Namborn: Bürgermeister-Wahl geht in Verlängerung

Namborn : Bürgermeister-Wahl geht in Verlängerung

Es kommt zur Stichwahl, nachdem keiner der drei Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl in Namborn die absolute Mehrheit errungen hat. Nun müssen sich die Wähler am 10. Juni zwischen Judith Jung und Sascha Hilpüsch entscheiden.

Es ist nicht vorbei, ehe es nicht vorbei ist – It Ain‘t Over‚ til It‘s Over, röhrte dereinst der US-amerikanische Rocksänger Lenny Kravitz. Das gilt auch für Namborn, wo am vergangenen Sonntag die Bürgermeisterwahl über die Bühne ging – zumindest der erste Teil. Denn es ist noch nicht vorbei: Am Sonntag, 10. Juni, geht es in die Stichwahl. Das gilt allerdings nur für zwei der drei Kandidaten. Für Konrad Haßdenteufel, der für die Freie Liste Namborn (FLN) den Chefsessel im Rathaus in Hofeld-Mauschbach erringen wollte, ist das Rennen beendet. 990 Wähler stimmten für das ehemalige CDU-Mitglied. Das waren 25,5 Prozent aller abgegebenen Stimmen.

Enttäuscht vom Ausscheiden sei er nicht, erklärte Haßdenteufel, nach dem das Endergebnis feststand. „Was soll’s? Es geht weiter. Wir haben die Freie Liste in der Gemeinde Namborn bekannter machen können und einen fairen und ehrlichen Wahlkampf geführt.“ Doch vermutlich seien die Menschen der Ansicht gewesen, „dass Sascha Hilpüsch der bessere ist“. Sein Fazit lautet: „Wir hatten nichts zu verlieren und haben gekämpft.“ Nun werde er das Geschehen der zurückliegenden Wochen und Monate sacken lassen, dann gehe es für den Hirsteiner Ortsvorsteher im kommunalpolitischen Alltag weiter wie bisher. „Ich stehe mit beiden Füßen fest im Leben.“

Weiter wie bisher geht es auch für Judith Jung. Denn der Wahlkampf der 37-jährigen Kulturwissenschaftlerin ist noch nicht vorbei. „Als ich mich entschlossen habe zu kandidieren, habe ich gesagt, dass ich gewinnen möchte. Daran hat sich nichts geändert“, erklärte die CDU-Kandidatin nach Abschluss der Stimmen-Auszählung. 27,5 Prozent schlugen letztlich für Jung zubuche. Sie dankte ihrem Unterstützerteam sowie ihren Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen und versprach: „Ich werde die kommenden zwei Wochen weiter Gas geben.“ Wenngleich sie nach eigener Aussage nicht damit gerechnet hat, dass der Rückstand auf Sascha Hilpüsch so groß ausfallen würde. Aber das könne sich noch drehen.

Das möchte Sascha Hilpüsch verhindern. Den Montag nach dem Urnengang gönnte sich der 47-Jährige, „um nach den Wahlkampfwochen zumindest kurz mal durchzuschnaufen“, ehe es diesen Dienstag voll im Wahlkampfmodus weitergehe. „Man muss jetzt allerdings aufpassen, dass man die Leute nicht nervt. Es wurde in den vergangenen Wochen doch ziemlich viel Rabatz rund um die Wahl gemacht. Ich werde versuchen, hier einen guten Mittelweg zu finden.“ Denn klar hofft er, dass die 1825 Menschen, die ihm am Sonntag das Vertrauen ausgesprochen haben – das sind 47 Prozent der Wähler –, auch am 10. Juni hinter seinem Namen ein Kreuzchen machen. Und wenigstens vier Prozent zusätzlich. Von sich überzeugen möchte er jene wie diese beispielsweise an einem Info-Stand. Mit dem will er an den beiden kommenden Samstagen am Einkaufszentrum an der Allerburg aufschlagen.

