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"Alex Deutschs Botschaft wird weiterleben"

"Alex Deutschs Botschaft wird weiterleben"

Neunkirchen. Eine lange Autoschlange, die am Dienstag vom Stadtausgang bis zur Spieser Höhe entlang der Hermannstraße parkte, zeigte es an: Auf dem nahe der Straße gelegenen Jüdischen Friedhof wird einer der außergewöhnlichsten Menschen zu Grabe getragen, der in den letzten Jahrzehnten in Neunkirchen gelebt hat

Neunkirchen. Eine lange Autoschlange, die am Dienstag vom Stadtausgang bis zur Spieser Höhe entlang der Hermannstraße parkte, zeigte es an: Auf dem nahe der Straße gelegenen Jüdischen Friedhof wird einer der außergewöhnlichsten Menschen zu Grabe getragen, der in den letzten Jahrzehnten in Neunkirchen gelebt hat. Alex Deutsch war, wie in der SZ schon berichtet, vor einer Woche im Alter von 97 Jahren einer unheilbaren Krankheit erlegen. Eine mehrhundertköpfige Trauergemeinde erwies dem Auschwitz-Überlebenden die letzte Ehre.Allein fast 200 Schüler waren von "seiner Schule", der Erweiterten Realschule Wellesweiler - sie trägt Alex Deutschs Namen - gekommen. Den Schülern war nach vorgezogenem Unterrichtsende anheimgestellt worden, zur Beerdigung zu gehen. "Fast alle sind gekommen. Das zeigt mehr als alle Worte, was Alex Deutsch bewirkt hatte", unterstrich Schulleiter Arno Schley. Vertreten waren auch der Kreis Neunkirchen, der Deutsch 2001 seine Verdienstmedaille verliehen hatte und sein Vermächtnis an der Seite von Ehefrau Doris als Treuhänder der Alex -Deutsch-Stiftung weiterhin unterstützt. Ebenso die Stadt Neunkirchen, die dem Verstorbenen 2009 ihre Bürgermedaille zuerkannte, mit der gesamten Verwaltungsspitze. Von der Landesregierung, die ihm 2002 den Saarländischen Verdienstorden angeheftet hatte, war niemand auszumachen. Neben etlichen Kreistags- und Stadtratsmitgliedern hatten sich einige bekannte Gesichter unter die Trauergemeinde gemischt. Etwa SPD-Landeschef Heiko Maas und der "benachbarte" Landrat (Saarpfalz-Kreis) Clemens Lindemann. Oder der einheimische Künstler Seiji Kimoto und Alt-OB Friedrich Decker.

Das Begräbnis wurde Alex Deutschs ausdrücklichem Wunsch gerecht, neben Karl Löb begraben zu werden. Mit dem bereits 1971 gestorbenen ersten Mann von Deutschs Ehefrau Doris hatte sich Alex Deutsch während der gemeinsamen Leidenszeit im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau angefreundet. Mit in die letzte Ruhestätte ging gestern ein Stofftuch mit Erde und Asche, die Alex Deutsch von einem Besuch in Auschwitz mitgebracht hatte. Nachdem Kantor Benjamin Chaits Gesang die Erdbestattung eingeleitet hatte, erinnerte Richard Bermann an Alex Deutschs Lebens- und Leidensweg. Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar: "Er hat mit seiner menschlichen Art Vorbildliches bewirkt." Ihm pflichtete Landrat Rudolf Hinsberger bei: "Wir können uns glücklich schätzen, ihm begegnet zu sein." Oberbürgermeister Jürgen Fried erwähnte unter anderem: "Er hat mit seinem unglaublichen Einsatz den Namen unserer Stadt bekannter gemacht."