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Familien sparen kräftig C02 ein

Familien sparen kräftig C02 ein

Saarbrücken/Dillingen/Gersheim. Vor einem Jahr haben drei saarländische Familien versucht, ihre persönliche CO2-Bilanz zu verbessern und so Klima und Geldbeutel zu schonen. Geholfen hat ihnen dabei das Klimateam der Verbraucherzentrale des Saarlandes. In unserer Serie "Familien-Rat" haben wir die Testphase begleitet

Saarbrücken/Dillingen/Gersheim. Vor einem Jahr haben drei saarländische Familien versucht, ihre persönliche CO2-Bilanz zu verbessern und so Klima und Geldbeutel zu schonen. Geholfen hat ihnen dabei das Klimateam der Verbraucherzentrale des Saarlandes. In unserer Serie "Familien-Rat" haben wir die Testphase begleitet. Die Familien versuchten, ihre Ernährung auf Bio- und regionale Produkte umzustellen, tägliche Wege statt mit dem Auto mit dem Fahrrad und dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zurückzulegen und den Energieverbrauch im Haushalt zu senken. Jetzt, ein Jahr später, haben wir nachgefragt, was sich seitdem verändert hat. Leben die Familien dauerhaft klimabewusster? Und wie viel CO2-Emmissionen und dadurch Geld sparen sie?Wechsel zu ÖkostromManuela Renkert aus Saarbrücken mit ihrer Tochter Amira: In vielen Bereichen war die Saarbrückerin damals schon vorbildlich. Sie isst wenig Fleisch, kauft viel Bioprodukte, verbraucht sehr wenig Strom. Jetzt steht noch ein Wechsel des Stromanbieters ins Haus. "Ich ziehe einen Wechsel zu einem Ökostromanbieter in Betracht", berichtet sie. Der Vorteil sagt Petra Stein vom Klimateam der Verbraucherzentrale: "Geld von echten Ökostromanbietern wird immer ausschließlich in regenerative Energien investiert." Jetzt stößt der Haushalt von Manuela Renkert bei einem Stromverbrauch von 1500 Kilowattstunden im Jahr rund eine Tonne CO2 aus, stiege sie auf Ökostrom um, wären es nur noch 0,06 Tonnen. Außerdem schafft sie sich ein neues Auto an, einen BMW 116i., ihre Opel Tigra wird entsorgt. Die Verbraucherzentrale hatte ihr beispielsweise einen Smart als Wagen für die Stadt empfohlen, doch den will sie nicht: "Mein Auto muss mir auch gefallen und groß genug sein." Dafür steigt die Saarbrückerin jetzt häufiger aufs Rad. Auch das spart CO2. Petra Stein: "Zweimal die Woche mit dem Rad statt mit dem Auto zur Arbeit, dass spart im Jahr bei 30 Cent pro Kilometer 66 Euro und 52,8 Kilogramm CO2." Ein rotes Tuch für Petra Stein ist die geplante Griechenlandreise von Manuela Renkert. Ein Flug hin und zurück verbraucht rund eine Tonne, das einspricht einem Jahresverbrauch eines Kühlschranks oder einer Waschmaschine. Als Ausgleich zahlt sie 26 Euro an myclimate.org. Die gemeinnützige Organisation bietet die Möglichkeit, unvermeidbare Emissionen mit Klimaschutzmaßnahmen an einem anderen Ort auszugleichen.Neue Chance für ÖPNVEva und Christian Schlüter aus Dillingen mit Sohn Moritz: Ihnen bereitete vor allem das Thema Mobilität Sorgen. Eva Schlüter ist zwar gewillt, für den Weg zur Arbeit auf Bus und Bahn umzusteigen, nach einer einmonatigen Testphase vor einem Jahr gab die Dillingerin aber entnervt auf. Zu schlecht waren die Angebote zuerst nach Beckingen in den Kindergarten von Moritz und dann zur Arbeit nach Mettlach zu kommen. Jetzt startet sie dennoch einen neuen Versuch, denn Sohn Moritz geht ab September in Dillingen in den Kindergarten. Petra Stein ist begeistert: "Super, dass der ÖPNV trotz der Erfahrungen im letzten Jahr noch eine Chance bekommt. Denn in puncto Klimaschutz ist er einfach unschlagbar." So werden nur 1,7 Kilogramm CO2 pro Arbeitstag ausgestoßen statt 4,5 Kilogramm mit dem Auto. In Euro sind das 2,50 Euro mit einer Monatsfahrkarte am Tag statt 6,90 Euro mit dem Auto. In puncto Ernährung hat sich bei den Schlüters auch etwas verändert. Statt häufig Rindfleisch gibt es jetzt mehr Pute und Fisch. Das Treibhauspotenzial beträgt bei Rindfleisch nach Angaben der Verbraucherzentrale 13,3 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Fleisch, bei Geflügel sind es nur 3,5 Kilogramm CO2. "Ich gucke auch vermehrt: Kann ich ein Produkt, das ich kaufen will, auch in Bio kaufen und macht das preislich nicht so den großen Unterschied", ergänzt Eva Schlüter. Und sie kauft häufiger im Fair-Trade Laden in Dillingen ein, bevorzugt Gewürze, Honig, Kakao und Süßigkeiten für Moritz. Schlüter: "Meistens sind diese Sache dann auch Bio". Das Abonnement einer so genannten Bio-Kiste scheiterte allerdings. "Die Lieferung war zu unzuverlässig, das Angebot wenig abwechslungsreich", berichtet Schlüter. "Schade um die vertane Chance", findet Petra Stein, "da müssen die Händler nachbessern." Einen großen Schritt für den Klimaschutz haben die Schlüters beim Energieverbrauch für die Warmwasserbereitung gemacht. Der alte undichte Warmwasserbereiter wurde erneuert, die alte Zirkulationspumpe ausgetauscht. Sie läuft jetzt nur noch je eine Stunde am Morgen und am Abend. "Dadurch wird der Wärmeverlust durch zirkulierendes Warmwasser stark reduziert", erläutert Energieberaterin Angelika Baumgardt. Die Schlüters verbrauchen jetzt nur noch 2500 Kilowattstunden im Jahr statt vorher 9700. "Das sind etwas über eine Tonne CO2-Ausstoß und 685 Euro im Jahr weniger", rechnet Baumgardt vor.Ethik der NahrungsmittelSandra Klingler und Stefan Scherf aus Gersheim mit Tochter Emilie: Die Gersheimer machen sich seit der Aktion vor einem Jahr vor allem über ihre Ernährung Gedanken. Vor allen Dingen Stefan Scherf hat sich mit dem ethischen Aspekt bei Lebensmitteln auseinandergesetzt. Wie werden Mitarbeiter bezahlt, wie sind die Arbeitsbedingungen, sind Fragen, die ihn beschäftigen. Dazu komme noch der CO2-Aspekt. Scherf: "Da muss man genau abwägen. Was ist machbar, was zu aufwendig, was liegt im Fokus." Die Familie ernährt sich nahezu vegetarisch. Außerdem achtet sie auf regionale Produkte. Viele Lebensmittel gibt's direkt vom Biobauern aus dem Ort. Das Experiment ÖPNV ist im vergangenen Jahr aber gescheitert, zu wenige Verbindungen gibt es von und nach Gersheim. Aber die Motivation fürs Radeln wurde erhöht. "Wir fahren öfter mit dem Fahrrad zur Oma, zum Einkaufen, zum Kindergarten oder auf Sonntagsausflüge", berichtet Sandra Klingler. Das spart nach Angaben der Verbraucherzentrale bei einer Fahrt pro Woche von fünf Kilometern im Jahr 63 Kilogramm CO2 und knapp 80 Euro. Allerdings ändert sich bald die Arbeitssituation von Stefan Scherf, und er arbeitet in Saarbrücken. Dann will er mit dem Auto nach Kleinblittersdorf und von dort mit der Bahn weiterfahren. Und die Familie hat den Stromanbieter gewechselt, sie bezieht jetzt Strom von Naturstrom. "Bei einem Verbrauch von 3150 Kilowattstunden im Jahr spart das knapp 1,8 Tonnen Treibhausgase", weiß Angelika Baumgardt, "das ist enorm." Meinung