Und wie bewerten die Kreisvorsitzenden den Ausgang der Wahl? Zwar tritt Hilpüsch als Einzelbewerber an. Der Baltersweiler Ortsvorsteher ist jedoch Mitglied der SPD und sitzt für diese im Gemeinderat. Daher freute sich der SPD-Kreisvorsitzende Magnus Jung sehr über das gute Abschneiden des von den Genossen unterstützten Polizisten – auch wenn dieser nicht die SPD-Fahne ins Feld führt. „Sascha hat immer gesagt: ‚Natürlich bin ich Sozialdemokrat, aber für mich ist bei dem Thema Bürgermeister die Parteizugehörigkeit nicht das Wichtigste. Ich möchte Bürgermeister für alle sein.’“ Das habe die Partei akzeptiert. Zumal Hilpüschs Kandidatur aus der Bürgerschaft heraus unterstützt worden sei – was 176 Unterschriften pro Hilpüsch im Vorfeld der Kandidatenkür belegten. Denn nur 81 wären für die Zulassung des Einzelbewerbers notwendig gewesen.

Nun komme es darauf an, die Leute zu überzeugen und zu motivieren, ein zweites Mal zur Wahl zu gehen. „Sascha hatte am Sonntag einen sehr ordentlichen Vorsprung. Aber heute sind die Wahlurnen wieder leer. Es fängt wieder bei Null an“, sagt Jung. Um zu gewinnen müsse Hilpüsch es zudem schaffen, denjenigen, die im ersten Wahlgang für Haßdenteufel gestimmt hätten, „ein Angebot zu machen“. Wie genau das aussehen könnte, das wollten Hilpüschs Unterstützer und er selbst nach Aussage Jungs am Montagabend besprechen. „Aber auch wenn wir ihn unterstützen: Das ist Saschas Wahlkampf, nicht der der SPD.“

Bei der CDU im Kreis St. Wendel war die Stimmung am Tag nach der Wahl gedämpft. „Wir sind nicht zufrieden und ja, wir sind enttäuscht vom Ergebnis“, bekannte der CDU-Kreisvorsitzende Andreas Veit. Zwar sei von vorne herein mehr oder weniger klar gewesen, dass, „wenn drei Bewerber antreten, eine Stichwahl sehr wahrscheinlich wird. Aber wir haben schon erwartet, dass Judith Jung und Sascha Hilpüsch im Ergebnis näher beieinander liegen“. Was für den Ausgang ausschlaggebend gewesen sei, „ist bei Direktwahlen immer sehr schwierig herauszufinden“. Mit ein Grund sei sicherlich gewesen, dass es mit Konrad Haßdenteufel und Judith Jung gleich „zwei Kandidaten aus dem bürgerlichen Lager gab. Das wurde in der Bevölkerung sicher nicht positiv gewertet“, vermutet Veit.

Einzelbewerber Sascha Hilpüsch konnte 47 Prozent der Namborner Wählerstimmen auf sich vereinen. Foto: B&K/Bonenberger/
CDU-Kandidatin Judith Jung errang bei der Bürgermeisterwahl in Namborn 27,5 Prozent der Stimmen und ist in der Stichwahl. Foto: B & K/Franz Rudolf Klos

Nun muss es Jung gelingen, viele Wähler, die am Sonntag für Haßdenteufel gestimmt haben, von sich zu überzeugen. „Es sind noch 14 Tage Zeit. In denen wird weiter Wahlkampf gemacht und im Grunde das fortgesetzt, was wir die ganzen zurückliegenden Wochen schon getan haben“, kündigt Veit an. Auch sei die Wahlbeteiligung mit 65,9 Prozent zwar „ordentlich“ gewesen, „aber da ist trotzdem noch Luft nach oben. Wir müssen versuchen, den einen oder anderen, der am Sonntag nicht wählen war, für die Stichwahl zu mobilisieren“.

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