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20 Jahre deutsche Einheit: Ost-Urlaub bleibt AusnahmeWas bieten die neuen Bundesländer?

20 Jahre deutsche Einheit: Ost-Urlaub bleibt AusnahmeWas bieten die neuen Bundesländer?

St. Wendel. Lockt der Osten als Reiseziel? Oder wird er von den vielen aus der Region 20 Jahre nach der Wiedervereinigung verschmäht?"Also bei uns ist die Nachfrage nach Zielen in den neuen Bundesländern noch unterrepräsentiert", sagt Peter Holzer vom Tui-Reisecenter in der St. Wendeler City. Es hänge damit zusammen, was für Touristen geschaffen worden sei

St. Wendel. Lockt der Osten als Reiseziel? Oder wird er von den vielen aus der Region 20 Jahre nach der Wiedervereinigung verschmäht?"Also bei uns ist die Nachfrage nach Zielen in den neuen Bundesländern noch unterrepräsentiert", sagt Peter Holzer vom Tui-Reisecenter in der St. Wendeler City. Es hänge damit zusammen, was für Touristen geschaffen worden sei. Da fehle es noch an attraktiven Angeboten. Nicht, dass es überhaupt keine Zugpferde gebe. "Aber wer in Deutschland Urlaub macht, zielt oft auf Städtereisen ab", berichtet Holzer. Die meisten nutzten beipielsweise Hamburg, München oder Köln. Die liegen im Westteil. Sie lockten unter anderem mit Musicals. Einen Renner habe jedoch der Osten zu bieten: Dresden. Holzer: "Das verbinden die meisten, die bei uns buchen, mit einem Besuch der Semperoper sowie mit Ausflügen ins Umland" - beispielsweise Meißen sowie Oberlausitz. Der Reisefachmann ergänzt: "Diejenigen, die bereits alle Weihnachtsmärkte im Westen abgegrast haben, zieht es auf den in Dresden."Ein weiterer Anziehungspunkt seien Flusskreuzfahrten auf der Elbe. Dieses Ziel als auch die sächsische Landeshauptstadt bevorzugten überwiegend Busreisende ab 45 Jahren aufwärts. "Das ist seit Jahren schon auf einem einheitlichen Level", ergänzt Holzer. Anfangs, direkt nach der Wende 1989/90, habe es einen Boom gegeben, der sich wieder abflachte. Neben dem seiner Meinung nach eingeschränktem Angebot wirkten sich auch teils erhebliche Entfernungen aus. So gehe fast ein ganzer Tag Anreise für einen Aufenthalt an der Ostsee drauf. Holzer: "Da haben wir es hier zur Nordsee wesentlich näher." Außer Rügen, "was ein Thema ist", spiele Mecklenburg-Vorpommern folglich kaum eine Rolle. Übrigens bemängelt der Reisebüro-Chef die fehlenden Verkehrsanbindungen. "Außer Berlin gibt es von uns aus keine Flüge in die neuen Länder." Dafür in die Bundeshauptstadt gleich von vier Flughäfen in der Region: Saarbrücken, Zweibrücken, Hahn und Luxemburg. "Es war ein Renner, als die Grenze aufging", bestätigt auch Silke Becker. "Prinzipiell sind die Fahrten heute noch nicht so begehrt", sagt die Chefin von Horst-Becker-Touristik in Spiesen, auch verantwortlich für Riotte-Reisen in St. Wendel. Was ziehe, seien Ziele auf Rügen und die Oberlausitz, letzteres eher in der Adventszeit, wenn Besucher die Werkstätten der erzgebirgischen Volkskunst besuchen wollen. Außerdem habe Beckers Unternehmen das Elbsandsteingebirge im Angebot. Auch bei ihr meldeten sich dafür Kunden "ab 50 aufwärts". Vom ähnlichen Kundenstamm berichtet Marietta Fuchs von Schirra-Reisen in Lockweiler. Zudem verlange der Spreewaldtouren, "wenn unsere Kunden von Berlin Ausflüge ins Umland machen". Dann stehe die benachbarte brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam ebenfalls auf dem Plan. Doch auch Fuchs registriert: Zugkräftiger als die neuen Bundesländer sind die alten, wie zum Beispiel Reisen ins Allgäu in Bayern. > Seite A 4: LeitartikelSt.Wendel. "Es ist nicht so, wie man sich den typischen Osten vorstellt", zitiert Lucie Schummer (20). ihre Bekannten, die in Jena studieren. "Sie erzählen immer, dass die Menschen dort nicht alle in Plattenbauten leben und nicht alles Grau in Grau ist." Ihre Freundin Janine Jung (19) zieht trotzdem Reisen ins Ausland vor: "Ich mag dahin, wo es warm ist." Architektur und Musik hatten Martin Fornoff (63) nach Dresden gelockt. "Ich war vor zwei Jahren in der Semperoper und in der Frauenkirche." Das Elbflorenz sei kulturell sehr beeindruckend. Doch nicht nur die Kultur zieht Besucher in ostdeutsche Gebiete. "Die Landschaft ist sehr schön, die Leute sind sehr nett", lobt Till Schneemann (27). Er sei beruflich oft in Dresden, Erfurt oder Leipzig. Gabriele Howanski (48)stammt aus Dresden. "Ich kam vor 14 Jahren nach St. Wendel", berichtet sie, "und bin vor zwei Jahren zum ersten Mal wieder in den Osten gereist." Dort habe sich seit dem Mauerfall eine Menge verändert. "Ich habe aber keine Sehnsucht zurückzugehen", sagt die Sächsin. Sie fühle sich im Saarland heimisch. "Ich komme mit allen hier sehr gut aus." Auch die unterschiedlichen Dialekte seien kein Problem. "Ich finde den saarländischen Dialekt genauso so schlimm wie meinen", erklärt sie und lacht. > Seiten A 1 bis A 3: Weitere Berichte evr/vsc