Dorfkinder machen Zukunft

Aßweiler. "Wir, das heißt Otmar Weber von der Agentur ländlicher Raum des Umweltministeriums und ich, haben uns überlegt, was wir mit Kindern auf der dörflichen Ebene machen könnten, damit sie sich mit ihrem Ort identifizieren", berichtet Eveline Bautscha. Die Mitarbeiterin des Kobra-Beratungszentrums in St

Aßweiler. "Wir, das heißt Otmar Weber von der Agentur ländlicher Raum des Umweltministeriums und ich, haben uns überlegt, was wir mit Kindern auf der dörflichen Ebene machen könnten, damit sie sich mit ihrem Ort identifizieren", berichtet Eveline Bautscha. Die Mitarbeiterin des Kobra-Beratungszentrums in St. Ingbert ist ins Blieskasteler Rathaus gekommen. Dort stellt sie zusammen mit Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener und der Leiterin der Grundschule Niederwürzbach-Aßweiler, Helga Appenzeller, ein Pilotprojekt vor, das nach den Osterferien startet. Unter dem Motto "Dorfkinder machen Zukunft" soll die dritte Klasse der Schul-Dependance Aßweiler in den kommenden Monaten ihre dörfliche Umwelt erkunden. Veranstalter dieses Projektes im Rahmen des Programmes "Melanie" sind das Umweltministerium und die Stadt Blieskastel. Professionell begleitet werden die Beteiligten von dem "Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung" (Kobra) in St. Ingbert. Hintergrund des Pilotprojektes ist die drohende Entvölkerung der Dörfer. Daher sollen die künftigen Bürger und Bürgerinnen, die heutigen Kinder, frühzeitig lernen, sich als Teil ihres Dorfes zu begreifen und sich für dieses zu engagieren. "Damit die Kinder sich in ihrem Heimatdorf wohl fühlen und mit ihm verwurzelt sind und bleiben, müssen die Dörfer zu kinderfreundlichen Wohn- und Lebensräumen werden", betonte Eveline Bautscha. Auch Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener begrüßte das Projekt. Anders als früher kämen die Kinder heutzutage schon früh in Kontakt mit dem Leben "außerhalb", gebe es viel mehr Ablenkungen und Angebote. Die Kinder und oft auch die Eltern seien nicht mehr so stark in der Dorfgemeinschaft verankert wie dies früher der Fall gewesen sei. "Froh und stolz" zeigte sich Schulleiterin Helga Appenzeller darüber, dass ihre Schule für das Projekt ausgewählt wurde. Unter der Leitung der Klassenlehrerin Nicole Severin werden sich die Drittklässler aus Ballweiler, Biesingen, Wecklingen und Aßweiler ab dem 4. April an die Arbeit machen. Im Schulunterricht werden sie zunächst Schritt für Schritt an die Thematik herangeführt. Die Kinder lernen ihr Heimatdorf in allen seinen Facetten (Dorfleben, Vereine, Strukturen, Dorfplan, Kultur, Geschichte) kennen. Dabei nehmen sie auch eine Bewertung vor (pro und kontra), die Anhaltspunkte liefern könnte, was zu verbessern wäre. "Im weiteren Verlauf entwickeln die Kinder ein eigenes Projekt, indem sie das Gelernte umsetzen und kreativ darstellen", so Bautscha. Der zeitliche Rahmen sieht so aus: Bis Juni Bestandsaufnahme mit öffentlicher Präsentation der Ergebnisse. August bis Juni 2009: Projektarbeit. Juni 2009 Abschlusspräsentation. Meinung

Lobenswertes Projekt

Von SZ-RedakteurinChristiane de Zalewski Dass ein Mensch von der Geburt bis zum Tod in seinem Heimatdorf blieb, war früher das Übliche. Man kannte jede Gasse, jedes Haus, man wusste, wer wo wohnte und mit wem man verwandt war. Das schuf Geborgenheit, Identität. Heute ist man mobil und rundum elektronisch vernetzt - aber die einfache zwischenmenschliche Verbindung fehlt zunehmend. Projekte wie "Dorfkinder machen Zukunft" versuchen, die schwierige Gratwanderung zwischen modernem Individualismus einerseits und notwendigem Gemeinsinn andererseits zu bewältigen. Auf einen BlickDas Projekt "Dorfkinder machen Zukunft" ist ein Pilotprojekt im Rahmen von "Melanie" (Modellvorhaben zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs durch innerörtliche Entwicklung) des saarländischen Umweltministeriums, gemeinsam mit der Stadt Blieskastel. Ausführende sind die Kinder der Klasse 3 der Grundschule in Aßweiler. Begleitet wird das Projekt von der Agentur "Kobra". zal