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"Erstmal an das Händeschütteln gewöhnen"

"Erstmal an das Händeschütteln gewöhnen"

St. Wendel. "Die Begrüßung in Deutschland war am Anfang ganz schön schwierig", erklärt der 16-jährige Puntakan Petchfai. Er legt beide Handflächen senkrecht aneinander, während seine Oberarme dicht am Körper bleiben. Anschließend beugt er seinen Oberkörper leicht nach vorne. Es ist die thailändische Form der Begrüßung - der Wai

St. Wendel. "Die Begrüßung in Deutschland war am Anfang ganz schön schwierig", erklärt der 16-jährige Puntakan Petchfai. Er legt beide Handflächen senkrecht aneinander, während seine Oberarme dicht am Körper bleiben. Anschließend beugt er seinen Oberkörper leicht nach vorne. Es ist die thailändische Form der Begrüßung - der Wai. "Hier musste ich mich erstmal an das Händeschütteln gewöhnen", erklärt Petchfai. Er ist einer von zehn Austauschschülern aus Bangkok im Landkreis St. Wendel. Die Jugendlichen lernen in der Erweiterten Realschule St. Wendel in einem vierwöchigen Kurs des Youth for Understanding (YFU) die deutsche Sprache und Kultur kennen. Das YFU ist ein Verein, der international bildungsorientierte Austauschprogramme organisiert. "Ich bringe den Schülern das Vokabular und die Grammatik bei, die sie im Alltag brauchen", sagt Deutschlehrerin Dorota Katner. Die gebürtige Thailänderin Piyakal Sinprasert lege den Schülern als Orientierungslehrerin hingegen die deutsche Kultur nahe. "Sie erklärt beispielsweise welche Unterschiede es zwischen den Kulturen gibt", so Katner. Da blickt die 16-jährige Schülerin Papassorn Padermprach zu ihr. "Ja, was zum Beispiel für uns Reis ist, sind für die Deutschen Brötchen", sagt sie und schmunzelt. Sie möge das deutsche Essen jedoch sehr und genieße vor allem eben jene Brötchen. "Beim Thema Essen gibt es viele Unterschiede. Es ist für die Schüler zum Beispiel auch immer schwierig, beim Mittagessen das Besteck richtig zu ordnen", erklärt Katner. Viele decken nur Löffel und Gabel, wo eigentlich ein Messer hingehöre. Gemeinsames kochenUm im Gegenzug den jeweiligen Gastfamilien der Schüler und den Lehrerinnen die thailändische Küche ans Herz zu legen, wollen die Jugendlichen am Freitag, 20. August, in der St. Wendeler Realschule gemeinsam ein Gericht aus ihrer Heimat kochen. "Die Schüler essen zwar hier in der Schule zu Mittag, sind jedoch nach dem sechsstündigen Sprachkurs bei Gastfamilien im Landkreis St. Wendel untergebracht", erklärt Katner. Gleich zwei Mädchen wohnen beispielsweise bei Gastfamilien in Bliesen. "Wir treffen uns nach dem Kurs oft zum Inlineskaten", schwärmt Pichagorn Chaiyakul und schaut zu ihrer Mitschülerin Lapasrada Lakshana. Auch die 15-jährige Sirada Boonkongchuen fahre bei ihrer Gastfamilie in Namborn besonders gerne Rad. "Meine Familie ist wirklich sehr nett", sagt sie. Probleme habe sie nur bei der Verständigung, weil dort alle nur Deutsch sprechen. Viele der thailändischen Schüler unterhalten sich in ihren Gastfamilien teilweise auch in Englisch, wenn sie mit der deutschen Sprache noch Schwierigkeiten haben. "Wir haben innerhalb des Kurses mit ihnen eine Stadtrallye unternommen, bei der sie die Aufgabe hatten, Passanten um Rat zu fragen oder zum Beispiel Briefmarken einzukaufen", erklärt die Orientierungslehrerin Piyakal Sinprasert. Diese Aufgaben seien wichtig, damit die Schüler lernen, ohne Hilfe in einem fremden Land zurechtzukommen. Die studierte Literaturwissenschaftlerin unterrichte bereits zum zweiten Mal einen YFU-Kurs. Sie finde es gut, dass die thailändischen Jugendlichen im Sprachkurs zusammen sind, bevor sie im anschließenden Austauschjahr in verschiedenen Orten in ganz Deutschland wohnen. "Es ist einfach eine Erfahrung", lobt der 17-jährige Vorameth Prasirtpun. "So lernen wir eine neue Sprache und eine neue Kultur kennen." evr

 Die thailändischen Austauschschüler auf einen Blick. Foto: Privat
Die thailändischen Austauschschüler auf einen Blick. Foto: Privat

HINTERGRUNDDas Youth for Understanding (YFU) ist ein Verein, der international bildungsorientierte Austauschprogramme organisiert. Seinen Ursprung hat es 1951 im US-Staat Michigan. 75 deutsche Jugendliche verbrachten dort mit einem Programm der US-Regierung ein Austauschjahr. In Deutschland wurde das YFU 1957 bei Hamburg gegründet. Das deutsche YFU-Komitee wird von einem Vorstand und einem Beirat geleitet. Bundesweit arbeiten mehr als 1500 Mitglieder für das Komitee. Sie kümmern sich um Vorbereitung und Betreuung des Schüleraustausches. YFU finanziert sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. evr