Christliche Hospizhilfe St. Wendel hilft Schwerkranken und Angehörigen

Kostenpflichtiger Inhalt: Christliche Hospizhilfe St. Wendel : Eine große Stütze in der letzten Lebensphase

Der Verein Christliche Hospizhilfe St. Wendel berät und hilft schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen. Gerhard Koepke ist neuer Vorsitzender.

Die Nachricht trifft Peter S. wie einen Schlag. Zwar hatte er schon irgendwie damit gerechnet, aber sie jetzt aus dem Mund seines Arztes zu hören, ist trotzdem nicht weniger schlimm: Seine Krebserkrankung ist unheilbar. Peter wird sterben. Nicht sofort, aber bald. In ein paar Monaten.

Er steht unter Schock. Wie geht es weiter? Wie lange kann ich noch zu Hause bleiben? Was ist, wenn die Schmerzen schlimmer werden? Fragen über Fragen überwältigen ihn. Und seine Familie. Hilfe tut Not. Da erinnert sich seine Frau an einen Flyer „Beratung und Hilfe“ des gemeinnützigen Vereines Christliche Hospizhilfe im Landkreis St. Wendel. Darin ging es um die ambulante Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen. Peters Frau ruft in St. Wendel an. Eine von vier speziell ausgebildeten Mitarbeiterinnen macht zeitnah einen Besuchstermin aus, berät die Familie zu Hause.

„Wir kommen sofort raus, wenn ein Anruf kommt“, sagt Nikolaus Schorr, bis Juni dieses Jahres Vorsitzender des Vereines. Im SZ-Gespräch berichten er und der neue Vorsitzende der Christlichen Hospizhilfe, Gerhard Koepke, Pfarrer im Ruhestand, über die Arbeit des Vereines.

Der Name des Todkranken und seine Geschichte sind erfunden, doch es könnte sich so abspielen. 236 Schwerstkranke hat der Verein im vergangenen Jahr betreut, bis Sommer dieses Jahres waren es mehr als 140. „Die Zahl der Betreuten hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt“, berichtet Schorr von einer steigenden Nachfrage. Schorr führte als Vorsitzender den Hospizhilfeverein seit 2009. Fünf hauptamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Betroffenen, unter ihnen sind vier sogenannte Koordinatorinnen. Drei sind gelernte Krankenschwestern, eine ist Diplom-Sozialpädagogin, alle vier sind ausgebildete Palliative-Care-Fachkräfte. Für die Arbeit mit den schwerstkranken Menschen also bestens vorbereitet.

Die Mitarbeiterinnen beraten und informieren rund um die palliative Pflege, informieren über die Betreuung und Begleitung der schwerkranken und sterbenden Menschen. Sie arbeiten zusammen mit allen, die ebenfalls mit den Betroffenen zu tun haben, von den Ärzten über die Pflegedienste bis zu Seelsorgern und sozialen Einrichtungen. Schorr: „So können wir gemeinsam für die Betroffenen eine individuelle, bedarfsgerechte Unterstützung anbieten.“

Damit nicht genug. 82 ehrenamtliche Hospizhelfer engagieren sich in dem Verein. Sie besuchen auf Wunsch die Schwerstkranken und ihre Familien. Sie nehmen sich Zeit für Gespräche. Sie unterstützen Angehörige, auch in der Zeit der Trauer. Die Ehrenamtlichen haben sich übrigens in einem speziellen Kurs ausbilden lassen.

„Die Ehrenamtlichen sind unser Pfund“, unterstreicht der ehemalige Vorsitzende deren Bedeutung. Was die wichtigsten Bausteine seiner zehnjährigen Amtszeit waren? Mehrere Punkte nennt der 72-Jährige. So habe sich die finanzielle Situation des Vereines verbessert. Nach wie vor ist er aber auf Spenden angewiesen. Wie schon erwähnt habe sich die Zahl der Betreuten verdoppelt. Umgezogen sei die Geschäftsstelle des Vereines 2015 in die Luisenstraße. Dort gebe es mehr Platz für die Mitarbeiter. Mit den stationären Alte- und Pflegeeinrichtungen arbeite man eng zusammen, ebenso mit den Ärzten in der Region.

Ein Meilenstein für Schorr war das Modellprojekt „allgemeine ambulante Palliativversorgung“, das von 2015 bis 2917 im Landkreis lief und seitdem fortgeführt wird. Um den Wunsch unheilbar kranker Menschen zu erfüllen, in ihrer häuslichen Umgebung in Würde sterben zu können, arbeiten in diesem Projekt die Hausärzte, Pflegedienste und die ambulante Hospizhilfe des Vereines eng zusammen. Mit Erfolg, so Schorr.

Aus beruflichen und familiären Gründen habe er im Juni den Vorsitz abgegeben, sagt der Rechtsanwalt. Dem sein Nachfolger Gerhard Koepke ein Lob ausspricht: „Der Verein läuft in guten Bahnen. Ich will die gut begonnene Arbeit fortsetzen“, so der Pfarrer im Ruhestand. Dabei werde er große Aufmerksamkeit auf die ehrenamtlichen Helfer richten, erklärt er eines seiner Ziele. In die Ausbildung von diesen war er als evangelischer Pfarrer schon eingebunden. Im geschäftsführenden Vorstand unterstützen ihn Michael Schütz (Caritasverband) als Stellvertreter und die ehemalige Oberthaler Bürgermeisterin Sigrid Morsch als Schatzmeisterin.

Gerhard Koepke aus St. Wendel, Pfarrer im Ruhestand, leitet die Christliche Hospizhilfe. Foto: Robby Lorenz
Nikolaus Schorr stand Jahre lang an der Spitze des gemeinnützigen Vereines. Foto: Josef Alles

Den Verein tragen soziale Organisationen aus der Region: Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, das Dekanat St. Wendel, evangelische Kirchengemeinden, die Lebenshilfe, die Marienhaus GmbH, der Pflegeförderverein St. Wendel und die Stiftung Hospital. Diese Vereinsstruktur ist laut Schorr zumindest im Saarland einmalig. Hinzu kommen etwa 100 fördernde Mitglieder.

Mehr von Saarbrücker Zeitung