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Das Fest der Begegnung in Oberthal und am Bostalsee im Rückblick

Fest der Begegnung : Eine Idee, die seit zwei Jahrzehnten begeistert und besondere Momente schafft

Ein Rückblick auf die Veranstaltungsreihe: Start war im Festzelt am Bostalsee.

Wer hätte das im Mai 1999 gedacht, dass das Fest der Begegnung ein solcher Erfolg werden würde. Dass es auch nach 20 Jahren Menschen aus dem ganzen Saarland anspricht. Dass der Landesverband der Lebenshilfe, der Landkreis St. Wendel und der SZ-Wohltätigkeitsverein „Hilf-Mit!“ seit zwei Jahrzehnten zusammenarbeiten. Dass das Konzept heute so aktuell ist wie damals.

In den 90er-Jahren feierte der Landkreis St. Wendel in einem großen Zelt auf der Wiese am Bostalsee über Pfingsten ein Fest. Doch am Pfingstsamstag stand das Zelt leer. Das müsste eigentlich nicht sein, dachten sich damals die Verantwortlichen des Kreises und fanden mit „Hilf-Mit!“ und dem Landesverband der Lebenshilfe zwei Partner, um das erste Fest der Begegnung aus der Taufe zu heben. Dieses ging im Mai 1999 über die Bühne. Zunächst war es als einmalige Veranstaltung geplant, doch der Erfolg der Premiere machte Lust auf mehr.

Die Idee des Festes hat sich bis heute bewährt: Behinderte und nicht behinderte Menschen feiern an einem Nachmittag gemeinsam. Das abwechslungsreiche Programm auf der Bühne gestalten die Menschen mit Handicap aus verschiedenen Einrichtungen der Lebenshilfe im Saarland selbst. Und das mit großem Eifer. Da wird schon lange vor dem Auftritt geübt, da wird dem großen Tag entgegengefiebert. Und wie groß ist die Freude, wenn das Publikum Applaus spendet. Der kommt reichlich. Und das schon von Beginn an.

Die Gäste machen mit, tanzen, klatschen, singen, sind fröhlich. „Gute Laune ist Trumpf.“ Wie oft haben die Besucher des Festes das Motto der Veranstaltung so beschrieben. Bis 2004 trafen sich die Besucher des Festes jeweils am Pfingstsamstag im großen Zelt auf der Festwiese. Ab 2005 zogen sie in die neue Veranstaltungshalle Bosaarium um, das ehemalige Wellenbad, ebenfalls am Bostalsee.

Das Bosaarium blieb bis 2010 der Veranstaltungsort. Das Gebäude wurde danach nicht mehr als Eventhalle genutzt, ist heute ein beliebter Indoorspielplatz in Seenähe.

Eine neue Halle musste her, groß genug für die zahlreichen Besucher. Gefunden wurde diese in Oberthal. Die Bliestalhalle ist seitdem der Treffpunkt des Festes. Sie hat sich bewährt, nicht zuletzt wegen der guten Unterstützung der Gemeinde Oberthal und des Handballvereines DJK Oberthal, die seit 2011 mit im Boot sind. Noch etwas hat sich geändert: Seit 2015 steigt das Fest der Begegnung nicht mehr an Pfingsten, sondern immer im September. Einmal musste die Veranstaltung pausieren, das war 2016. Deshalb findet sie im 20. Jahr auch zum 20. Mal statt. Ein Doppeljubiläum. Das 20. Fest der Begegnung steigt am Samstag, 21. September, ab 14 Uhr in der Bliestalhalle.

Es gibt viele Momente, die denjenigen, die viele Feste der Begegnung besucht haben, in Erinnerung geblieben sind. Über die fröhliche Atmosphäre hinaus, der sich wohl kaum ein Gast entziehen kann. Hier nur einige unvergessliche Eindrücke: Da steht 2012 ein junger Mann auf der Bühne. Er schlüpft in die Rolle des Grafen von Unheilig und singt mit voller Hingabe „Geboren, um zu leben“. Nur die Musik kommt vom Band, er interpretiert live. Mit ganzem Herzen. Berührend. Frenetischer Applaus brandet auf, als sein Lied endet. Besser hätte man das Motto der Veranstaltung nicht beschreiben können.

Szenenwechsel: Da sind die strahlenden Augen der jungen Musikerin, die mit Hingabe die Trommel schlägt und am Schluss des Stückes die Hände samt Trommelstöcke in die Höhe reißt und laut jubelt. Da ist der junge Mann, der auf der Bühne mit stockender Stimme seiner Angebeteten einen Heiratsantrag macht. Vor mehr als 600 jubelnden Gästen. Mit Tränen in den Augen. Klar, dass sie nicht Nein sagt.

 Die Sambagruppe der Lebenshilfe St.Wendel heizt mit ihrer Musik gerne den Besuchern ein.
Die Sambagruppe der Lebenshilfe St.Wendel heizt mit ihrer Musik gerne den Besuchern ein. Foto: B&K/Bonenberger/

Da sind die Menschen mit Handicap, Jüngere und Ältere, die es bei der Musik einfach nicht mehr auf den Plätzen hält, die vor die Bühne kommen und tanzen, tanzen, tanzen, als gäbe es nichts anderes auf der Welt. Da ist das Mädchen, das Klecks Klever fest umschlingt und knuddelt. Und ihn gar nicht mehr loslassen will. Erst nach dem Versprechen, dass er nächstes Jahr beim Fest der Begegnung wieder da sein wird, lässt sie ihn gehen. Vorher aber muss sie ihn noch einmal umarmen. Das sind nur einige von vielen Eindrücken aus 20 Jahren Fest der Begegnung. Zu denen bei der 20. Auflage und den weiteren hoffentlich noch viele dazukommen werden.