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Coronavirus im Landkreis St. Wendel: Reha-Klinik soll ein Notfall-Zentrum werden

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Die Unternehmensleitung und der Krisenstab des Landkreises St. Wendel haben sich auf ein Gesamtkonzept verständigt.

Die Kliniken in der Region sind noch lange nicht am Limit. Gerade einmal zwei Covid-Patienten werden im St. Wendeler Marienkrankenhaus behandelt, sieben sind es in Ottweiler. „Einer unserer Ärzte hat mir gesagt, es bestehe die leise Hoffnung, dass aus dem befürchteten Tsunami nur eine Welle wird“, berichtet ein Sprecher der Unternehmensgruppe. Das ist die gute Nachricht. Doch die relativiert sich beim Blick auf die landesweiten Zahlen. Sie zeigen einen eindeutigen Trend: 205 Personen werden inzwischen stationär behandelt, davon 62 intensivmedizinisch. Vor einer Woche waren es noch 127, beziehungsweise 44.

Für den Fall, dass die Kliniken irgendwann ausgelastet sein sollten, hat das Land ein Konzept für Versorgungszentren auf den Weg gebracht. Jeder Landkreis soll ein eigenes Lazarett errichten. In Marpingen ist daher die Turnhalle der Gemeinschaftsschule umfunktioniert worden (wir berichteten). Doch für die hat Landrat Udo Recktenwald (CDU) bislang noch keinen Träger gefunden. „Das Marienkrankenhaus hat uns zwar seine Unterstützung zugesagt. Aber es ist leider nicht bereit, die Gesamtverantwortung für das Projekt zu übernehmen“, erklärt er. An dieser Stelle kommen nun die Mediclin Bosenberg-Klinken ins Spiel. Sie haben sich bereit erklärt, als Träger für eine Behandlungsstätte zu fungieren – allerdings nur am eigenen Standort. „Das heißt, wir würden das Versorgungszentrum im ersten Schritt nicht in Marpingen, sondern in St. Wendel umsetzen“, erläutert Recktenwald. Der Krisenstab des Landkreises hat mit der Klinik-Leitung bereits eine Gesamtkonzeption erarbeitet. Der muss jetzt nur noch das Ministerium zustimmen.

Insgesamt 50 dieser Pflegebetten stehen in der Marpinger Turnhalle. Je zwei davon bilden, umgeben von Sichtschutzwänden, eine Einheit. Foto: Dirk Schäfer

Auf dem Bosenberg am Rande der Kreisstadt stehen im regulären Betrieb etwa 260 Betten bereit. 90 davon sind für Reha-Patienten vorgehalten. Sollten sich Engpässe in Krankenhäusern andeuten, könnten in einem ersten Schritt 40 entlassfähige, nicht mit dem Virus infizierte Patienten in die Bosenberg-Kliniken gebracht werden. Erst in einem nächsten Schritt würden dort Covid-Kranke unterkommen. Für sie sind 125 Betten vorgesehen. Auch die entsprechenden medizinischen Geräte seien in dem Reha-Zentrum verfügbar. „Dort könnten die Kranken auch mit Sauerstoff versorgt werden“, weiß Gesundheitsdezernent Benedikt Schäfer. Die Intensivbeatmung hingegen bleibe im Marienkrankenhaus. Ins Versorgungszentrum sollen im Notfall nur die Patienten verlegt werden, die keine intensive Behandlung in einer regulären Klinik benötigen, weil sie milde Symptome zeigen oder bereits auf dem Weg der Genesung sind. „Im Katastrophenfall wäre es aber auch denkbar, Menschen, bei denen es keine Aussicht mehr auf Genesung gibt, in den Bosenberg-Kliniken unterzubringen“, erklärt Schäfer.

In Namborn laden die Helfer das Material der Bundeswehr ins Lager. Es wurden je 250 Decken, Matratzen und Kissen zur Verfügung gestellt. Foto: Sarah Konrad

Das Personal der Einrichtung würde sich um die Kranken kümmern. Es stünden bis zu acht Ärzte zur Verfügung. Krankenpfleger könnten in ausreichender Zahl für die Versorgung eingesetzt werden und Therapeuten die Krankenpflegehilfe übernehmen. „Wenn nötig, könnten noch Ehrenamtliche aus den verschiedenen Hilfsorganisationen einspringen“, sagt Recktenwald. Finanziert werden solle der Betrieb übrigens, wie in einem Krankenhaus, von den Krankenkassen. „Ich bin dankbar, dass die Bosenberg-Kliniken bereit sind, die Trägerschaft für das Versorgungszentrum zu übernehmen. Es ist gut, wenn sich jemand mit entsprechender Erfahrung um die Sache kümmert“, betont der Landrat. Und noch etwas stimmt ihn zufrieden: Mit den insgesamt 125 Betten habe der Landkreis St. Wendel sein Soll bereits erfüllt. Er stelle mehr Behandlungsplätze zur Verfügung, als vom Land vorgeschrieben sei.

Und was bedeutet das für das Lazarett in Marpingen? Wurde dieses völlig umsonst errichtet? Diese Frage beantwortet Recktenwald ganz klar mit Nein. Denn sollten die Krankenhäuser an ihr Limit stoßen und zudem die Kapazitäten auf dem Bosenberg erschöpft sein, so habe man mit der Turnhalle immer noch ein weiteres Notfall-Zentrum in der Hinterhand. „Wir sind auch bereit, die Behandlungsstätte den Nachbarkreisen zur Verfügung zu stellen, wenn nötig“, versichert der CDU-Politiker. Schließlich sei die Halle bestens ausgerüstet und alles vorbereitet.

50 Pflegebetten stehen dort parat. Zwei davon bilden, umgeben von Sichtschutzwänden, je eine Einheit. In einer zweiten Ausbaustufe könnten noch einmal 100 Betten positioniert werden. 110 Klapp- sowie 150 Feldbetten seien dafür auf Lager. Auch der Amtshilfe-Antrag, den der Landkreis St. Wendel an die Bundeswehr gestellt hatte, wurde inzwischen teilweise bewilligt. Am Montag sind jeweils 250 Decken, Kissen und Matratzen nach Namborn ins Katastrophenschutzlager geliefert worden. „Mitglieder der Feuerwehr haben das Material im Bundeswehr-Zentrum in Höchstberg bei Mayen abgeholt“, weiß Patrick Gotthard, Oberstleutnant der Reserve und Leiter des Kreisverbindungskommandos in St. Wendel. Er freut sich über die Lieferung. Es sei beruhigend zu wissen, dass ausreichend Equipment vorhanden ist, auf das man im Notfall zugreifen könne.