Schon kleine Änderungen schonen Klima und Geldbeutel

Mitarbeiter der Verbraucherzentrale und zwei Test-Familien bei einer gemeinsamen Radtour in Blieskastel. Das Rad holen sie jetzt alle öfter aus dem Keller. Von links: Petra Stein und Angelika Baumgardt vom Klimateam der Verbraucherzentrale, Sandra Klingler und Stefan Scherf aus Gersheim, Christian und Eva Schlüter aus Dillingen. Foto: SZ

Von SZ-RedakteurinDörte Grabbert Enorm, was Verbraucher mit kleinen Änderungen im Verhalten und gut durchdachten Investitionen in Auto, Haus oder Wohnung an CO2 und damit meistens auch Geld einsparen können. Allein Familie Schlüter aus Dillingen spart 685 Euro im Jahr durch den Austausch des alten und undichten Warmwasserspeichers und der Zirkulationspumpe. Und 120 Euro könnte jeder sparen, der zwei bis dreimal in der Woche für Kurzstrecken das Fahrrad statt des Autos benutzt. Diese Zahlen lassen sicherlich nicht nur Pfennigfuchser aufhorchen und den Klimaschutz mit anderen Augen sehen. Zumal viele Änderungen, wie bewusstere Ernährung mit Bio- und/oder regionalen Produkten oder mehr Bewegung nicht nur Klima und Geldbeutel schonen, sondern auch die Gesundheit fördern.Dafür spricht auch, dass alle Familien ihre Lebensweise seit der Testphase vor einem Jahr nachhaltig geändert haben, die einen in großen, die anderen in kleinen Schritten. Ein Experiment, das zum Nachdenken darüber anregt, beispielsweise auf die eine oder andere Autofahrt zu verzichten. Auf einen BlickDas Klimateam der Verbraucherzentrale gibt Tipps zur CO2-Einsparung und berät zum Energiesparen im Haus oder in der Wohnung. Es gilt, seine persönliche CO2-Bilanz zu verbessern. Das kann bei jedem unterschiedlich aussehen: Dem einen fällt es leicht, mehr Gemüse als Fleisch zu essen, dafür fährt er mehr Auto - der andere fährt kaum Auto, will aber seine Ernährung nicht umstellen. Seine persönliche CO2-Bilanz kann man sich unter www.verbraucherfuersklima.de ausrechnen. Da 25 Prozent der Treibhausgase durch den privaten Konsum entstehen, gibt es viele Möglichkeiten für die Verbraucher, sie zu reduzieren. Kontakt: Verbraucherzentrale des Saarlandes, Haus der Beratung, Trierer Straße 22, 66111 Saarbrücken, Telefonnummer (06 81) 50 08 90, E-Mail vz-saar@vz-saar.de. red