In Reitscheid wurde Schlachtfest gefeiert

Museum als Veranstaltungsort : Nicht nur auf dem Heuboden deftig gespeist

Rund 150 Besucher kamen am vergangenen Wochenende zum ersten Schlachtfest ans Landwirtschaftsmuseum nach Reitscheid.

Das erste zweitägige Schlachtfest am Reitscheider Landwirtschaftsmuseum bescherte 150 Gästen volle Mägen. „Mit so vielen Besuchern haben wir nun wirklich nicht gerechnet, damit sind wir auch an der Kapazitätsobergrenze angelangt“, meinte Philipp Wagner vom veranstaltenden Feldküchenteam. Die Gäste erhielten einen Einblick in die Hintergründe eines Schlachtfestes, wie es auf Bauernhöfen in der Region einst üblich war. Der vermögende Bauer  schlachtete damals seine Sau. Familie, Knechte und Mägde hatten zu essen, und die Obrigkeit wurde oftmals mit dem Filetstückchen gut gestimmt.

Vier Schweinehälften wurden am Samstag in Reitscheid angeliefert, die anschließend der ehemalige Metzger Ernst Guth verarbeitete. Und auch das gehörte früher dazu: War ein Schwein getötet, ausgeblutet und abgebrüht, verdienten sich die Metzger einen guten Tropfen dafür. „Zuerst gibt es  einen Schnaps, so etwas hatte früher bei einer Hausschlachtung Tradition“, erklärte Guth vor der Fleischbeschau und Zerlegung. Mit seinen nostalgischen Werkzeugen aus Panzerstahl löste er Keule, Bug, Rippen und Kotelett aus. „Ja, so war das hier damals, als sich die Menschen noch selbst versorgt haben“, erzählte er den Besuchern, die ihm bei der Arbeit zuschauten. Guth beäugte jedes abgetrennte Teil genauestens. „Ich muss ja auch entscheiden, denn ich kann nicht alles, für alles nehmen“, so Guth.

Eine Schicht von zwölf Stunden legte der Senior-Metzger hin, ehe er Hausmacher Blut- und Leberwurst sowie Schwartenmagen hergestellt hatte und seine Schürze an den Haken hängen konnte. „Das war schon anstrengend“, gab der Metzger zu. Am Sonntag wurde das verarbeitete Schwein verkostet. Zur Herstellung der Speisen heizten die Reitscheider die Kessel einer Feldküche aus dem Bestand der ehemaligen Nationalen Volksarmee (NVA) an. „Die haben wir uns vor drei Jahren zugelegt, um für den guten Zweck zu kochen. Wenn wir aus den Kosten rauskommen und Spaß haben, ist es gut“, meinte Wagner. Er und seine Kollegen vom Feldküchenteam sind allesamt Mitglieder im Löschbezirk Reitscheid. „Der heiße Kessel macht uns nichts aus“, scherzte Wagner.

Literweise köchelte die als Vorspeise gereichte Wurstsuppe. In weiteren Kesseln garte die Hauptspeise:  Dörr- und Wellfleisch, dazu gab es Leberknödel und Sauerkraut. Heimatliches kam auf den Teller. Jörg Janes hakte am gegenüberstehenden Tisch die Bestellungen ab. „Wir haben sogar Gäste aus St. Ingbert und Ommersheim“, freute sich Janes, der neben dem Job als Hobbykoch noch als Ortsvorsteher fungiert. „Wir wollen mit dem Schlachtfest auch das nostalgische Landwirtschaftsmuseum aufwerten, in den Wintermonaten ist ja nicht viel los“, meinte Janes.

Viel Kraft benötigt Metzger Ernst Guth, bis das Fleisch odnungsgemäß zerlegt ist. Foto: B & K/Franz Rudolf Klos

Wie anno dazumal bei der Bauernfamilie verzehrten Besucher deftiges Mittagessen in der Stube des typischen, südwestdeutschen Gebäudes mit 200 Quadratmetern Nutzfläche aus dem Jahre 1862. Eine größere Gruppe speiste auf dem Heuboden oder im Gewölbekeller. „Das kam sehr gut an. Wir wollen das Museum auch künftig weiter mit Leben füllen“, hat Janes vor. Laut Wagner sollen weitere Schlachtfeste unter Einbeziehung der historischen Kulisse folgen. „Besonders im Januar sind ja nicht so viele Veranstaltungen, da passt unser Schlachtfest gut in den Kalender rein“, meinte er. Der Erlös des Schlachtfestes kommt der Dorfgemeinschaft in Reitscheid zugute.