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Die Geschichte des Kreises St. Wendel nach dem Friedensvertrag von 1919

100 Jahre Saargebiet : Als aus dem Kanton ein Restkreis wurde

Heimatforscher Günter Stoll hat die Verwaltungsgliederung im Kreisgebiet St. Wendel zwischen 1835 und 1974 untersucht und seine Ergebnisse in einem Buch festgehalten.

In 14 Serien-Teilen hat die Saarbrücker Zeitung zu Beginn des Jahres die Entstehungsgeschichte und den Werdegang des Saargebietes beleuchtet. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie war das Industriegebiet „Territoire du Bassin de la Sarre“ – wörtlich übersetzt „Saarbeckengebiet“ – vom Deutschen Reich abgetrennt und mit einem Mandat des Völkerbundes für 15 Jahre französischer Verwaltung unterstellt worden. Die Keimzelle unseres heutigen Bundeslandes umfasste eine Fläche von rund 1900 Quadratkilometern. Es bestand aus dem Südteil des Regierungsbezirks Trier, der preußischen Rheinprovinz und dem Westteil der bayerischen Pfalz. Insgesamt war es rund ein Viertel kleiner als das heutige Saarland, das jedoch in jenem seine Wurzeln hat.

Für heute lebende Menschen – vor allem für die nach 1957 geborenen, dem Beitrittsjahr des Saarlandes zur Bundesrepublik Deutschland – ist es kaum noch vorstellbar, dass der heutige Landkreis St. Wendel einmal anders ausgesehen haben könnte. Dabei kann gerade diese Region mit den angrenzenden Gebieten auf eine besonders wechselvolle Geschichte zurückblicken.

Die quasi innerdeutsche Grenzziehung am 10. Januar 1920 – basierend auf dem Friedensvertrag vom 28. Juni 1919 – wirkte sich ebenfalls stark auf die hier lebenden Menschen und ihre Strukturen aus. Einer, der das ganz genau weiß, ist Günter Stoll aus Heisterberg bei Namborn. Denn der pensionierte Amtmann und passionierte Heimatforscher hat die Verwaltungsgliederung im Kreisgebiet St. Wendel zwischen 1835 und 1974 genauestens untersucht, durchleuchtet und im gleichnamigen Sachbuch zu Papier gebracht.

„Der Grenzverlauf des Saargebiets, der in Artikel 48 des Friedensvertrags festgelegt wurde, bedeutete für das Kreisgebiet St. Wendel den bislang größten Einschnitt seiner Geschichte“, weiß Scholl bei einem Ortstermin in Heisterberg zu berichten. In seinem Buch beschreibt er, wie durch die neue Grenze der Kanton Baumholder und Burglichtenberg sowie der Kanton Grumbach vollumfänglich abgetrennt wurden und in Preußen verblieben. Teil des Saargebiets wurde der Rest des Kreises, der nunmehr aus den vier Bürgermeistereien St. Wendel-Stadt, St. Wendel-Landgemeinden, Alsweiler und Oberkirchen bestand. Wobei Oberkirchen in eine Bürgermeisterei Nord und eine Süd unterteilt wurde. Oberkirchen Nord lag außerhalb des Saargebiets und hatte seinen Sitz in Oberkirchen. Oberkirchen Süd mit der Bürgermeisterei Namborn hatte seinen Sitz im Restkreis St. Wendel. Umfasste das St. Wendeler Kreisgebiet zuvor gerundete 374 Quadratkilometer in der Fläche, blieben nach der Abtrennung lediglich 26 Gemeinden auf einer Fläche von rund 163 Quadratkilometern übrig – und der Name „Kreis St. Wendel“. Der südliche und in Preußen verbleibende Kreisabschnitt wurde fortan als „Restkreis St. Wendel-Baumholder“ bezeichnet. Eine Änderung gab es noch: Zum 1. Januar 1921 wurde das Örtchen Roschberg nachträglich dem Saargebiet zugeordnet.

Nun versperrten also Zollhäuschen und Grenzposten den St. Wendelern die angestammten (Handels-)Wege. das führte dazu, dass der Schmuggel in der Grenzregion aufblühte. Noch heute kann man auf dem Premiumwanderweg Schmugglerpfad den Spuren der Altvorderen nachspüren. Auch einige Grenzsteine gibt es dort zu bestaunen.

Scholl sieht sein im Jahr 2017 durch den Namborner Heimat- und Verkehrsverein herausgebrachtes Buch „Verwaltungsgliederungen im Kreisgebiet St. Wendel 1835 – 1974“ als wichtiges Nachschlagewerk für historisch interessierte Personen. Auch die nachfolgenden Gebietsveränderungen 1946/1947, die zur Vergrößerung des Kreises St. Wendel beziehungsweise des Saarlandes durch die Angliederung der Ämter Tholey/Kreis Ottweiler, Nonnweiler/Kreis Wadern, Türkismühle/Kreis Birkenfeld und Niederkirchen/Kreis Kusel führten, können dort nachvollzogen werden. 13 Abbildungen und 35 Dokumenten-Nachweise ergänzen beide Ausführungen.

Die etwa 200 Seiten umfassende Dokumentation „Verwaltungsgliederungen im Kreisgebiet St. Wendel 1835 – 1974“ kann als Hardcover zum Preis von 20 Euro beim Heimat- und Verkehrsverein Namborn (E-Mail an: doku@hvv-namborn.de) oder beim Autor Günter Scholl direkt erworben werden, Tel. (0 68 54) 9 20 52 oder Mail an: kontakt@heisterberg-saar.de.

www.hvv-namborn.de

Der 12,8 Kilometer lange Schmuggler-Pfad will Wanderern – neben einem Naturerlebnis – die Geschichte des Kreises St. Wendel näher bringen. Unter anderem finden sich entlang des Weges verschiedene Grenzsteine aus Zeiten, als das Schmuggeln in der Region blühte, als es noch eine Grenze zwischen dem Saargebiet (auf den Grenzsteinen mit S abgekürzt) und dem Deutschen Reich (D) gab. An den wichtigsten ehemaligen Grenzübertritten sind Erklärungstafeln angebracht. Foto: Rüdiger Andres/Picasa
"Zollamt Hirstein, Halt!, Zollbeschau" steht auf dem Schild zu lesen, vor dem drei Zollbeamte posieren. Zwischen 1920 und 1935 war Hirstein Grenzort. Foto: Archiv HuV Namborn Foto: Archiv HuV Namborn/Picasa

www.heisterberg-saar.de