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Die Saarländer kennen nur neun GeboteJacques und die Kirche

Die Saarländer kennen nur neun GeboteJacques und die Kirche

Nohfelden. Intensiv beschäftigte sich Detlev Schönauer, in der Rolle des Bistrowirtes Jacques, bei seinem Gastspiel im evangelischen Gemeindehaus in Nohfelden mit dem Thema Kirche und Christsein. "Selig sind wir Armen im Geiste" lautete der Titel des Kirchenkabaretts

Nohfelden. Intensiv beschäftigte sich Detlev Schönauer, in der Rolle des Bistrowirtes Jacques, bei seinem Gastspiel im evangelischen Gemeindehaus in Nohfelden mit dem Thema Kirche und Christsein. "Selig sind wir Armen im Geiste" lautete der Titel des Kirchenkabaretts. Es war ein Abend voller Heiterkeit, mit Vergleichen zwischen der evangelischen und katholischen Kirche, vollgepackt mit Satire und nachdenklichen Gedankengängen. Dann wurde Jacques philosophisch zum omnipräsenten Thema Integration. "Die Ausländer sollen die deutsche Sprache lernen", fordere die Regierung. Im Saarland, so meinte er, sei das Quatsch. "Mit wem wollen die Leute hier schwätzen", wandte er sich fragend ans Publikum. Der Dialekt sei eine Strafe Gottes, und bei der Vergabe der Sprache, habe Gott das Saarland total vergessen. Das siebte Gebot "Du sollst nicht stehlen" kenne der Saarländer gar nicht. "Mer hullens, damets net fortkommt", stellte er dazu ein typisches Verhaltensmuster seiner Mitbürger vor. Einen schweren Stand bescheinigte Jacques den katholischen Priestern. Wegen der Missbrauchsfälle seien alle stigmatisiert. "Unser neuer Pastor ist ein strafversetzter Pälzer", gab er zu bedenken. Mit dem Zölibat sei das auch so eine Sache: "Die Kirche zahlt die Alimente nur bis zum dritten Kind." Bonuspunkte für VielsünderJacques zeigte sich als Visionär, der der Kirche gern mit Verbesserungsvorschlägen unter die Arme greift. Einigen bereits angelaufenen medialen Modernisierungen, wie dem Online-Gottesdienst, stand er positiv gegenüber: "Daheim auf der Couch schläft es sich ja besser als auf der harten Holzbank in der Kirche." Außerordentlich begrüßte Schönauer den Chatroom für die Beichte. Dort erhalte der Vielsünder für seine Mitgliedschaft Bonuspunkte und habe obendrein noch sieben Sünden gratis. Mit der gemeinen Kirchenmusik kann er allerdings nichts anfangen. "Es ist doch grausam, wenn die Tussi vom Kirchenchor das Ave Maria singt", kritisierte Jacques vehement. Zur Vorstellung der liturgischen Hitparade klemmte sich Jacques hinter sein Klavier, parodierte die Kirchenmusik indem er bekannte Songs für seine moderne Kirche umtextete. Fehler über Fehler hat der Bistrowirt in der Schöpfungsgeschichte ausgemacht. "Im alten Testament wird auf Teufel komm raus gezeugt, aber nie ist eine Frau dabei", war ihm beim Durchlesen aufgefallen. Da der Außenminister der Bundesrepublik homosexuell sei, passe dies in unsere Zeit. Über zwei Stunden bombardierte Schönauer mit hintergründigen Pointen sein begeistertes Publikum. Einer der Gegensätze zwischen Frankreich und uns: Ein "Leichenims" sei dort traurig, eine Hochzeit lustig. Rasant und sehr unterhaltsam jagte er durchs Programm, indem natürlich auch die "Pälzer" ihr Fett abkriegten. Schönauers Programm war die Fortsetzung des musikalisch-satirischen Kirchenkabaretts "Das schreit doch zum Himmel".