1. Saarland
  2. St. Wendel

Coronavirus im Landkreis St. Wendel: Krisenmangement im Standby-Modus

Coronavirus im Landkreis St. Wendel : Krisenmanagement im Standby-Modus

Das Coronavirus scheint den Rücktritt angetreten zu haben. Diesen Eindruck erwecken zumindest die offiziellen Zahlen des St. Wendeler Gesundheitsamtes. Demnach gibt es in vier Kommunen keine nachweislich Infizierten mehr.

Die Zahl der Genesenen steigt weiter an. Und in den vergangenen sieben Tagen sind gerade einmal zwei neue Fälle bekannt geworden. Aber was bedeutet dies für das Krisenmanagement im Landkreis?

Corona-Info-Telefon, Abstrich-Team, Kontaktverfolgung – etliche Kräfte waren bislang in den Kampf gegen die Pandemie eingebunden. Ist das jetzt noch notwendig? „Nein“, sagt Landrat Udo Recktenwald (CDU), „wir haben all diese Tätigkeiten reduziert.“ Die meisten Mitarbeiter und Helfer gingen inzwischen wieder ihrem normalen Tagesgeschäft nach. Zur Hochzeit waren bis zu 35 Personen allein für die Kontaktverfolgung zuständig, mittlerweile kümmern sich darum zwei Mitarbeiter. „Da wir fast keine neuen Fälle mehr haben, gibt es kaum noch Kontakte zu ermitteln“, erläutert Recktenwald.

Ähnlich sieht es in Sachen Info-Hotline aus. Zu Beginn der Krise hatten 20 Telefonisten, aufgeteilt in zwei Schichten, ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger. Aktuell sind hierfür noch zwei Personen im Einsatz. „Mit jeder neuen Regelung ergeben sich wieder Fragen. Deshalb wollen wir das Info-Telefon auch weiter anbieten“, sagt der Landrat. Er selbst hatte sein Büro zeitweise ins Gesundheitsamt verlegt. Als Leiter des Verwaltungs-Stabs wollte er die Entwicklungen vor Ort miterleben. Mittlerweile ist er jedoch wieder ins Landratsamt zurückgezogen.

Die Mitglieder der beiden Stäbe – neben dem Verwaltungs- ist dies der Operativ-Taktische-Stab (OPT) – treffen sich noch einmal täglich. Dann diskutieren sie beispielsweise über die Lockerungen. „Wir müssen gucken, wie wir die Teilöffnungen vorbereiten und umsetzen können“, sagt Recktenwald. Bei diesen Sitzungen sei immer auch ein Arzt des Gesundheitsamtes dabei, der die medizinischen Entwicklungen erläutere. Dirk Schäfer, Leiter des OPT, nutzt die Besprechung unter anderem, um über die Projekte seines Teams zu informieren. „Wir arbeiten aktuell kleinere logistische Aufgaben ab. Kümmern uns etwa um die Organisation und den Transport von Materialien wie Hygieneartikeln, Desinfektionsmittel und Masken“, erklärt er.

Am 13. März wurde der OPT ins Leben gerufen. Für die sieben Mitglieder – auch diese sind inzwischen nicht mehr alle im Einsatz – gab es damals jede Menge zu tun. Sie standen etwa in ständigem Austausch mit den Kommunen, unterstützten die Tafel und fragten Notfallpläne verschiedener Einrichtungen ab. Außerdem koordinierten sie die Zusammenarbeit mit den mehr als 200 Helfern. Eine weitere Aufgabe: der Aufbau und die Organisation der Notversorgungszentren in der Marpinger Schulturnhalle und den Bosenberg-Kliniken in St. Wendel. Diese stehen laut Schäfer immer noch bereit. Wie lange man sie vorhalten werde, würde in Abstimmung mit dem Ministerium entschieden. „Da muss man saarlandweit schauen, wie die Entwicklung ist und welche Kapazitäten benötigt werden. Wir befinden uns in einem dynamischen Prozess. Es kann sich alles in kurzer Zeit wieder ändern“, sagt Schäfer.

Ebenfalls in seinen Zuständigkeitsbereich fällt die Koordination des Abstrich-Teams. Freiwillige aus diversen Hilfsorganisation waren in den vergangenen Wochen im St. Wendeler Land unterwegs, um die Menschen auf das Coronavirus zu testen. Diese Aufgabe haben jetzt Soldaten der Bundeswehr übernommen. Sie unterstützten diese Woche das Land bei den Abstrichen im Seniorenheim Neunkirchen/Nahe. Außerdem testeten sie das Personal und die Bewohner in den Einrichtungen der Lebenshilfe. „Sie haben rund 300 Proben entnommen“, erläutert Schäfer. Abstriche bei Einzelpersonen gebe es derweil nur noch ganz wenige.

Die Lage im Landkreis St. Wendel habe sich entspannt. Man könne es daher nicht mehr rechtfertigen, die zahlreichen Beschränkungen aufrecht zu erhalten. „Wir müssen ausprobieren, wie sich die Lockerungen auswirken“, sagt der Landrat. Er warnt jedoch: „Die Pandemie ist nicht vorbei, wir wissen nicht, ob es eine zweite Welle geben wird.“ Daher sei das Krisenmanagement auch lediglich im Standby-Modus. „Wir sind jederzeit in der Lage, das ganze System wieder hochzufahren“, sagt Recktenwald. Schäfer ergänzt: „Alle Teams und Personen stehen bereit, um den Dienst bei Bedarf kurzfristig wieder aufzunehmen.“