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Im Gemeinderat Freisen ging es um ein neues Gewerbegebiet

Gemeinderat Freisen : Freisen und das große Missverständnis

Die Diskussion im Gemeinderat um ein neues Gewerbegebiet ging in eine andere Richtung als vom Antragssteller gedacht.

Das hatten Alexander Becker und seine CDU-Fraktion so nicht erwartet. Ihr Antrag im Freisener Gemeinderat zielte darauf ab, sich Gedanken über ein neues Gewerbegebiet zu machen. Und dann entwickelte sich die Diskussion in eine ganz andere Richtung.

Die Fraktion beantragte, dass Bürgermeister Karl-Josef Scheer (SPD) „Kontakt mit der Landesplanung aufnimmt, um neu zu erschließende Gewerbeflächen in unserer Gemeinde Freisen zu prüfen und den Rat über die Gespräche informiert“. Denn nach Ansicht der CDU stehen derzeit zu wenige Gewerbeflächen zur Verfügung, im Gewerbegebiet „Auf der Schwann“ lediglich nur noch eine größere Parzelle, so Becker in seinen Ausführungen. Gleichzeitig schlug er die Fläche unterhalb des Sportheims in Schwarzerden als möglichen Standort eines neuen Gewerbegebietes vor. Und genau darauf zielte nun der überwiegende Anteil der Diskussion ab.

Zwar betonten sowohl Bürgermeister Scheer als auch die beiden Sprecher der anderen Fraktionen, Gerald Linn (SPD) und Gerd-Peter Werle (FWG), dass sie derzeit keinen Bedarf sehen. Schließlich gebe es nicht nur das Gewerbegebiet „Auf der Schwann“, wo noch etwa 8000 Quadratmeter zur Verfügung stünden, sondern auch mögliche Flächen in der Dommersbach (laut Scheer 12,6 Hektar) oder auch in der Zennwies (1,3 Hektar). Wenn man das zusammenzähle, fragt sich Scheer: „Wie viele Gewerbetreibende sollen zu uns kommen?“ Und auch Linn meint: „Die Betriebe laufen uns die Tür nicht ein.“ Die Kosten für den Ankauf der Flächen sowie die Erschließung, so Scheer weiter, seien für die Gemeinde derzeit nicht zu stemmen.

Trotz der generellen Ablehnung des CDU-Antrags, drehte es sich in der weiteren Debatte aber lange und heftig um die vorgeschlagene Fläche in Schwarzerden. Und das, obwohl Becker sowie Sandra Morgenstern für die CDU betonten, dass es hier nicht um Schwarzerden, sondern vielmehr um ein Gewerbegebiet im Allgemeinen gehe. Becker: „Ich würde ungern einem Investor sagen, dass wir kein Gelände für ihn haben.“ Für die CDU war es vor allem der Autobahnanschluss, der für diesen Standort in Schwarzerden spricht. Aber das genüge nicht, waren sich die anderen Fraktionen einig. Linn sprach von einer „aufwändigen Terrassierung“, die nötig wäre, um das Gebiet zu erschließen. Das koste zu viel Geld. Außerdem stelle der Verkehr zum Gebiet eine zu große Belastung für die Anwohner dar. Auch Werle betonte, dass die Fläche allein schon wegen des Höhenunterschiedes „ungeeignet für Gewerbe“ sei. Und überhaupt: „Es gibt bestehende und genehmigte Gewerbegebiete, diese Chancen darf man nutzen.“ Zumal Linn von knapp 20 Hektar spricht, die in vier verschiedenen Bereichen zur Verfügung stünden.

„Wer das Gelände kennt, wird erkennen, dass der Vorschlag nicht zu verwirklichen ist“, so Scheer. Dabei gebe es „ein Totschlag-Argument nach dem anderen“. Neben der steilen Hanglage sei es vor allem die Tatsache, dass Teile des vorgesehenen Gebietes Ausgleichsflächen für Windkraft seien. Es sei schwierig, diese herauszulösen und noch schwieriger, neue Flächen zu finden.

Alexander Becker, CDU. Foto: Melanie Mai
Bürgermeister Karl-Josef Scheer. Foto: B & K/Franz Rudolf Klos
Gerald Linn, SPD. Foto: Melanie Mai
Gerd-Peter Werle, Freie Wählergemeinschaft. Foto: Melanie Mai

Wie es die Diskussion schon vermuten ließ, stimmte lediglich die CDU für ihren Antrag. Becker zeigte sich nach der Sitzung enttäuscht: „Der Rat hat sich auf die vorgeschlagene Fläche verbissen, es ging nicht mehr ums Thema, nämlich um die Ausweisung neuer Gewerbeflächen.“