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Gläubige feiern mit Orgeltönen das Gotteslob

Gläubige feiern mit Orgeltönen das Gotteslob

Reitscheid. Es war ein festlicher Tag für die Reitscheider Katholiken. In ihrer mehr als 50 Jahre alten Filialkirche erklingt seit Samstag zum ersten Mal eine Pfeifenorgel. Sie konnte für 13 000 Euro angeschafft und renoviert werden, weil die Gläubigen viel Geld gespendet und sich etliche Sponsoren dafür engagiert haben. Zuschüsse des Bistums gab es für die Orgel nicht

Reitscheid. Es war ein festlicher Tag für die Reitscheider Katholiken. In ihrer mehr als 50 Jahre alten Filialkirche erklingt seit Samstag zum ersten Mal eine Pfeifenorgel. Sie konnte für 13 000 Euro angeschafft und renoviert werden, weil die Gläubigen viel Geld gespendet und sich etliche Sponsoren dafür engagiert haben. Zuschüsse des Bistums gab es für die Orgel nicht.Während eines Festgottesdienstes wurde die "Königin der Instrumente" durch Pastor Hanno Schmitt gesegnet und ihrer Bestimmung übergeben. Organist Johannes Bernarding begleitete mit der Orgel erstmals beim Gloria-Lied "Herr, großer Gott, dich loben wir" den Gemeindegesang. "Keine Religion der Erde ist ohne Musik", begann Pastor Schmitt seine Predigt. "Auch im christlichen Gottesdienst nimmt die Musik einen wichtigen Platz ein." Wo Menschen ihren Gott preisen wollen, reichten Worte manchmal nicht aus. "Mehr als Worte sagt ein Lied" heiße es in einem Lied im Gesangbuch. Musik und Gesang seien allerdings nicht der festliche Rahmen eines Gottesdienstes, sondern gehörten zu seinem Vollzug. Die 366 Pfeifen der Reitscheider Orgel hätten aber auch eine symbolische Bedeutung. Erst der Wind lasse sie ertönen. Dieser Wind sei das Symbol für den heiligen Geist. "So wird die Orgel zur Verkünderin unseres Glaubens und posaunt ihn in alle Welt hinaus", schloss der Geistliche seine Ansprache.Während der heiligen Messe sang der Kirchenchor Cäcilia Oberkirchen. Als Dekanatskantor Stefan Klemm aus St. Wendel nach dem Gottesdienst die Orgel mit verschiedenen Werken vorstellte, gab das Instrument sein ganzes musikalisches Geheimnis preis. An der Feier nahmen auch der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald und der Freisener Bürgermeister Wolfgang Alles, beide CDU, teil. Zur Vorgeschichte der Orgel: 30 Jahre hatte eine elektronische Orgel die Gottesdienste in Reitscheid begleitet. Doch sie war in die Jahre gekommen, und eine Reparatur wäre zu aufwendig gewesen. Der ursprüngliche Entschluss, ein neues elektronisches Instrument anzuschaffen, wurde zu Gunsten einer gebrauchten Pfeifenorgel fallengelassen, zumal auch das Zweite Vatikanische Konzil festlegte, "dass die Pfeifenorgel in hohen Ehren gehalten werden soll." So machte sich der Orgelbauer Thomas Gaida aus Wemmetsweiler im Auftrag des Pastors und des Verwaltungsrates auf die Suche nach einer gebrauchten Orgel. Er wurde bei einem Zwischenhändler in Wuppertal fündig. Das fast 50 Jahre alte Instrument stand vorher in einer evangelischen Kirche in Kiel und kostete 4000 Euro. Der Orgelbauer zerlegte es, baute es in Reitscheid wieder auf, gestaltete die Windanlage um, tauschte die Verschleißteile aus, intonierte es neu und passte es dem Kirchenraum an. Das kostete noch einmal 9000 Euro. Die Orgel hat ein Manual, Pedal und fünf Register mit den Bezeichnungen Gedackt, Rohrflöte, Prinzipal, Cornett und Subbass. gtr