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Entscheidung wieder vertagt

Entscheidung wieder vertagt

Oberthal. 8100 Besucher wurden im Sommer 2010 im Oberthaler Bad gezählt. In diesem Jahr wird es nichts zu zählen geben, das Bad bleibt geschlossen. Schon 2010 war der Badebetrieb nur mit viel Mühe, zusätzlichen, teueren Wasseruntersuchungen und deutlicher Erhöhung der Frischwasserzufuhr aufrechterhalten worden

Oberthal. 8100 Besucher wurden im Sommer 2010 im Oberthaler Bad gezählt. In diesem Jahr wird es nichts zu zählen geben, das Bad bleibt geschlossen. Schon 2010 war der Badebetrieb nur mit viel Mühe, zusätzlichen, teueren Wasseruntersuchungen und deutlicher Erhöhung der Frischwasserzufuhr aufrechterhalten worden. Die technischen Anlagen, besonders die Wasseraufbereitung, seien defekt, kaum mehr zu reparieren und weit hinter den heutigen Anforderungen zurück. Andreas Kramer, Leiter des Gesundheitsamtes, sah in der Sitzung keine Chance, das Freibad ohne grundlegende Sanierung wieder zu öffnen.Ein Wassereinbruch im Technikgebäude habe die missliche Situation zusätzlich erschwert, erklärte Bürgermeister Stephan Rausch (CDU). 55 000 Euro koste es allein, die durch das Wasser zerstörten Geräte zu ersetzen oder wieder in Betrieb zu nehmen. Und dann gebe es keine Garantie, dass der Rest der technischen Anlagen nicht doch komplett zusammenbreche. Rausch sieht auch ein Personalproblem. Denn wem solle man zumuten, die schwer zu steuernde Technik in Gang zu halten und dann, wenn etwas passiere, die Verantwortung zu übernehmen? Er werde das keinem seiner Mitarbeiter zumuten.

"Das ist verantwortungsvolle Politik", begründete Hermann Scharf, CDU-Fraktionschef, den Entschluss, das Bad nicht mehr zu öffnen. Die Gemeinde könne die Sanierung nicht finanzieren und Zuschüsse von Landesseite seien verweigert worden. Hier teile Oberthal das Schicksal mit Saarbrücken, Saarlouis oder Quierschied, wo Freibäder bereits geschlossen wurden. Scharf regte an, gemeinsam mit den Bürgern zu überlegen, wie das Badgelände, auch in Hinblick auf den Ferienpark, in Zukunft touristisch genutzt werden könne.

"Die SPD wolle sich der Verantwortung nicht entziehen", erklärte ihr Fraktionschef Walter Kunkel nach einer Sitzungsunterbrechung, in der sich die SPD zur Beratung zurückgezogen hatte. Für 2011 sehe auch die SPD keine Chance, das Bad zu öffnen. Vor einer endgültigen Entscheidung, die solle 2012 fallen, müssten der Haushalt und die Sanierungskosten geprüft werden. Zudem müsse die Verwaltung fundierte Zahlen vorlegen. Um die Bürger zu informieren und sie mitreden zu lassen, sollte die Zeit bis dahin genutzt werden.

Den Bürgern die Zahlen deutlich machen, dafür sprach sich auch Scharf aus. Sie sollten auch gefragt werden, welche Steuer erhöht, wo gestrichen werden solle, damit das nötige Geld für das Bad hereinkomme.

"Die Zahlen liegen vor, von Fachfirmen erarbeitet, was soll die Verwaltung noch verlegen?" 24 000 Euro habe das Fachgutachten gekostet, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hatte. Ein weiteres werde keine neuen Zahlen bringen. Sichtlich verärgert ergänzte der Bürgermeister, dass auch ohne die Bad-Kosten, 170 000 Euro Miese hat es 2010 eingebracht, die Spielräume im Haushalt 2012 sehr eng würden.

Bei einer Gegenstimme aus der CDU-Fraktion wurde die Verwaltung beauftragt, die Zahlen zusammenzustellen und die Bürger in Veranstaltungen zu informieren. Dann werde der Rat entscheiden.

Meinung

Wer vorgaukelt, verschaukelt

Von SZ-RedakteurDagobert Schmidt

Das Oberthaler Freibad ist nicht mehr zu retten - auch nicht in einem Jahr. Das wissen die Gemeinderatsmitglieder ganz genau und auch schon seit einiger Zeit. Und doch fehlte ihnen am Freitag wieder einmal der Mut, endlich Nägeln mit Köpfen zu machen. Dabei hatten sie es fest vor. Zwei Mal hatte die CDU-Fraktion getagt und schweren Herzens entschieden: Das Freibad ist nicht mehr zu halten. Auch die SPD-Fraktion hatte noch Tage vor der Sitzung signalisiert, dass die Mehrheit ihrer Mitglieder diese Entscheidung mittragen werde.

Und doch haben sie wieder einmal gekniffen. Erleichtert folgte die CDU-Fraktionsspitze dem SPD-Antrag, ein weiteres Jahr ins Land ziehen zu lassen, die Bürger zu informieren, um dann endgültig zu entscheiden. Das Bad wird dichtgemacht. So kann auch in zwölf Monaten die Entscheidung nur lauten. Das Bad wird bis dahin weiter vor sich hin verrotten, die Finanzen der Gemeinde werden sich weiter verschlechtern und Zuschüsse wird es nicht geben.

Wer unter diesen Voraussetzungen den Bürgern vergaukelt, sie könnten mitentscheiden, es gäbe eine Wahl, der verschaukelt die Bürger. Denn eine Sanierung des Bades kann Oberthal nicht bezahlen. Die Gemeinde muss Schulden abbauen, nicht neue machen.