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Coronavirus im Landkreis St. Wendel: Pfleger in Seniorenheimen sollen vorsorglich getestet werden

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Die Verantwortlichen des Landkreises St. Wendel planen sogenannte Pool-Abstriche. Eine entsprechende Anfrage bei den Laboren läuft.

Alte und kranke Menschen sind durch das Coronavirus besonders gefährdet. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts liegt das Durchschnittsalter der Covid-Toten in Deutschland bei 80 Jahren. Jeden Tag berichten Senioren- und Pflegeheime von neuen Infektionen und Todesfällen. Auch im Saarland haben bereits einige Einrichtungen Alarm geschlagen. Das Sozialministerium hat daraufhin am Dienstag einen Schutzplan entworfen (wir berichteten). Im Landkreis St. Wendel reagierten die Verantwortlichen schon früher. Sie haben bereits vergangene Woche ein Team aus Medizinern und Sozialarbeitern zusammengestellt, das sich schwerpunktmäßig mit der Situation in den Heimen auseinandersetzt.

„Wir treffen uns regelmäßig und legen Strategien im Umgang mit den Einrichtungen fest“, erzählt Gesundheitsaufseher Bernd Müller, der das Team leitet. Er habe schon vor Beginn der Corona-Pandemie eng mit den Betreibern zusammengearbeitet. Inzwischen tausche er sich beinahe täglich mit ihnen aus und erkundige sich etwa nach den Materialbeständen. Noch sei genug Schutzkleidung verfügbar, aber sollte es zu einer Infektionswelle kommen, werde es schon eng. „Die Heime tun wirklich ihr Möglichstes. Das Problem ist, dass sie jede Menge Material bestellt haben. Aber zurzeit weiß niemand, wann die Lieferungen ankommen“, sagt Müller.

Insgesamt 15 Senioren- und Pflegeresidenzen gibt es im Landkreis St. Wendel. In allen gilt derzeit ein striktes Besuchsverbot. Zudem trage das Personal kontinuierlich Masken. Diese Maßnahmen haben sich bisher ausgezahlt. „Wir haben in unseren Heimen zum Glück noch keinen bestätigten Corona-Fall“, weiß Gesundheitsdezernent Benedikt Schäfer. Er berichtet jedoch von einer Covid-19-Patientin, die in einer Senioren-Einrichtung lebte und inzwischen verstorben ist. „Bei der Frau wurde das Virus allerdings im Krankenhaus festgestellt. Zum Zeitpunkt der Infektion war sie nicht im Heim untergebracht“, erläutert Schäfer. Zur Sicherheit habe man trotzdem die Kontaktpersonen getestet und unter Quarantäne gestellt. Die Ergebnisse seien aber alle negativ ausgefallen.

Inzwischen schließt die Landesregierung auch flächendeckende Abstriche in Pflege-Einrichtungen nicht mehr grundsätzlich aus. Man arbeite an einem Konzept mit der Virologie der Homburger Uniklinik, heißt es. Die Verantwortlichen im St. Wendeler Land möchten jedoch unabhängig davon schnellstmöglich zeitsparende Pool-Tests in Senioren-Residenzen vornehmen. „Dabei kommen fünf Abstriche in ein Röhrchen. Wenn das negativ ist, ist der ganze Pool negativ. Wenn das Röhrchen positiv ist, müssen alle fünf noch mal einzeln getestet werden“, erläutert Schäfer diese Vorgehensweise. Aktuell laufe eine Anfrage an die Labore, wie es um ihre Kapazitäten bestellt sei. „Ich hoffe, wir können im Laufe der nächsten Woche mit den Abstrichen loslegen“, ist der Gesundheitsdezernent optimistisch. Dann sollen zunächst einmal die Pflegekräfte getestet werden – unabhängig davon, ob sie Symptome zeigen oder nicht. „Die Bewohner sind ohnehin schon isoliert. Wenn das Virus in ein Heim eingeschleust wird, dann wahrscheinlich durch einen Mitarbeiter. Daher möchten wir diese als erstes prüfen“, erklärt Schäfer. Danach seien regelmäßig Abstriche vorgesehen.

Trotz aller Schutzmaßnahmen sei die Stimmung in den Einrichtungen angespannt. „Das Personal weiß, dass es mit einer Risikogruppe zu tun hat und was passieren kann, wenn die erste Erkrankung auftritt“, sagt Gesundheitsaufseher Müller. Eine besondere Herausforderung sei gerade auch der Plan der Landesregierung, im Falle von Infektionen kranke und gesunde Pflegebedürftige durch Quarantäne-Bereiche voneinander zu trennen. „Das ist auf dem Papier leicht zu definieren. Aber das in die Tat umzusetzen, wird wirklich schwierig“, sagt Schäfer. Schließlich würden die Senioren in den Residenzen leben, da könne man nicht einfach mal schnell einen Flur für Covid-Patienten freiräumen. „Und wie würden wir mit Demenzkranken umgehen?“, fragt der Gesundheitsdezernent. Für eine Quarantäne müsste man sie quasi in ihrem Zimmer einsperren. „Das alles wäre eine riesige Herausforderung für die Heime“, sagt Schäfer.

Wie also könnte man eine Einrichtung im Notfall umorganisieren? Ist es möglich, die Bewohner innerhalb des Gebäudes zu verlegen? Und wie wäre solch eine Situation personell zu stemmen? Es sind derzeit noch viele Fragen offen. Doch die Heimbetreiber und das Team des St. Wendeler Gesundheitsamtes arbeiten mit Hochdruck daran, Antworten zu finden – um im Ernstfall sofort reagieren zu können.