Studenten: Ami-Fußballer zu Gast bei Freunden

Studenten : Ami-Fußballer zu Gast bei Freunden

Kicker der Ohio Wesleyan University waren zu Gast in Deutschland. Viele Erinnerungen nehmen sie mit, vor allem an die Gastfamilien.

Es war der achte Besuch von Jay Martin und seiner Fußballmannschaft der Ohio Wesleyan University (OWU) in Baumholder. Von Routine aber keine Spur. Im Gegenteil. Noch nie war eine OWU-Reise dermaßen geprägt von Hilfsbereitschaft, von Zusammenhalt und Unterstützung. Das wurde während der Abschlussfeier am Sonntag im Jugendzentrum deutlich.

Trainer Jay Martin drückte es in seiner unterhaltsamen Rede so aus: „Jede Reise war sehr gut. Aber diese Reise war die beste.“ Die Spiele, die Stadtführungen, Andechs, das Essen – alles sei fantastisch gewesen. Aber der beste Teil der Reise seien jedes Mal die Gastfamilien. Vor der Tour, so Martin, seien die Studenten nervös, weil sie nicht wissen, was sie in ihrem Zuhause auf Zeit erwartet. „Aber nach der Reise wissen sie, dass die Familien der beste Teil der zwei Wochen war.“ Das bestätigen auch die Fragebögen, die Tour-Koordinator Bernd Mai an alle 28 Studenten ausgegeben hatte. Darin werden sie gefragt, was sie sich noch gewünscht hätten und was ihre schönste Erfahrung in Deutschland war. In diesem Jahr waren sich die Studenten einig. Zwei Punkte wurden immer wieder genannt: Das Supercup-Spiel in der ersten Reihe im Dortmunder Stadion und der Aufenthalt bei den Gastfamilien.

Das betont auch Bernd Mai: „Wenn ich mich heute so umkucke, sehe ich eine einzige OWU-Familie. 110 Personen – ich glaube, es ist eine Großfamilie.“ Damit meinte er nicht nur die 21 Gastfamilien aus der gesamten Region – von Dickesbach bis Hoof. Er schloss auch die Offiziellen von Stadt und Verbandsgemeinde ein, Physio Robert Ruth, Walter Deyer von der Kirner Brauerei, die Vertreter von Vereinen und die eigene Familie. „Sie halten uns den Rücken frei, sind zur Stelle, wenn Not am Mann ist.“ Egal, ob beim Waschen der Trikots, beim Dekorieren des Jugendzentrums, beim Verteilen der Gefüllten Klöße während des Abschlussfestes. Mai nannte noch ein Beispiel, das ihn gleich zu Beginn der Deutschland-Tour positiv stimmte: Als er in einer Mail an alle Gastfamilien einen Hilferuf losließ, dass noch zwei Studenten unterzubringen sind, da gab es Angebote von allen Seiten. Locker hätte er noch fünf Kicker unterbringen können. „Jay, das nächste Mal kannst Du also mit 35 Fußballern kommen“, so Mai. Ob es ein nächstes Mal gibt, das steht noch in den Sternen. Jay Martin ist mittlerweile 68. Geht es nach ihm, wird er in drei Jahren den 30. Geburtstag der Verbindung Baumholder-Delaware, aus der 2013 eine offizielle Städtepartnerschaft entstanden ist, vor Ort feiern. Er sieht Baumholder als seine „zweite Heimat“.

Dabei haben er und seine Jungs kaum Zeit im Westrich verbracht. Das Programm, das Bernd und Melanie Mai zusammengestellt hatten, war äußerst vollgepackt. Das war auch so gewünscht. Bernd Mai drückt es so aus: „Die Studenten sollten nicht nur Fußball spielen und Bier trinken, sie sollten auch die deutsche Kultur und die deutsche Geschichte erleben.“ Der Kölner Dom, Schloss Hohenschwangau, das Schloss in Heidelberg, Kloster Andechs, die Allianz-Arena in München, die römischen Reste in Trier – Besichtigungen gab es jede Menge. Und Fußball. Neben dem absoluten Höhepunkt – Fußballmuseum und Supercup in Dortmund – sind es auch die eigenen Spiele, die den Amerikanern in Erinnerung bleiben werden. „Wir haben viele verschiedene Klassen gespielt, das war gut für meine Jungs.“ Dass dabei nur zwei Siege herausgesprungen sind, sieht Martin nicht als dramatisch an. Viel wichtiger seien die Erfahrungen, die Lehren, die seine Spieler daraus ziehen und mit in die neue College-Fußball-Runde in den USA nehmen. Und außerdem: Die Bilanz liest sich gar nicht so schlecht: Zwei Siege gegen Baumholder und Brücken, ein Unentschieden gegen die U19 des 1. FC Saarbrücken in Oberkirchen, drei Niederlagen gegen 1. FC Kaiserslautern (U19), FC Ismaning und Viktoria Köln.

Nicht selten standen die Gastfamilien am Spielfeldrand und feuerten ihre Jungs an. Genau wie die beiden Bürgermeister der Verbandsgemeinde Baumholder, Bernd Alsfasser, und der Bürgermeister der Stadt Baumholder, Günther Jung, die nicht nur zum Empfang und zum Essen geladen hatten, sondern auch auf den jeweiligen Sportplätzen Interesse zeigten. Und die am Sonntag im Jugendzentrum sowohl Jay Martin als auch Bernd und Melanie Mai ehrten. Günther Jung sprach gar von einem „Beitrag zur Völkerverständigung“.

Manche Gastfamilien beteiligen sich schon seit vielen Jahren an der Besuchsaktion der amerikanischen Kicker. Foto: Melanie Mai

Und auch Jay Martin hatte einen Ehrungs-Marathon vorbereitet. Er würdigte die Gastfamilien, die schon seit vielen Jahren mitmachen. Sie erhielten je eine Tasche mit Leckereien aus Ohio. Es waren dies die Familien Elfriede Gedratis, Günter Heinz, Edgar Dickes, Sigrid Zimmer, Günter Gehres, Michael Gutendorf, Richard Hammel und Peter Kiderle. Sie freuen sich schon auf den Besuch Nummer neun in vielleicht drei Jahren.