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Aus den Ballerinas in den Rückraum

Aus den Ballerinas in den Rückraum

Neunkirchen/Saarbrücken. Ungläubig haften ihre Augen an Hans-Gerd Fries. Der Vize-Präsident Jugend verliest gerade beim Neujahrsempfang des Handball-Verbandes Saar (HVS) in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen die Laudatio auf die diesjährige Preisträgerin des Bernhard-Gill-Talentepreis. Christina Liebau, die unter einem Vorwand von ihren Eltern hergelockt wurde, ahnt lange Zeit nichts

Neunkirchen/Saarbrücken. Ungläubig haften ihre Augen an Hans-Gerd Fries. Der Vize-Präsident Jugend verliest gerade beim Neujahrsempfang des Handball-Verbandes Saar (HVS) in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen die Laudatio auf die diesjährige Preisträgerin des Bernhard-Gill-Talentepreis. Christina Liebau, die unter einem Vorwand von ihren Eltern hergelockt wurde, ahnt lange Zeit nichts. Aber gewisse Merkmale der gerade beschriebenen Preisträgerin kommen ihr plötzlich seltsam vertraut vor: Spielerin in der C-Jugend der DJK Marpingen und seit Saisonbeginn ungeschlagen. Gut, da kommen auch noch einige andere in Frage. Schülerin des St.Wendeler Cusanus-Gymnasiums und zum zweiten Mal Landessiegerin der "Jugend-trainiert-für-Olympia"-Handballmannschaften. Moment mal, kann das sein? Spätestens als Ballett als die erste sportliche Betätigung des Ausnahmetalentes genannt wird, realisiert die 15-Jährige, dass sie heute Abend den Preis als beste Nachwuchsspielerin in Empfang nehmen wird. Benannt ist er nach dem 2009 verstorbenen Hauptgeschäftsführer des Landessportverbandes und langjährigen Präsidenten des HVS, Bernhard Gill.Unter den Augen prominenter Gäste wie Handball-Weltmeister Christian Schwarzer geht die in Saarbrücken geborene Rückraumspielerin schüchtern und mit ungläubigem Blick auf die Bühne, um den hauptsächlich mit Süßigkeiten gefüllten Geschenke-Korb entgegenzunehmen. "Alle meine Freunde waren eingeweiht" , meint Christina später mit einem Lächeln. Nur sie selbst ahnte nichts. Dann erzählt sie mit leuchtenden Augen, was sie an ihrem Teamsport so fasziniert: "Es macht mir Spaß, etwas mit anderen Leuten zu machen, die Stimmung in der Kabine und die Motivation vor dem Spiel - das alles ist toll."

Die sportliche Laufbahn begann für Christina im Alter von fünf Jahren in der Tat gänzlich ohne Ball in einer Ballettschule. Zwei Jahre später wurde sie von einer Freundin zum Handball überredet und besuchte ein Fördertraining. Seitdem ist sie eine feste Größe bei der DJK Marpingen und schaffte schnell den Sprung in die Saar-Auswahl. Mit ihr gewann sie 2010 den Regio-Cup, ein bedeutendes länderübergreifendes Turnier.

"Meine Lieblingsposition ist der Rückraum, aber ich kann eigentlich alles spielen", versichert das Multitalent. Ihr Papa Ralf, seines Zeichens Betreuer der Marpinger Handballmädchen und passionierter Karatekämpfer, unterstützt das Energiebündel tatkräftig, damit sie neben dem zeitintensiven wöchentlichen Trainingsprogramm die Schule nicht vernachlässigt. Ihre Lieblingsfach ist übrigens - wie sollte es auch anders sein - Sport. Ihr Lebensmotto? "No risk, no fun", sagt sie und lacht. Ohne Risiko keinen Spaß. "Man sollte den Mut haben, Fehler zu machen, man lernt ja sonst nix", sagt sie.

Bei der Frage nach Zielen muss Christina nicht lange überlegen: "Das Sichtungstraining des deutschen Handballbundes im März!" Dort will sie ebenfalls mit ihrem Talent überzeugen. Und hofft auf ein Probetraining bei der Nationalmannschaft. "Man sollte den Mut haben, Fehler zu machen, man lernt sonst ja nix."

 Christina Liebau bei der Preisverleihung in Neunkirchen.
Christina Liebau bei der Preisverleihung in Neunkirchen.

Christina Liebau, die saarländische Nachwuchs-Handballerin des Jahres