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Feldküchenteam Reitscheid sammelt Spenden für Flutopfer in Altena

Flutkatastrophe : Spontane Hilfe aus der Feldküche

Überwältigende Resonanz: Am Sonntag ging die Spendenveranstaltung „Reitscheid isst für die Flutopfer“ zugunsten der Angehörigen eines im Einsatz umgekommenen Feuerwehrmannes aus Altena über die Bühne.

Konrad Wohlgemuth sitzt abends vor dem Fernsehgerät und verfolgt die Nachrichten aus den vom Hochwasser überfluteten Gebieten. Mehr als 30 Jahre hat er als Löschbezirksführer bei der Freiwilligen Feuerwehr in Reitscheid fungiert. Jetzt sieht er Bilder von einem Feuerwehrmann beim Hochwassereinsatz in der nordrhein-westfälischen Stadt Altena. Wohlgemuths Atem stockt, was er beobachtet, lähmt ihn und fassen kann er das Gesehene nicht. „Das war furchtbar schlimm“, meint er. Die Feuerwehr aus Altena ist zu einer Personenrettung alarmiert worden. Eine Straße hat sich in einen reißenden Strom verwandelt. Die Person kann gerettet werden, aber ein 46-jähriger Feuerwehrmann wird, als er wieder in das Feuerwehrfahrzeug einsteigen will, von der starken Strömung mitgerissen. Kurze Zeit darauf kann er nur noch tot geborgen werden.

„Mir ist dann sofort durch den Kopf gegangen, da müssen wir jetzt was tun“, sagt Wohlgemuth. Er trommelt seine Kumpel vom Feldküchenteam, das aus Mitgliedern des Löschbezirks Reitscheid besteht, zusammen. „Innerhalb kürzester Zeit haben wir eine Spendenveranstaltung mit konkretem Ziel geplant“, ergänzt er. Der Aufruf „Reitscheid isst für die Flutopfer“ steht schnell, der Außenbereich zwischen Sportplatz und Mehrzweckhalle wird für den Sonntag reserviert. „Wir haben schnell ganz tolle Sponsoren gefunden, die uns von allen Seiten her unterstützt haben“, freut sich Wohlgemuth.

Die Feldküche, früher bei der Nationalen Volksarmee (NVA) in Betrieb, wird angekarrt und platziert. „Lang, lang ist es her. Im Januar 2020 war sie zuletzt beim Schlachtfest am Landwirtschaftsmuseum in Betrieb. Mittlerweile haben wir die Feldküche von Diesel- auf Gasbetrieb umgestellt“, teilt Philipp Wagner mit. Erbsensuppe mit Mettwurst und Sauerkraut steht auf der Speisekarte für die Spendenaktion. „Zubereitet wird nach unserem eigenen Rezept“, lässt Feldküchenkoch Reinhold Scheer sich nicht in den Kessel gucken. 20 Kilogramm Erbsen, 25 Kilogramm Gemüse, zehn Kilogramm Kartoffeln und jeweils 15 Kilogramm Zwiebeln und Speck liegen zur Verarbeitung bereit. „Wir planen mit 300 Portionen“, kündigt Scheer an. Wohlgemuth wirkt dagegen zurückhaltend. „Viel an Werbung haben wir auf die Schnelle ja nicht machen können. Ich hoffe, dass die Bevölkerung die Spendenaktion annimmt“, sagt er.

Seine Feuerwehrkameraden haben gerade die letzten Tische und Bänke aufgestellt, da kommen bereits die ersten Gäste zum Mittagessen. In Reitscheid und den umliegenden Dörfern bleibt überwiegend die Küche kalt, die Bevölkerung „löffelt, isst und nascht“ in Gedenken an den Feuerwehrmann in Altena. „Klar war von vornerein, dass wir die Suppe kostenlos ausgeben werden. Wir freuen uns dann über jede Spende“, erläutert Wagner die Intension des Feldküchenteams. Und die Suppenköche erleben einen sagenhaften Andrang. Besucher suchen sich mit der gefüllten Terrine einen Sitzplatz, andere holen mit einem Topf das Mittagessen für die ganze Familie ab. Ihre Spende dafür stecken sie in einen alten Feuerwehrhelm. „Nach langer Zeit ist es auch wieder mal eine Gelegenheit, dass die Menschen zusammenkommen. Und es macht ja auch Spaß, gemeinsam zu helfen“, findet Wagner, der die warme Mahlzeit noch mit Sauerkraut garniert.

Oh, es wird eng, die Sitzplätze werden knapp. Die Feuerwehr stellt letzte Garnituren auf, weitere Gäste werden in der Mehrzweckhalle zu Tisch gebeten. „Die Suppe wird komplett weggehen“, was Feldküchenkoch Scheer riesig freut. Mittlerweile ist auch der Spendenhelm prall gefüllt und wird durch eine Kiste ausgetauscht. Den Nachtisch gibt es am frühen Nachmittag. Kaffee und Kuchen wird zu Preisen wie anno dazumal angeboten. „Die Leute sind zu uns gekommen und haben gefragt, ob sie Kuchen spenden können. Die Hilfsbereitschaft auch hier bei uns ist schon enorm“, schwärmt Wohlgemuth.

 Zum Mittagessen waren alle Sitzplätze im Außenbereich besetzt.
Zum Mittagessen waren alle Sitzplätze im Außenbereich besetzt. Foto: Frank Faber

Mittlerweile habe er auch Kontakt zur Feuerwehr nach Altena aufgenommen. „Wenn wir alles ausgezählt haben, werden wir nach Altena fahren und den Angehörigen des tödlich verunglückten Feuerwehrkameraden die Spende übergeben“, hat das Feldküchenteam vor. Sicherlich sei die Spende lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. „Dennoch soll es uns ein gutes Gefühl geben, etwas getan zu haben“, meint Wohlgemuth.