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Angehende Erzieher haben sich in einer AG mit Demokratie beschäftigt

Projekt-Abschluss : Berufsschüler befassen sich mit Vielfalt

In einem fünfmonatigen Projekt haben sich angehende Erzieher damit auseinandergesetzt, wie sie jungen Menschen die Vielfalt der Gesellschaft näherbringen können.

Was bedeutet es, Demokratie zu leben? Was bedeutet Vielfalt in unserer Gesellschaft? Wie kann man Kindern und Jugendlichen diese Themen näherbringen? Diesen Fragen widmeten sich Schüler der Fachschule für Sozialpädagogik an der Dr.-Walter-Bruch-Schule in St. Wendel fünf Monate lang in einer Nachmittags-Arbeitsgemeinschaft (AG). Die AG war Teil des Projekts „Ich, die Anderen und die Vielfalt“ des Adolf-Bender-Zentrums, das der Schule geholfen hat, das Projekt vor Ort zu stemmen.

„Die Schüler nahmen freiwillig an dem Projekt teil, und sind damit jeden Montag zwei Stunden länger geblieben, als sie eigentlich gemusst hätten“, lobte Florian Klein, der die Schüler gemreinsam mit Anna Kautenburger, beide vom Adolf-Bender-Zentrum, seit September betreut hat.

„Bei dem Projekt geht es darum, gemeinsam kreativ und alltagsnah zu den Themen Demokratie, Konfliktlösungen und gesellschaftlichem Miteinander zu arbeiten“, erläuterte Klein. Denn damit Kinder und Jugendliche wissen, wie sie mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen sollen, müssten Erzieher diese Vielfalt thematisieren und ihnen helfen, Team- und Gruppenarbeit aktiv zu erleben. „Ansonsten führen Vielfalt und Differenzen in der Gruppe leider häufiger zu Ängsten, Überforderungen, Abwertungen und Ausgrenzung“, sagt Klein. Die angehenden Erzieher sollten in dem fünfmonatigen Projekt daher erarbeiten, wie sie die Themen Demokratie, Inklusion und Vielfalt in ihre Arbeit in Zukunft einbringen können.

Von den insgesamt zehn Teilnehmern der AG waren beim Abschluss des Projekts nur sechs vor Ort in dem Klassenraum am BBZ. Drei waren krank und einer hatte die Schule vorzeitig verlassen, erklärten Klein und Kautenburger.

Die Schüler hatten einen kurzen Film vorbereitet, in dem sie vor der Kamera erzählen, was Demokratie und Vielfalt für sie bedeuten und was sie aus der AG mitgenommen haben. „Vielfalt bedeutet für mich, dass jeder so sein kann wie er will“, sagt Julia Johann. „Jeder Mensch ist einzigartig und man sollte jeden so akzeptieren, wie er ist“, meint Nils Metzger. „Durch die AG habe ich gelernt, mehr Sachen zu hinterfragen und mehr über die eigene Ansicht nachzudenken“, erklärt Jennifer Engel. „Die AG macht Sinn, weil Themen, mit denen man im Beruf tagtäglich konfrontiert wird, angesprochen, ausgearbeitet und diskutiert werden“, betonte Tim Rupertus.

„Dass jeder eine andere Meinung hat, dass jeder zu einem Thema etwas anderes denkt. Dass man dann auch immer darauf eingehen sollte“, antwortete Lea Marie Messina auf die Frage hin, was ihr aus der AG am besten in Erinnerung geblieben ist. „Oder das mit den Braun- und Blauäugigen“, erinnerte sich Jennifer Engel. „Wir haben uns einen kleinen Film von einem Projekt angeschaut, da wurden die Leute sozusagen aussortiert, die Braunäugigen in eine Gruppe, die Blauäugigen in eine andere. Beide Gruppen wurden voneinander getrennt, aber nach und nach wurde ein Braunäugiger zu den Blauäugigen gelassen.“

Doch die Braunäugigen seien manipuliert worden, erzählte Jennifer Engel weiter. „Da war ein Mann, der hat zum Beispiel gesagt, Forschungen hätten ergeben, dass Blauäugige in manchen Dingen schlechter abschneiden als die Braunäugigen.“ Mit der Zeit habe sich gezeigt, dass die Braunäugigen sich tatsächlich für besser hielten, weil es ihnen so eingeredet wurde. „Da sieht man, wie leicht Menschen anhand von falschen Informationen beeinflusst werden können, und dass man vielleicht nicht auf eine Person hören sollte, die vorne steht und irgendwelche Sachen daherredet“, so die Schülerin weiter.

„Es war Interessant, zu sehen, wie schnell es gehen kann, dass eine Gruppe die andere aktiv ausgrenzt und diskriminiert, anhand von willkürlichen Merkmalen, in diesem Fall der Augenfarbe“, warf Florian Klein ein. „Oft denken die Menschen dann gar nicht mehr darüber nach, was da eigentlich passiert.“

Was sie gelernt haben, können die Berufsschüler nun mitnehmen in ihre Arbeit in den Praktika in verschiedenen Erziehungseinrichtungen im Kreis, darunter Kitas, Kindergärten und Grundschulen. Sie alle befinden sich im Vorkurs der Fachschule für Sozialpädagogik an der Dr.-Walter-Bruch-Schule, sprich im ersten Jahr der Ausbildung zum Erzieher, erläutert Klassenlehrerin Judith Frankhäuser-Kandler.

„In diesem Vorpraktikum sollen die Schüler zunächst herausfinden, ob sie für den Beruf geeignet sind“, führt Frankhäuser-Kandler weiter aus. Zu diesem Zweck seien sie zwei Tage in der Woche in den Schulräumen in der Wendalinusstraße und drei Tage zum Praktikum in einer Erziehungseinrichtung untergebracht. Für ihre Mühe in dem Projekt wurde jeder Schüler von Klein und Kautenburger mit einer Urkunde belohnt.