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Corona-Test-Team im Landkreis St. Wendel: Stäbchen rein, Helfer sein

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Der Landkreis St. Wendel setzt ein eigenes Corona-Test-Team ein. Dieses setzt sich aus Freiwilligen zusammen.

Sie sind gekommen, um zu helfen. 15 weitere Freiwillige haben sich dem Corona-Test-Team des Landkreises St. Wendel angeschlossen. Vor der Praxis stand jedoch die Theorie auf dem Plan. Amtsarzt Frank Bleymehl und Gesundheitsaufseher Philipp Wagner zeigten den Mitgliedern verschiedener Hilfsorganisationen, wie der Test funktioniert. „Ganz wichtig: Wann ein Abstrich erforderlich ist, entscheidet der Arzt. In erster Linie der Hausarzt“, erklärte Wagner zu Beginn.

Anschließend demonstrierte er die notwendigen Utensilien: Röhrchen, Stäbchen und Plastikbeutel. Der Nachweis für die Erkrankung Covid-19 laufe über Abstriche aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum. Die entnommenen Proben würden Laboranten in der Homburger Uni-Klinik untersuchen. „Der Virus hat eine Fetthülle, wird diese zerstört, geht der Erreger kaputt“, erläuterte Bleymehl. Das passiere beim Desinfizieren der Hände. Auch der Zeitfaktor spiele eine entscheidende Rolle, um eine Ansteckung zu verhindern. „Machen Sie den Abstrich und entfernen Sie sich dann gleich wieder vom Patienten“, wies der Amtsarzt seine Schüler an.

Um sich vor einer Infektion zu schützen, genüge eine einfache Ausrüstung. Doch diese anzulegen, will geübt sein. Daher demonstrierte Jörg Reichert vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) gemeinsam mit einer Freiwilligen, wie Kittel, Maske, Handschuhe und Mundschutz richtig sitzen. Damit bei der Probeentnahme nichts schiefläuft, gehen immer ein erfahrener Helfer und ein Neuling gemeinsam auf Tour. Sie erhalten eine Namensliste und fahren mit dem Auto zu den Betroffenen nach Hause. „Das Team kümmert sich ausschließlich um Personen, bei denen der Test vom Gesundheitsamt angeordnet wurde“, betonte Wagner. Wenn der Hausarzt einen Abstrich veranlasse, müssten die Betroffenen zu einer der zentralen Test-Stationen fahren. Diese sind in der Alten Schmelz in St. Ingbert und der Sporthalle West in Dillingen. „In St. Wendel gibt es keine öffentliche Station“, stellte Wagner klar. Im Zelt vorm Gesundheitsamt würden lediglich vorher angemeldete Gruppen getestet.

Bisher haben die Ehrenamtlichen bereits 224 Abstriche bei Menschen im St. Wendeler Land abgewickelt. „Doch es werden von Tag zu Tag mehr“, weiß Kreisbrandinspekteur Dirk Schäfer, der unter anderem die Hilfskräfte koordiniert. Erstmals sind diese am 11. März ausgerückt. Obwohl damals noch der mobile Ärztedienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) aktiv war. „Wir haben festgestellt, dass dieser mit den Proben kaum noch nachkam“, erinnerte sich Schäfer. Daher habe der Landkreis St. Wendel sein eigenes Team auf die Beine gestellt – als einziger im Saarland.

Angefangen habe man mit einer dreiköpfigen Mannschaft. Inzwischen sind insgesamt 27 Freiwillige im Einsatz, um mögliche Infizierte zu testen. Zehn weitere kümmern sich um Kurierdienste und transportieren die Proben nach Homburg. Darüber hinaus hätten sich mehrere Ärzte bereit erklärt, während ihres Urlaubs im Gesundheitsamt einzuspringen. „Wir sind dankbar für jeden Unterstützer, gerade im medizinischen Bereich“, betonte der Brandinspekteur. Würde es die Freiwilligen nicht geben, müssten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes die Aufgaben auch noch übernehmen. Doch das wäre kaum denkbar, denn diese würden ohnehin schon auf Hochtouren schuften.

„Zurzeit läuft das Corona-Test-Team auf ehrenamtlicher Basis, ohne finanzielle Belastungen. Aber irgendwann wird das nicht mehr funktionieren“, ist Schäfer überzeugt. Er berichtete von Helfern, die Überstunden abbauen oder sich extra Urlaub genommen haben, um das Gesundheitsamt zu unterstützen. „Manche sind da wirklich mit unglaublichem Enthusiasmus bei der Sache“, freute er sich.

Zu diesen Personen zählt auch Elena Wüst. Die 23-Jährige ist Kreisbereitschaftsleiterin beim DRK, hauptberuflich arbeitet sie als Krankenschwester. Mutmaßliche Infizierte testet sie daher nicht. „Leitende Personen oder Menschen, die in systemrelevanten Berufen beschäftigt sind, dürfen für diesen Dienst nicht eingeteilt werden“, erklärte sie. Stattdessen springt Wüst überall dort ein, wo es am Nötigsten ist. „Ich gebe immer 100 Prozent“, sagte sie. Im Krankenhaus habe sie den Nachtdienst übernommen, so könne sie tagsüber als Ehrenamtliche im Einsatz sein. „Ich achte aber darauf, dass es mir nicht zu viel wird. Die Arbeit in der Klinik geht schon vor“, betonte sie.

Auch Mathias Gummel, Leiter Einsatz der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) St. Wendel, muss Haupt- und Ehrenamt unter einen Hut bringen. „Ich arbeite zurzeit im Homeoffice. Da kann ich zwischendurch immer mal wieder das Test-Team unterstützen“, sagte er. Insgesamt elf DLRG-Mitglieder im Alter zwischen 18 und 45 Jahren haben sich für diese Aufgabe gemeldet. Als der Landkreis anfragte, waren sie sofort bereit einzuspringen. „Wir sind froh, dass wir nun das tun können, worauf wir uns jahrelang vorbereitet haben“, erklärte Gummel. Sein Team sei motiviert, in der Krise einen sinnvollen Beitrag zu leisten.

Frank Bleymehl, stellvertretender Leiter des St. Wendeler Gesundheitsamtes, erklärt den Helfern, wie der Abstrich funktioniert. Er zeigt dazu die nötigen Utensilien: Röhrchen, Stäbchen und Plastikbeutel. Foto: Sarah Konrad

Der Zusammenhalt zwischen den Hilfsorganisationen, den Behörden, dem Landkreis, den Kommunen und den Dörfern sei super. Alle würden Hand in Hand arbeiten. Ein Beweis dafür seien auch die zahlreichen Initiativen zur Nachbarschaftshilfe, die es inzwischen in der Region gibt. „Wir haben bei den Ortsvorstehern nachgefragt: In 61 von 66 Dörfern sind solche Gruppen aktiv“, weiß Brandinspekteur Schäfer. Er freute sich über all das Engagement, versprach aber gleichzeitig: „Wenn eine dieser Initiativen irgendwann an ihr Limit stoßen sollte, kommen wir ins Spiel. Der Krisenstab steht Gewehr bei Fuß, wenn Unterstützung nötig ist.“