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Die Karate-Abteilung des TV St. Wendel ist sehr erfolgreich

Karate : Zwei Talente mit ambitionierten Zielen

Die Karate-Abteilung des TV St. Wendel ist eine der erfolgreichsten im Land. Kumite-Kämpfer Elias Müller will 2021 zur EM. Julian Hadizadeh, der sich auf Kata spezialisiert hat, hofft sogar auf eine EM-und WM-Teilnahme.

Aktuell muss der Papa zu Hause als Trainingspartner herhalten: Karateka Elias Müller aus St. Wendel kann wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht in Übungseinheiten gegen andere Sportler antreten. Deshalb hilft sein Vater Sascha manchmal aus, wenn der 16-Jährige, der die zehnte Klasse des Cusanus-Gymnasiums in der Kreisstadt besucht, an seinen Fähigkeiten feilt. Harte Schläge oder Tritte muss der Papa aber nicht kassieren. „Nein, das machen wir nicht“, erklärt Müller darauf angesprochen und lacht. „Ich durfte mir zum Glück Pratzen aus der Sporthalle mit nach Hause nehmen.“ Bei Pratzen handelt es sich um in Kampfsportarten übliche Schlagpolster.

Das Training wegen der Corona-Pandemie einfach ausfallen zu lassen, ist für Elias Müller keine Option. Denn schließlich hat der Nachwuchs-Kämpfer ambitionierte Ziele: die Qualifikation für die U 18-Europameisterschaft 2021. Im Januar machte Müller einen ganz wichtigen Schritt auf dem Weg zu diesen Titelkämpfen. In der Gewichtsklasse bis 76 Kilogramm gewann der Gymnasiast das internationale „Rhein-Shiai“ am Nürburgring.

Dort werden besonders viele Punkte für die Qualifikation zur Europameisterschaft vergeben. Und dank des Turniersieges führt Müller jetzt die Qualifikations-Tabelle auch an. „Es zur EM zu schaffen, wäre ein sehr großer Erfolg für mich“, erklärt der 16-Jährige. „Denn es wäre das erste Mal, dass ich dort dabei wäre.“ Auf nationaler Ebene hat der St. Wendel hingegen schon Medaillen gesammelt: Bei den deutschen Meisterschaften 2017 in Bielefeld und 2019 in Erfurt wurde der Nachwuchs-Akteur jeweils Dritter.

Danach hatte es zu Beginn seiner Laufbahn noch gar nicht ausgesehen. „Ich habe 2012 beim TV St. Wendel angefangen, weil mich Karate schon immer fasziniert hat. Vor allem der Kampf, aber auch die Techniken und der Respekt vor dem Gegner, den man gelehrt bekommt“, verrät der Schüler. Der Start in seine Lieblingssportart verlief für Müller dennoch nicht unbedingt verheißungsvoll. „Am Anfang habe ich mir relativ schwergetan“, gibt der 16-Jährige zu. „Vor allem, weil die meisten Karateka in meinem Alter schon viel früher angefangen haben als ich.“ Doch Aufgeben war für den St. Wendeler keine Option. Müller ließ sich nicht unterkriegen, trainierte fleißig weiter. „Und dann bin ich langsam auch immer erfolgreicher geworden“, freut sich der Schüler.

Vor vier Jahren wurde Müller zum ersten Mal Saarlandmeister, seitdem führt sein Weg weiter nach oben – auch wenn der St. Wendeler schon mit Rückschlägen umgehen musste. „2018 war ich nicht so erfolgreich. Da hatte ich ein kleines Tief.“ Doch auch dieses hat der 16-Jährige mittlerweile überwunden.

Müller praktiziert die Karate-Stilrichtung Kumite, bei der zwei Kämpfer ohne vorherige Absprache der Techniken gegeneinander antreten. Daneben gibt es weitere Stilrichtungen wie Kata, bei der ein Kampf gegen einen imaginären Gegner mit Techniken und Bewegungsabläufen simuliert wird. Kata wiederum wird in vier größere Stilrichtungen unterteilt. Einer davon, Shito-Ryu, hat sich ein weiterer erfolgreicher Nachwuchs-Akteur des TV St. Wendel verschrieben: Julian Hadizadeh. „Mir macht Kata mehr Spaß, weil ich finde, dass es kreativer als Kumite ist“, erzählt der 14-Jährige, der in Fürth bei Ottweiler wohnt und die Gemeinschaftsschule in Freisen besucht.

Auch Hadizadeh hat schon einige Erfolge gefeiert, so wurde der Schüler zwischen 2015 und 2018 vier Mal deutscher Meister. Über die Platzierungen bei Titelkämpfen entscheiden dabei Wertungsrichter, die Punktzahlen für Athletik und Technik vergeben. „Die Durchschnittspunktzahl liegt bei 21, der aktuelle Weltmeister Ryo Kiyuna hat 28 erreicht“, berichtet Hadizadeh. Seine persönliche Bestleistung liegt bei 26 Punkten – erlangt hat er diese Marke gerade erst vor wenigen Wochen auf der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft in Frankenthal. Liegt Hadizadeh damit trotz seines jungen Alters nur noch ganz knapp hinter der Weltspitze bei den Erwachsenen? „Nein, ganz so ist es nicht. Der Sprung von 26 auf 28 Punkte ist riesig“, erklärt der Nachwuchs-Akteur.

Zumindest in seiner Altersklasse will der Fürther sich aber bald mit den Allerbesten messen. „Mein nächstes Ziel ist die Qualifikation für die Europameisterschaft und die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr“, verrät Hadizadeh. Wo genau er sich qualifizieren kann, das ist allerdings noch offen. Denn – genau wie im Kumite bei Teamkollege Müller – sind auch im Kata wegen der Corona-Pandemie Veranstaltungen abgesagt worden. Welche in Zukunft stattfinden, steht noch nicht genau fest. Und so ist auch Hadizadeh derzeit dazu gezwungen, seine Fertigkeiten zu Hause zu verbessern.

Trainiert werden die beiden Talente im Verein übrigens von Manfred Engel. Der 64-Jährige lobt sowohl Müller wie auch Hadizadeh in den höchsten Tönen: „Beide sind sehr ehrgeizig und engagiert. Sie arbeiten fokussiert und diszipliniert“, sagt das ehemalige Mitglied der deutschen Nationalmannschaft.

Insgesamt gehen für den TV St. Wendel 160 Karateka im Alter von fünf bis 64 Jahren auf die Matte. Darunter sind auch weitere Talente, wie beispielsweise Lukas Nagel der kürzlich bei der deutschen Meisterschaft Bronze gewann und sich für die Hochschul-WM qualifiziert hat.

Elias Müller (links) mit seinem Trainer Manfred Engel. Foto: engel

Weitere Infos zur Karateabteilung des TV St. Wendel gibt es unter https://de-de.facebook.com/Top.Team.St.Wendel/