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Euro Youth Cups: Turnier in St. Wendel kämpft ums Überleben

Kostenpflichtiger Inhalt: Organisator fürchtet um Veranstaltungen in St. Wendel und Besseringen : Top-Turnieren der Region droht das Aus

Die Nachwuchs-Fußballer des FC Barcelona, der Tottenham Hotspurs oder des FC Bayern zu Gast im Saarland – das kommt nicht allzu häufig vor. Zu zwei Turnieren in Besseringen und St. Wendel aber kamen sie. Wegen Corona droht jedoch das Aus.

Tottenham Hotspur aus England sowie der portugiesische Nobelverein FC Porto hießen die Turniersieger bei den beiden Auflagen des Euro-Youth-Cups der U17-Fußballer in St. Wendel. Der dritte Wettbewerb mit den besten Jugendkickern aus ganz Europa war ursprünglich für den 1. und 2. August geplant. Wegen der Corona-Pandemie können die Spiele nach aktuellem Stand aber nicht angepfiffen werden. Dadurch steht Organisator Sebastian Britz mit seiner Agentur „my Sportlights“ im Abseits, es droht die Insolvenz.

„Krisenbedingt fehlt die Deckung bereits getätigter Ausgaben. Eine Durchführung in diesem Jahr ist wegen unklarer Regierungsmaßnahmen ungewiss, sodass kostendeckende Tageseinnahmen fraglich sind“, klagt Britz.

Auch die Kreisstadt St. Wendel sieht derzeit keine Chance, dass Anfang August der Ball auf europäischer Ebene im Sportzentrum rollt. „Zu diesem Zeitpunkt dürfen wir Stand jetzt keine Veranstaltung durchführen“, erklärt Hans-Jürgen Rauber vom Amt für Stadtmarketing auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung. Denn Großveranstaltungen, wozu der Euro Youth Cup zweifelsohne zu zählen ist, sind laut Landesverfügung im Saarland bis zum 31. August verboten. Weltweit, so Rauber weiter, gelten zudem Reisebeschränkungen. „Eventuell müssten Mannschaften nach der Einreise noch für 14 Tage in Quarantäne und dazu dann noch ein Hotelkontingent gebucht werden und ein umfangreicher Hygieneplan umgesetzt werden“, erklärt Rauber. Kurzum: Es müsste ein aufwendiges Szenario gestemmt werden.

Britz trifft es dieses Jahr besonders hart. Vor wenigen Wochen musste er den ebenfalls von ihm organisierten 14. Talents Cup in Besseringen absagen. Ab dem 1. Mai sollten dort die U 14-Teams von europäischen Top-Mannschaften wie Juventus Turin, Atletico Madrid und Paris Saint Germain auf deutsche Spitzenclubs wie Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig sowie regionale Teams wie den 1. FC Saarbrücken, die SV Elversberg und die JFG Saarschleife treffen. Nun hofft Britz darauf, das Turnier am 5. und 6. September durchzuführen. Doch auch da hängt er noch in der Luft.

In St. Wendel sei bislang noch nichts definitiv abgesagt, stellt Hans-Jürgen Rauber fest, aber nach momentanem Stand der Dinge sei die Veranstaltung nach Einschätzung der Stadt nicht durchführbar. Und deshalb hängt Britz in den Seilen. Der Aufwand für das Turnier, eines der hochkarätigsten für diese Altersklasse in ganz Europa, ist immens. Teilweise schauen sich Vereinsvertreter der Top-Klubs bereits vor dem Turnier die örtlichen Gegebenheiten und die Infrastruktur an. Für Teams und deren Stab müssen Hotelzimmer gestellt werden. „Zudem müssen Flüge bezahlt werden. So etwas gibt es nur im Fußball und zeigt den Stellenwert des Turniers“, sagt Britz.

Eine Möglichkeit zum Anpfiff des Turniers sieht der Saarlouiser, wenn der Zeitpunkt des Turniers nach hinten verschoben werden könnte. „Das hängt aber wiederum von den Spielplänen der Teams in ganz Europa ab“, meint Britz. Doch Fußball sei Kontaktsport und deshalb müsse er abwarten, wann in welchen Ländern überhaupt wieder gekickt werden dürfe.

Vom Nachwuchs des FC Barcelona und Juventus Turin habe er momentan weder eine Zu- oder Absage. Nach der Beförderung von Ex-Nationalspieler Miroslav Klose zum Co-Trainer bei den Profis des FC Bayern München hegt Britz die Hoffnung, dass er deren U 17 zur Teilnahme nach St. Wendel locken kann. „Miro ist nicht reisefreudig, vielleicht kann ich seinen Nachfolger überzeugen“, bastelt Britz weiter an einem möglichen Turnierplan.

Als Pate hätte in diesem Jahr kein Geringerer als Michael Ballack die Werbetrommel rühren sollen. „Es geht mir nicht um persönliche Dinge, sondern um den Euro-Youth-Cup, eine saarländische Plattform für den Jugendfußball, die nach einem Jahrzehnt Entwicklungsarbeit wegzubrechen droht“, stöhnt Britz.

Von den Turniertagen haben auch der FC St. Wendel und der FC Besseringen in den vergangenen Jahren profitiert, die mit der Bewirtung Einnahmen für ihre Jugendabteilungen generieren konnten.

Die Veranstaltungen werden weitgehend über Sponsoren finanziert. Doch auch das ist in diesen Tagen schwierig. „Viele saarländische Unternehmen kämpfen um ihre Existenz, sodass die gewohnte Deckung der Kosten durch Sponsoring, wohl auch in 2021, nicht gewährleistet ist“, konstatiert der Agenturchef.

Deshalb hat er zwei Rettungsmaßnahmen ins Leben gerufen. Zum einen kämpft der FC Besseringen darum, bei „Vereinsleben.de“zum „Verein des Monats“ gewählt zu werden. Derzeit liegt der Verein auf Platz zwei, der Sieger erhält 10 000 Euro. Zum anderen versucht Britz, über ein sogenanntes Crowdfunding Gelder zu sammeln, um den Fortbestand der Turniere sichern zu können.

Weitere Infos gibt es im Internet:

www.vereinsleben.de/verein-des-monats

Organisator Sebastian Britz blickt in eine unsichere Zukunft. Foto: Wieck

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