Freizeitweg: Grünes Licht für Planung des Freizeitweges

Freizeitweg : Grünes Licht für Planung des Freizeitweges

Kritik an den Plänen des Ministeriums kommen vom Verkehrsclub Deutschland und der IG Nationalparkbahn.

„Er wird eine echte Bereicherung für das Nordsaarland“ ist Anke Rehlinger (SPD), Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr überzeugt. Die Rede ist von einem sogenannten Freizeitweg. Der soll auf den stillgelegten Bahntrassen 3131 und 3201 die Gemeinden Nonnweiler, Nohfelden und Freisen miteinander verbinden. „Mit den Planungen kann jetzt begonnen werden, wir haben auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie die haushälterischen Voraussetzungen dafür geschaffen“, erklärt die frühere Ministerin für Umwelt- und Verbraucherschutz. Im Zusammenspiel mit dem Bostalsee und dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald entstehe eine neue Attraktion.

Wenngleich Harald Egidi, Leiter der Nationalparkverwaltung, es offenbar gutheißen würde, wenn neben dem geplanten Radweg die noch vorhandenen Gleise zwischen Türkismühle und Bierfeld (Bahnstrecke 3131) liegen blieben, um die Möglichkeit zu haben, zukünftig wieder Schienenverkehr durch Hunsrück und Hochwald rollen zu lassen. „Eine Reaktivierung der Bahnstrecke“, so zitiert die Interessengemeinschaft (IG) Nationalparkbahn Hunsrück-Hochwald den Parkleiter, „wäre eine willkommene Bereicherung für die gesamte Region.“

Das sieht die saarländische Landesregierung anders. Sie hält weiter an ihrer Planung für einen Freizeitweg – und ausschließlich für einen solchen – fest. Der Saarbrücker Plan sieht vor, die Schienen der Hochwaldbahn auf dem 16 Kilometer langen Abschnitt zwischen Türkismühle und Bierfeld rauszureißen und auf dem ehemals für zwei Gleise gebauten Planum einen Freizeitweg zu asphaltieren. Einem von der IG ausgearbeiteten alternativen Radwegeplan, der ein Nebeneinander von Freizeitweg und Tourismusbahn propagiert, „wird weiter keine Beachtung geschenkt“, teilt dazu die IG Nationalparkbahn mit.

Der Freizeitweg passe gut ins Tourismuskonzept des Landkreises und des Landes, heißt es indes vonseiten des Wirtschaftsministeriums. Er werde zu einer perfekten Ergänzung des Radwegenetzes, weil er durch seine Anbindung an den rheinland-pfälzischen Ruwer-Hochwald-Radweg, den Fritz-Wunderlich-Radweg und den Nahe-Radweg völlig neue Möglichkeiten für Radtouristen eröffne. Rehlinger dazu: „Bahntrassen-Freizeitwege haben erfahrungsgemäß eine hohe Anziehungskraft, vor allem auf Fahrradfahrer. Positivbeispiele seien der Wendelinus-Radweg zwischen St. Wendel und Tholey oder auch der Bliestal-Freizeitweg im Saarpfalz-Kreis.“

Auch die Gemeinden Freisen, Nonnweiler und Nohfelden stünden hinter dem Projekt. Die Gesamtkosten des insgesamt rund 30 Kilometer langen Weges werden laut Ministerium auf fünf Millionen Euro geschätzt. Damit könne ein hochwertiger Asphaltausbau realisiert werden, sagt die Ministerin. Kosten für Planung, Grunderwerb, Rodungsarbeiten, Bau und Beschilderung seien in diese Summe bereits eingerechnet. Weiter heißt es, dass sich neben dem Wirtschaftsministerium auch der Landkreis St. Wendel sowie die drei betroffenen Kommunen an der Finanzierung beteiligen werden. Wie hoch diese Beteiligung jeweils ausfällt, war auf SZ-Nachfrage allerdings nicht in Erfahrung zu bringen. Besonders teuer würde es theoretisch für Nonnweiler und Nohfelden, weil auf dem 16 Kilometer langen Teilstück durch die beiden Kommunen noch Schienen liegen, die nach dem Willen der Landesregierung herausgerissen werden sollen. Anders auf dem Teilstück von Türkismühle nach Freisen (3201). Hier ist der Schienenstrang ab Wolfersweiler bereits Geschichte. Dass genau das auf dem Teilstück Türkismühle und Freisen nicht passiert, dafür kämpft die IG Nationalparkbahn. Deren Vorsitzender Felix Jacob weist darauf hin, dass der sogenannte Entwicklungshorizont des Nationalparks auf 30 Jahre beziffert wird.

„Das bedeutet, dass wir uns gerade am Anfang einer langen Entwicklung befinden“. Allerdings würden jetzt die entscheidenden Weichen für den touristischen Fortschritt der Region und des Nationalparks gestellt. „Da kann man doch jetzt nicht sagen, dass hier eine Eisenbahnanbindung keinen Sinn machen würde.“ Im Gegenteil. Hunsrück- und Hochwaldbahn müssten sowohl aus touristischer als auch aus verkehrsplanerischer Sicht eine Zukunft haben. Das Land Rheinland-Pfalz habe das erkannt und einen entsprechenden Fördertopf bereitgestellt, um peu à peu diese beiden Bahnstrecken für einen Tourismusverkehr instandzusetzen. Im Saarland sei so etwas nicht nur nicht in Sicht – es werde noch nicht einmal über den Alternativplan der IG diskutiert. Man wolle die Schienen herausreißen und so unumkehrbare Fakten schaffen. „Dabei haben wir hier einen Goldschatz, der nur gehoben werden muss. Das sagt jeder, der sich ein bisschen damit beschäftigt hat. Das touristische Potenzial ist doch nicht von der Hand zu weisen“, sagt Jacob und kritisiert gleichzeitig die eingangs erwähnte Machbarkeitsstudie der Landesregierung. „Die finde ich eher peinlich und nicht belastbar. Wir haben da ganz andere Zahlen. Zumal unseres Wissens bislang noch nicht einmal Verkaufsverhandlungen mit dem Eigentümer der Strecke geführt wurden. Hier wird mit fremdem Eigentum spekuliert.“

Felix Jacob, Vorsitzender der IG Nationalparkbahn, unmittelbar hinter dem Bahnhof Türkismühle. Das linke Gleis soll herausgerissen werden. Foto: Thorsten Grim/TThorsten Grim
Kurz hinter dem Bahnhof Hermeskeil kann man gut erkennen, dass hier der Radweg und die Bahn nebeneinander existieren können. Foto: Thorsten Grim

Das sieht auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) so, der von der Landesregierung „ein touristisches Bahnkonzept“ für den Nationalpark fordert. Es mache einfach Sinn, „zwischen Türkismühle und Hermeskeil die Bahnstrecke 3131 zu erhalten und einen touristischen Verkehr anzubieten – mit Perspektiven nach Morbach und Simmern“, wie VCD-Sprecher Erhard Pitzius erklärt. Zwar wünsche sich der VCD den Ausbau des Radweges auf dieser Strecke. Aber der „kann und sollte, wie schon mehrmals dargestellt, parallel zur Bahntrasse geführt werden“. Das Schöne daran laut VCD: „Das verringert sogar die Kosten des Radweges.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung