Das Mittelalter gastierte in Freisen

Fast wie im Mittelalter : Mittelalter auf 90 000 Quadratmetern

Zahlreiche Besucher pilgerten am Wochenende in den Freisener Naturwildpark. Dort boten Händler ihre Waren feil.

Ritter, Gaukler, Händler und Fußvolk trafen sich am Wochenende auf dem Gelände des Naturwildparks Freisen. Von Freitag bis Sonntag kamen ganze Besucherscharen ins nördliche Saarland und ließen das Mittelalter aufleben. Erstmals gab es auch einen Shuttleservice von der ebenfalls stattfindenden Mineralienbörse zum Mittelaltermarkt auf der grünen Wiese.

Wie der Herold des Marktes, Lordi von Donnersack, Sprecher des Fürsten Matze von Brose (den meisten eher als Matthias Broszeit bekannt), berichtete, hatten 147 Gruppen ihr Lager aufgeschlagen, 120 Händler und Handwerker boten ihre Waren an: „Wir veranstalten hier einen der größten Lagermärkte Deutschlands. Auf dem 90 000 Quadratmeter großen Gelände können die Leute schon eine Woche vorher anreisen und ihr Hobby genießen. Einige verbringen sogar ihren Urlaub hier.“ Er betonte die große Anzahl an Handwerkern, die fast die Hälfte der Stände betreibe und auf die er besonders stolz sei: „Vom Steinmetz über den Messerschmied bis zum Schuhmacher ist hier alles vertreten.“ Als Herold sei er für den reibungslosen Ablauf des umfangreichen Programms verantwortlich, stehe aber auch selbst auf der Bühne. So verkünde er das Marktgericht, moderiere die Heer- und Kinderschlacht und werde gar als Sänger aktiv: „Ich habe eigens für diesen Mittelaltermarkt ein Lied geschrieben, die Ode an Freisen.“

Während auf der Hauptbühne das Marktgericht abgehalten wurde, unterhielt die bayerische Band Musica Immortalis das Publikum mit mittelalterlichen Klängen. Shabannah Atesh tanzte dazu. Nachdem die Künstler ihr Programm beendet hatten, fand auf dem Turnierplatz ein Reiterspektakel des Ritterbundes „Gefährten des Feuers“ statt. Pia Lamertz und Elena Heger vom Team des Naturwildparks genossen dort eine kurze Pause: „Wir stehen den ganzen Tag auf Abruf bereit. Aber jetzt haben wir auch mal etwas Zeit und schauen uns die Ritterspiele an“, sagte Lamertz. Auch Gaukler wie Timelino und Meli Melo unterhielten die Massen. Die Spielgemeinschaft Teufelsburg bot ein Theaterstück dar. Am Samstagabend trat die Wikingerband Forgotten North aus Schleswig-Holstein auf der Hauptbühne auf.

Auf der Festwiese wurden indes Waren jeglicher Art feil geboten. Von Lederwaren über Schmuck, Gewänder, Äxte, handgefertigte Schuhe und Seifen bis hin zu kulinarischen Köstlichkeiten wie Baumstriezel, Salami, orientalisch gewürzten Trockenfrüchten, Brotknödeln oder Likören hatten die zahlreich erschienenen Mittelalterfans eine riesige Auswahl.

Immer wieder hallte der Ruf „Gebranntes“ über das Gelände. Mit ihrem „Schluckspecht“ und Ehemann Joachim schenkte die „Schnapsdrossel“ Heike Wolf aus dem Schwarzwald Schnäpse und Liköre aus, die sie in einem Bauchladen transportierte. Wolf erzählte, dass sie schon seit einigen Jahren mit Schnäpsen einer Schwarzwälder Brennerei und selbst gemachten Likören auf Mittelaltermärkten in ganz Deutschland unterwegs sei: „Meine Bestseller sind der Haselnussschnaps und mein Waffellikör aus Vanille-Karamell mit Zimt. Der Name Waffellikör rührt daher, dass solch ein Likör in Belgien über die traditionellen Waffeln gegossen wird. Aber natürlich habe ich meine eigene Rezeptur entwickelt.“

Am Stand von Bea Händler kaufte Eileen Haas aus Idar-Oberstein stabile Lederbänder: „Die eignen sich hervorragend als Stirnriemen für mein Pferd, deshalb kaufe ich sie immer gleich dutzendfach“, so die passionierte Reiterin.

