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"Alte Garde" hat nichts verlernt

"Alte Garde" hat nichts verlernt

Marpingen. Ein ungewohnter Blick erwartet die Marpinger Bürger am Karfreitag um 11.30 Uhr in der Hohl, einem Teilstück der Urexweiler Straße. Wo sonst Kinder lachend mit Kleppern durch die Straßen ziehen, tönt nun freudestrahlend die alte Garde ihr: "Et laut Mittag!" Ein buntgeschmückter Weidenkorb und ein "Klepper-Buwe"-Schild werden stolz in die Luft geschwungen

Marpingen. Ein ungewohnter Blick erwartet die Marpinger Bürger am Karfreitag um 11.30 Uhr in der Hohl, einem Teilstück der Urexweiler Straße. Wo sonst Kinder lachend mit Kleppern durch die Straßen ziehen, tönt nun freudestrahlend die alte Garde ihr: "Et laut Mittag!" Ein buntgeschmückter Weidenkorb und ein "Klepper-Buwe"-Schild werden stolz in die Luft geschwungen. Der Lärm öffnet sogar Fenster der umliegenden Häuser. Staunende Blicke und lachende Gesichter nehmen an dem Spektakel teil. Grund für den Generationenwechsel ist, dass in der Hohl keine Schulkinder wohnen, die dieses Jahr den Dienst des Klepperns antreten können. Walter Schmitt, Edgar Müller, Karl Heinz Fuchs, Klaus Paulus, Heinz Schnur, Reinhard Schu und Heinz Effertz bewaffnen sich daher mit ihren Holzratschen und setzen zum spaßig-lärmenden Klepperngehen an. Die Idee dazu entstand bei einer Geburtstagfeier. Karl Heinz Fuchs: "Seit 1988 treffen wir uns zu jedem runden Geburtstag und kleppern. Die Kleppern werden selbst hergestellt und gegenseitig verschenkt." Wo die Freunde sonst privat in Räumlichkeiten kleppern, hört heute zum ersten Mal seit langer Zeit Publikum zu. Karl Heinz Fuchs: "Dieses Mal kleppern wir zum ersten Mal draußen". Klaus Paulus nimmt sogar den Weg von Wadern nach Marpingen auf sich, um mit seinen Kollegen mitlärmen zu können. Der Spaß an der Sache ist den Rentnern anzusehen, fühlt sich die alte Garde doch wieder in ihre Jugendzeit in der Marpinger Schule hineinversetzt. Unterschied zu damals ist jedoch, dass die "Hohler Klepper-Buwe" diesmal keine Süßigkeiten sammeln, und dass der Klepperspuk bereits nach circa zehn Minuten vorbei ist. Wo man im Kindesalter bei "Laut Mittag" noch mehrere Male die Straße entlangspazierte, tut es dieses Mal ein einziger Durchgang. Gertrud Müller: "Früher sind die ein paar Mal raufgegangen". Währenddessen treffen sich Jung und Alt gerade an der Straßenkreuzung. Doch nach einigen Sekunden verliert sich die Scheu und die Kinder ziehen gemeinsam mit den Senioren durch die Hohl, auch wenn es eigentlich nicht ihr Straßenzug ist. Aber der Spaß steht an erster Stelle. Sicher fällt auch der ein oder andere Senioren-Blick auf die Süßigkeiten der Kinder, doch ihren Hunger stillen die Klepperbuben der Jahrgänge 1935 bis 1947 dann doch lieber bei "Bettseicher und Stampes". Dort stärken sie sich für die zwei weiteren Gänge um 14. 30 Uhr, "Et laut Erschd", und um 14.45 Uhr, "Et laut Zuhauf".

Die Hohler Klepperbuben in Marpingen: Karl Heinz Fuchs, Heinz Schnur, Walter Schmidt, Edgar Müller, Reinhard Schu, Helene Schu, Klaus Paulus und Heinz Effertz (von links). Fotos: Klos
Auch in Furschweiler gingen die Jugendlichen kleppernd durchs Dorf. Mit von der Partie waren (von links) Janik, Sofie, Anna, Niklas, Annika und Julian.

HintergrundDas Kleppern beruht auf einer Tradition. An Karfreitag und Karsamstag verstummen die Kirchenglocken als Symbol für die Leiden und den Tod Christi. Um das Geläut zu ersetzen, wird daher in jeder Straße mit Ratschen gekleppert. evr