Bereicherung oder Chance vertan?

Bereicherung oder Chance vertan?

Sie wollen an einem Strang ziehen, um den Freizeitweg im nördlichen Saarland über Bahntrassen zu ermöglichen: Land, Landkreis und die Kommunen Freisen, Nonnweiler und Nohfelden. Das Vorhaben stößt auf Zustimmung, aber auch auf Kritik. Die Reaktionen im Überblick.

Ein knapp 30 Kilometer langer Freizeitweg zwischen Freisen und Nonnweiler, vorwiegend auf ehemaligen Bahntrassen, ist machbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Velo-Büros Saarbrücken. Diese Machbarkeitsstudie stellte Bernd Zollhöfer vom Velo-Büro vor wenigen Tagen im Rathaus Freisen vor (wie berichtet).

Mit dabei waren Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger , der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald sowie die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Andreas Veit , Franz Josef Barth und Karl Josef Scheer. Sie alle wollen das Projekt in den kommenden Jahren gemeinsam verwirklichen. Die Kosten werden auf etwa fünf Millionen Euro geschätzt. Das Land, so Rehlinger, werde jetzt in die konkrete Planung einsteigen.

Eine Aufwertung für die ganze Region sieht der SPD-Kreisvorsitzende Magnus Jung in dem Vorhaben. Besonders wichtig sei die grundsätzliche Absicht des Landes, das Projekt gemeinsam mit den Gemeinden und dem Landkreis umzusetzen. Jung: "Diese Entscheidung ist eine gute Nachricht für das St. Wendeler Land."

Magnus Jung weiter mit Blick auf die Machbarkeitsstudie: "Es wurde deutlich, dass sehr großes Potenzial durch die Erweiterung des touristischen Radwegenetzes entstehen wird. Der Rad- und Freizeitweg wird das Nordsaarland als Freizeit- und Urlaubsregion weiter aufwerten." Das bedeute, bessere Angebote für Touristen und Einheimische, mehr Wertschöpfung in der Gastronomie und letztlich mehr Arbeitsplätze und Wohlstand.

Zustimmung kommt auch vom Gemeindeverband Nohfelden der Jungen Union. Schon 2014 habe man gefordert, dass die Bahntrasse von Türkismühle nach Nonnweiler in einen Freizeitweg umgebaut werde, heißt es in einer Mitteilung. "Wir freuen uns, dass der Nationalpark mit dem Bostalsee durch einen Freizeitweg verbunden wird. Unsere Region wird dadurch mit einem weiteren ansprechenden Angebot für Einheimische und Touristen bereichert", schreibt der JU-Vorsitzende Dennis Kern. Da die Trasse von Türkismühle nach Nonnweiler ursprünglich zweigleisig war, sollte laut JU überprüft werden, ob sie nicht zudem als Draisinenstrecke genutzt werden könnte. Auch eine Langlauf-Nutzung im Winter sei denkbar.

Gegen die Umwandlung in einen Freizeitweg spricht sich der Linken-Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze aus. Im nördlichen Saarland gebe es ein gut ausgebautes Radwegenetz und auch zahlreiche Möglichkeiten, an anderen Stellen diese Infrastruktur weiter auszubauen. "Dafür muss man nicht eine historische Bahnstrecke vernichten, die ein eigenes touristisches Potenzial hat", so Lutze, der Obmann der Linksfraktion im Tourismusausschuss des Bundestages ist. Auch im benachbarten Rheinland-Pfalz sehe man ein hohes Potenzial einer historischen Bahn bei der Entwicklung des Hunsrück-Nationalparks, meint Lutze in seiner Mitteilung: "Aber wie im Falle der S-Bahn-Erweiterung Homburg-Zweibrücken wird an der Saar so getan, als ob die Welt an der Landesgrenze aufhört."

Kritik kommt auch von der Initiative für die Erhaltung und Reaktivierung der Hochwald- und Hunsrückquerbahn. Die Studie sei einseitig auf den saarländischen Teil ausgerichtet. Auf der Trasse Freisen-Wolfersweiler mache ein alleiniger Radweg Sinn, denn der Rest der Bahnstrecke werde wohl nicht mehr genutzt werden. Aber auf der Trasse zwischen Türkismühle und Nonnweiler sei eine parallele Führung eines Radweges zur Bahn möglich, da die Strecke ursprünglich zweigleisig war.

Dem widerspricht Bernd Zollhöfer: "Eine parallele Nutzung funktioniert nicht." Beim Rückbau sei das Gleis in die Mitte der ursprünglich zweigleisigen Strecke gelegt worden.

Freizeitwege laden zum Wandern ein, sie sind auch für Familien mit Kindern interessant. Symbolfoto. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Einer Weiternutzung der Hochwaldbahn von Türkismühle über Nonnweiler bis ins rheinland-pfälzische Hermeskeil erteilen Wirtschaftsministerium, Landkreis und die drei Kommunen eine klare Absage: "Die Chance für einen Bahnbetrieb ist gleich Null", unterstreicht Nohfeldens Bürgermeister Andreas Veit . Dies habe auch die Mobilitätsstudie für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald ergeben. Belastbare Potenziale für einen Güter- und Personenverkehr seien nicht erkennbar, heißt es in dieser Studie.