Anne-Mareyke Böttcher aus Ludwigsburg war mit ihrem floralen Design auf dem Markt vertreten. Da sie seit ihrer Kindheit Mittelaltermärkte besuche, habe sie die Idee gehabt, Beruf und Hobby zu kombinieren und ihre Pflanzenarrangements auf Mittelalter- und Fantasymärkten anzubieten, sagte die Floristin. In Freisen gefiel es ihr sehr gut: „Das Publikum ist sehr nett und aufgeschlossen, viele von ihnen sind auch gewandet. Und das Gelände ist angenehm weitläufig.“ Am Lager nahm sie dennoch nicht teil: „Ich übernachte in meinem Transporter. Wenn man den ganzen Tag von Menschen umgeben ist, braucht man auch mal einen Rückzugsort.“

Beim Korbflechter vom Hochwald erlernte die Landstuhlerin Nina Nayem mithilfe von Daniela Emser das Korbflechten, ein Handwerk, das sie schon immer interessiert habe, so Nayem. Währenddessen erstand Stephen Fischer aus Kaiserslautern bei Tereza Belzner aus Ortenberg in Hessen Leckereien für den Hund seiner Schwester: „Ich habe mich für getrocknete Pferdeherzen und Welsköpfe entschieden, der Hund meiner Schwester liebt solche Leckerlis.“ Belzner ist gelernte Tierarzthelferin und habe im Zuge dessen viel mit Ernährungsberatung von Tieren zu tun gehabt: „Mein getrocknetes Futter ist eine hervorragende Ergänzung zum Barfing, dem Füttern von rohem Fleisch. Da es naturbelassen und unbehandelt ist, eignet es sich sogar für Tiere mit Allergien.“

Aus Villmar an der Lahn war Silke Greuling angereist und präsentierte auf dem Gelände des Naturwildparks ihre Laternen aus Holz und Rohhaut mit aufwändiger Bemalung, die sie vom ersten bis zum letzten Schritt eigenhändig herstelle. Eigentlich nur als Dekoration für einen Marktstand gedacht, hätten sich die Lichtquellen zu einem wahren Verkaufsschlager entwickelt, sodass sie diese nun ausschließlich anbiete, erläuterte die frühere Schauwerbegestalterin, die nun auf Mittelaltermärkten eine Heimat gefunden hat.

Sportlich wie im Mittelalter: Auch Ritterturniere wurden den Besuchern am Wochenende im Wildpark in Freisen geboten. Foto: Jennifer Fell
Nina Nayem (links) und Daniela Emser zeigten in Freisen Geduld und Fingerfertigkeit beim Korbflechten. Foto: Jennifer Fell
Mit viel Fingerspitzengefühl bemalt Silke Greuling ihre Laternen. Foto: Jennifer Fell

Vor der Hauptbühne unterhielten sich die drei Freunde Jim Selzer, Kristin Welsch und Simon Richter aus Losheim und Trier. Welsch äußerte sich positiv über das Angebot des Marktes: „Hier findet man viele interessante Waren und vor allem so einiges, was es nicht überall gibt.“ Selzer ergänzte: „Und es gibt keinen Kitsch, das finde ich sehr wichtig.“ Auch Richter wusste den Markt zu schätzen: „Das Programm ist einfach toll, irgendwo ist immer was los.“ Die Freunde waren in Gewandung erschienen und waren sich einig, dass dies sicher nicht ihr letzter Besuch des Freisener Mittelaltermarktes gewesen sei.