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Ausflug in die bewegte Geschichte rund um die Basilika

Ausflug in die bewegte Geschichte rund um die Basilika

St. Wendel. "Im Laufe der 650 Jahre, in der unsere 1360 in Dienst genommene Basilika besteht, hat das alte Gebäude wahrlich viel erlebt." Mit diesen Worten begann der Historiker Gerd Schmitt seinen Vortrag beim ersten der "Gespräche im Pfarrgarten"

St. Wendel. "Im Laufe der 650 Jahre, in der unsere 1360 in Dienst genommene Basilika besteht, hat das alte Gebäude wahrlich viel erlebt." Mit diesen Worten begann der Historiker Gerd Schmitt seinen Vortrag beim ersten der "Gespräche im Pfarrgarten". Dabei zitierte er auch eine Passage aus einer Niederschrift des Heimatforschers Hans Klaus Schmitt: "Gewaltige Erlebnisse, Jubel und Leid, Pest, Hunger und Krieg sind seit Bestehen der Kirche über die Stadt und das Land gezogen. Es würde ein dickes, buntes Buch füllen, wollte man alles niederschreiben, was aus den einzelnen Seiten alter Protokolle hervorleuchtet." Gerd Schmitt entführte seine Zuhörer beim ersten Pfarrgartengespräch in das Jahr 1466 und versuchte den Verlauf des Sebastianustages am Montag, 20. Januar, nachzuzeichnen. "Alle genannten Personen sind authentisch", sagte der Redner und fesselte seine Zuhörer auch mit hochinteressanten Details aus der Stadtgeschichte. "Folmens Henne aus Alsfassen rüstet sich zum Kirchgang", begann er. "Heute ist ein besonderer Tag, das Fest der Heiligen Sebastian und Fabian. Zudem ist großes Fest. Vor 25 Jahren wurde die Bruderschaft des heiligen Sebastian gegründet. Henne ist zwar nicht Mitglied der Bruderschaft, aber er freut sich auf die Feierlichkeiten in der nahen Stadt. Zum Kirchgang trägt er seine bessere Kleidung. In ihrer Fürsorge reicht ihm seine Frau Merge einen wollenen Brustlappen gegen die Januarkälte und das lange Stehen in der ungeheizten Kirche, in der es (noch) keine Bänke gibt. Folmens Hennes nimmt den Weg über Breiten, denn im Brühl gibt es schon eine hölzerne Brücke über die Blies. In Breiten will Henne bei einem Schwiegervater Heintzgen vorbeischauen. Er trifft ihn schon fertig zum Ausgehen an. Beide marschieren über die Liebwiese, am Lauf des Todbaches entlang zum Unteren Tor." Im weiteren Verlauf seines Vortrages schilderte Gerd Schmitt wie die beiden Männer die Kirche durch die Laubentür betreten. Das ist der Eingang auf der Seite der Carl-Cetto-Straße, der bis heute "Baltersweiler Küch" genannt wird. Dort sitzen Bettler, die "um der Barmherzigkeit des lieben Heilandes willen" um reichhaltige Gaben bitten. Zu den Kirchenbesuchern zählen an diesem Tag auch der Junker Friedrich von Bitsch, genannt Gentersberg, mit seiner Gemahlin Katharina, die am Fruchtmarkt ein stattliches Haus führen. "Von der Chorhalle kündigt das Glockenzeichen den Beginn des Gottesdienstes an", heißt es in dem Bericht weiter. "Der Duft von Weihrauches erfüllt den Raum. Das Evangelium trägt Pfarrer Johannes Durchdenwalt selber vor." Nach der Messe gehen Folmens Henne und Heintzgen von Breyten zusammen mit dem Schuhmachermeister Greben Petter zum so genannten Vaterhaus, einem Wirtshaus in der Oberstadt. Dort treffen sich die Mitglieder der Sebastianusbruderschaft, essen, trinken und plaudern. "So oder ganz ähnlich mag der Sebastianustag im Jahre 1466 verlaufen sein", schloss Gerd Schmitt und kündigte an, auch in seinen weiteren Vorträgen aus der Geschichte der Wendelsstadt zu erzählen. Das nächste Pfarrgartengespräch ist am Montag, 12. Juli, 19.30 Uhr. Thema des Abends ist "St. Wendel und der Dreißigjährige Krieg." "Das alte Gebäude hat wahrlich viel erlebt"Historiker Gerd Schmitt