss die komplette Allee weg. "Wir brauchen Schutz für die Anlieger, die Autofahrer und vor allem für die rund 700 Kinder in Schule und Kindergarten", sagt Alles. Aber der Charakter der Allee soll nicht für immer verloren sein. Bäume werden neu gepflanzt. Ob das allerdings noch einmal Linden sein werden, ist fraglich. Ein Bodengutachten soll klären, welche Bäume geeignet sind. "Ich würde gerne schon im Herbst neu pflanzen", sagt Alles. Aber im Haushalt ist kein Geld. Allein das Fällen kostet rund 20000 Euro. Und jeder neue Baum koste rund 1000 Euro. Schließlich, so Alles weiter, müssten es bereits geschulte Bäume mit einer gewissen Größe sein, "damit der Alleecharakter sofort wieder erkennbar ist". Die Schulstraße ist heute ab 14 Uhr sowie Dienstag bis voraussichtlich Donnerstag von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 19 Uhr teilweise gesperrt. Die Schulbusse können ungehindert fahren. "Diese Entscheidung tut richtig weh."Bürgermeister Wolfgang Alles lässt nur ungern die Linden fällen.Meinung

Unangenehm, aber richtig

Von SZ-RedakteurinMelanie Mai Natürlich werden jetzt viele Bürger empört sein, dass die schönen Linden gefällt werden. In der Tat tut es weh, sich vorzustellen, dass die über 80 Jahre gewachsene Allee ihren Charakter verliert. Aber Sicherheit geht vor. Jeder noch so schöne und alte Baum muss weichen, steht das Leben eines Kindes auf dem Spiel. In der Schulstraße tummeln sich täglich mehrere 100 Kinder - da wäre das Risiko zu groß.