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Das Mäuschen mit der großen Klappe

Das Mäuschen mit der großen Klappe

Eiweiler. Der Volksmund behauptet, dass 70 Prozent der Männer unter dem Pantoffel ihrer Frauen stehen und es nicht wüssten. Die übrigen 30 Prozent wüssten es. Der Bauer Paul Stallner (Wilfried Ludwig) scheint ein solcher Held zu sein. Zumindest, wenn seine Frau Erna (Tina Finkler) anwesend ist

Eiweiler. Der Volksmund behauptet, dass 70 Prozent der Männer unter dem Pantoffel ihrer Frauen stehen und es nicht wüssten. Die übrigen 30 Prozent wüssten es. Der Bauer Paul Stallner (Wilfried Ludwig) scheint ein solcher Held zu sein. Zumindest, wenn seine Frau Erna (Tina Finkler) anwesend ist. Er nennt sie "Mäuschen", traut sich immerhin ab und zu, sie mit "Hausdrachen" zu betiteln. Ist er aber mit dem Nachbarn Jakob (Christoph Backes), der in ähnlichen Schuhen steckt, zusammen, dann sieht sich keiner von beiden als Pantoffelheld. Gott bewahre. Dann begehren sie auf, rauchen Zigarren, trinken Schnaps und verbringen Nächte in der Kneipe. "Der Pantoffelheld", der von den Eiweiler Theaterfreunden im Dorfgemeinschaftshaus gegeben wird, hat aber eindeutig seine Galionsfigur. Die Bäuerin Erna zeigt nicht nur ihre Qualitäten als "Fuchdel", die herrschsüchtig ist und alles regeln will. Vieles gelingt ihr dabei auch. Selbst die Nachbarin Trude (Marianne Finkler) als "Fuchdel" Nummer zwei kann sich bei ihr etwas abgucken, um ihren Jakob noch strenger an die Kandare zu bekommen. Nur als sie den Armen ersoffen im tiefen Brunnen vermutet, kommen ihr die Krokodilstränen, um bald danach wieder in ihr altes Gehabe zurückzufallen. Erna Stallner ist sich ihrer Sache mit dem von ihr für ihre Adoptivtochter Bine (Rita Backes) ausgesuchten Freund Otto Hacker (Mario Veit) sicher: sie muss ihn, wenn sie ihn auch nicht mag, irgendwann heiraten. Die 20 000 Euro, die Erna von dem reichen, aber nicht mehr ganz taufrischen beleibten Otto - er ist der einzige, der hochdeutsch spricht - als "Kuppelgeld" erhält, investiert sie rasch in einen neuen Traktor für den Hof, dann bleibt alles in der Familie. Die Magd Lene (Birgit Lauck) wirkt zunächst einfältig, ab und an sogar treu-doof, mausert sich aber rasch als Vorwitznase, in deren Gehirn sich gute Ideen entwickeln. Zum Beispiel die, Bines Freund Peter (Michael Backes) in eine Frauenrolle zu drängen, die er dann glänzend zu spielen versteht. Gerade weil er mit seiner Perücke so gekünstelt auftritt, die helle Stimme nachmacht, umhertrippelt und männlich wirkende Verbeugungen macht, gönnt er den Lachmuskeln der Zuschauer keine Pause. Der Bauer Paul ist von "Petra" angetan, umarmt und küsst "sie" - genau in dem Moment, als sein Hausdrache zur Tür hereinkommt. Selbst in diesem Augenblick bleibt Erna nicht sprachlos. Am Ende geht es im Hause Stallner noch einmal mächtig rund. Auf der Bühne stehen nämlich gleich zwei Schwerenöter. Der so brav wirkende Otto Hacker wird als Vater von Bine entlarvt, die er nach so vielen Jahren nicht mehr erkannt hat. Bines Mutter hatte er einst schmählich verlassen. Aus ist es jetzt mit der Hochzeit, die eigene Tochter kann man schließlich nicht ehelichen. Die Eiweiler Theaterfreunde haben mit dem Pantoffelhelden eine geradezu entwaffnend lustige Geschichte großartig und mitreißend über die Bühnenbretter laufen lassen. Am Freitag, 19. März, und Samstag, 20. März, wird das Stück jeweils um 20 Uhr wiederholt. Für Freitag gibt es noch Karten.

HintergrundZum Inhalt des "Pantoffelheld": Bauer Paul Stallner steht arg unter dem Pantoffel seiner Frau Erna. Tochter Bine, die ein Adoptivkind ist, weiß das auch. Erna behauptet, Paul sei nicht einmal in der Lage, eigene Kinder in die Welt zu setzen. Die Bäuerin hat für Bine bereits den reichen Freier Otto Hacker ausgesucht. Aber Bine mag ihn nicht. Viel lieber will sie einen Kollegen aus dem Hotel, den Kellner Peter, heiraten. Den wiederum mag Mutter Erna nicht. Die zündende Idee hat die Magd Lene. Sie schlägt vor, Bines Freund als "Freundin" auf dem Hof einzuquartieren. Peter verwandelt sich in ein Frauenzimmer. Regie: Petra Backes; Masken: Monika Ludwig und Ute Dupont; Requisiten: Gisela Jost; Souffleure: Lieselotte Ludwig und Raimund Backes; Licht: Michael Gansen; "Mädchen" für alles: Raimund Finkler (Django). gtr