Jüngster Neubürger ist eine Woche

Jüngster Neubürger ist eine Woche

Gemeinsam hat die Bevölkerung mit den in der Gemeinde Freisen angekommenen Zuwanderern das erste Begegnungsfest im Oberkircher Pfarrheim gefeiert. Der Kennenlern-Tag wurde vom Arbeitskreis Flüchtlinge organisiert; der sucht händeringend weitere ehrenamtliche Kräfte.

50 Flüchtlinge und zahlreiche Besucher genossen die deutsch-arabischen Leckereien.

Laut Freisens Bürgermeister Karl-Josef Scheer (SPD ) leben derzeit 72 Flüchtlinge in der Gemeinde Freisen. Bis Ende Oktober sollen weitere 28 Zuwanderer ankommen. "Wir bekennen uns klar zur Aufnahme, Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge. Im Gegenzug erwarten wir die vollständige Kostenerstattung von Bund und Ländern", forderte der Bürgermeister. Zentraler Punkt für die Integration der Flüchtlinge, so Scheer, sei das Erlernen der deutschen Sprache. In Freisen kümmert sich der Arbeitskreis Flüchtlinge um die Belange der Neuankömmlinge. Derzeit plant er, in Freisen einen Sprachkurs für Jugendliche ab 16 Jahren mit Kinderbetreuung aufzubauen.

Doch die Ehrenamtler sind personell an ihre Grenzen gestoßen. "Wir suchen besonders in Freisen mehr Menschen, die dort vor Ort helfen wollen", betonte Michaela Loch vom Arbeitskreis.

Der in Freisen wohnende Syrer Ahmed Hubbi lobte deren Engagement. "Ich danke allen, ich bin so froh mit meiner Frau hier sein zu können", sagte der 24-Jährige, der zuvor einen Monat in der Landesaufnahmestelle in Lebach untergebracht war. Hubbi stammt aus Damaskus und wählte für seine sechswöchige Flucht in Richtung Europa den Landweg über Griechenland, Mazedonien und Ungarn. "Das ist mittlerweile sehr gefährlich, weil die Ungarn einen Grenzzaun aufgestellt haben", schilderte Hubbi. Zurück in sein Heimatland, in dem noch seine Eltern leben, will der Student im Fach Kommunikation nicht. "Meine deutsche Sprache muss besser werden, deshalb will ich einen Sprachkurs besuchen", so sein vorrangiges Ziel. Denn verstehen würde er seine deutschen Mitbürger, mit den Antworten hapere es noch.

Vor einer Woche erblickte das jüngste Flüchtlingskind in der Gemeinde das Licht der Welt. Es heißt Abidan, seine Eltern sind Filman Mesfit und Filmanit Abraham, die aus Eritrea stammen und in Oberkirchen wohnen. Filman Mesfit spielt Fußball im Team der Spielgemeinschaft Oberkirchen /Grügelborn. Für sein Fahrgeld zum Sprachkurs in St. Wendel kam Wilfried Weingarten auf. Der Senior aus der Kreisstadt ist der Lotse der nun dreiköpfigen Familie.

"Im Arbeitskreis helfen sich alle untereinander, aber ein Lotse, der sich individuell um eine Familie kümmern kann, ist für die Integration von enormer Bedeutung", charakterisierte Scheer die Wuchtigkeit der sogenannten Patenrolle.

In seiner Gemeindeverwaltung schlagen alle Anfragen rund um die Flüchtlingsarbeit bei Sascha Wolter im Ordnungsamt auf. "Wir kommen manchmal mit der Arbeit nicht hinterher", gab Wolter zu, der zudem in den Arbeitskreis involviert ist. Personelle Verstärkung soll nun die ausgeschriebene Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bringen. Des Weiteren hofften Loch und Scheer durch Gespräche während des gut besuchten Begegnungsfestes auf neuerliche Unterstützung. "Es war eine Auftaktveranstaltung, durch die Kommunikation entstehen auch zündende Ideen", freute sich Scheer über die Resonanz.