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"Annäherung an die Unendlichkeit"

"Annäherung an die Unendlichkeit"

Mathematik-Kolumne"Annäherung an die Unendlichkeit"Leserbrief zu "Verrückt: Zahl auf Zahl auf Zahl" (11.Juli).Cantor entwickelte bekanntlich Erkenntnisse von Leibniz weiter. Die Leser dieses interessanten Beitrags im St

Mathematik-Kolumne"Annäherung an die Unendlichkeit"Leserbrief zu "Verrückt: Zahl auf Zahl auf Zahl" (11.Juli).Cantor entwickelte bekanntlich Erkenntnisse von Leibniz weiter. Die Leser dieses interessanten Beitrags im St. Wendeler Land interessiert darüber hinaus sicher auch, dass Cantor bei seiner systematischen Untersuchung des Unendlichen auf einen seiner Vorläufer in dieser Problematik stieß, nämlich Nicolaus Cusanus, wie er mit dem Hinweis auf den Aufsatz "Der Kardinal Nicolaus Cusanus als Vorläufer Leibnizens" angemerkt hat. Cusanus war um die Mitte des 15. Jahrhunderts Pfarrherr von St. Wendel und beschäftigte sich gleichfalls mit dem Problem der Unendlichkeit, allerdings nicht nur im Hinblick auf die Mathematik. Dennoch gelang ihm auch auf diesem Gebiet ein zweifacher Fortschritt. Einmal ermittelte er eine bessere Methode als der vorchristliche Archimedes zur Berechnung der für den Kreisumfang notwendigen Zahl Pi und erhielt damit einen genaueren Wert (Archimedes: 3,1428, Cusanus: 3,142337). Seine zweite, noch wichtigere Erkenntnis war, dass der Mensch sich im Denken - sei es sprachlich oder rechnerisch - der Unendlichkeit nur annähern kann. Deshalb ist selbst seine verbesserte Zahl kein endgültiger Wert, sondern muss weiter dem Unendlichen angenähert werden. Im Gegensatz dazu hatte das Mittelalter weitgehend die Zahl des Archimedes als genauen Wert betrachtet. Dies zeigt konkret an einem von vielen Beispielen, warum Cusanus von kompetenter Seite als "Pförtner in die Neuzeit" gesehen wird. Werner Martin, St. Wendel