St. Ingbert beschließt Bergmanns-Ampeln

Premiere im Saarland : Ampel-„Bergmännchen“ für St. Ingbert

Die Stadt will die Arbeit der ehemaligen Kohlebergleute würdigen. Duisburg war im Herbst 2018 Vorreiter.

Auf acht Ampeln in St. Ingbert sollen bald Bergmännchen zu sehen sein. Mit Grubenlaterne in der Hand und Helm auf dem Kopf. So will St. Ingbert die Arbeit seiner ehemaligen Bergleute würdigen. Zugleich sind die Motive als Jubiläumsgeschenk für die Bergkapelle im Ort gedacht. Die Kapelle wird dieses Jahr 180 Jahre alt.

Die Bergleute – grün gehend, rot stehend – sollen die herkömmlichen Signalfiguren an zwei Standorten mit jeweils vier Ampeln ersetzen: an der Kreuzung Rickerstraße/Kohlenstraße sowie an der Kreuzung Ludwigstraße/Kohlenstraße. So hat es gerade der Ortsrat beschlossen. Kosten: rund 900 Euro. Der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) muss jedoch noch grünes Licht geben. Außerdem ist eine Genehmigung des Verkehrsministeriums notwendig.

St. Ingbert ist im Saarland die erste Stadt, die Bergmanns-Ampeln beschlossen hat. Vorbild ist laut Ortsvorsteher und OB-Kandidat Ulli Meyer (CDU) die Stadt Duisburg. Die erste Ampel mit Bergmännchen wurde dort am 11. Oktober des vergangenen Jahres eingeweiht. Die Idee dafür hatte die Journalistin Kathrin Hänig. Claudia Richter und der Exil-St. Ingberter Jürgen Becker haben die Figuren gestaltet.

Von den Bergmann-Ampeln in Duisburg hat auch schon der saarländische Bergbau-Experte Delf Slotta gehört. Der Direktor des Instituts für Landeskunde im Saarland findet die Idee gut. Er sagt, er würde sich freuen, über eine solche Ampel zu gehen. Slotta hält eine „sozialromantikfreie bergmännische Erinnerungskultur“ für wichtig, und dafür brauche es originelle und pfiffige Ideen. Die Ampel mit den Bergmännchen sei so eine. Er vermutet aber, dass die Ampeln nicht bei allen Saarländern gut ankommen werden, weil viele noch ihre Probleme mit dem Bergbau haben oder sich mit ihm nicht verbunden fühlen.

Gut fände Slotta solche Ampeln vor allem dort, wo der Bergbau einst tatsächlich gewesen ist – in St. Ingbert etwa in der Nähe des Rischbachstollens und im Bereich der St.-Hildegards-Kirche. „Die Ampeln wären gute Hinweisgeber, denn viele Menschen wissen nicht mehr, wo der Bergbau früher überall war“, sagt er.

So sieht das auch Klaus Hiery, Präsident des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlands. Er ist erfreut über die Pläne in St. Ingbert und hofft, dass sie schnell umgesetzt werden. „Das wäre auch ein Dank an die Menschen, die das Saarland vor Jahrhunderten aufgebaut und geprägt haben“, sagt Hiery. Nach seiner Ansicht sollten andere Städte im Saarland ebenfalls über solche Ampeln nachdenken, sofern sie in der Lage sind, sie zu finanzieren.

Allerdings plant derzeit keine weitere saarländische Kommune Ampeln mit Bergmännern oder anderen Signalfiguren.

Bis auf die Ost-Ampelmännchen in Saarbrücken gibt es im Saarland bislang auch keine Anlagen mit speziellen Motiven. In Rheinland-Pfalz ist das anders: In Mainz lotsen an einigen Ampeln die Mainzelmännchen des ZDF die Fußgänger über die Straße. Trier hat den Philosophen Karl Marx zum Ampelmännchen gemacht. Und in Worms leuchtet Reformator Martin Luther in Grün und Rot.

Karl Marx regelt als Ampelmännchen in Trier den Verkehr. Foto: Eberhard Jung

Auch im Rest der Republik setzen einige Städte auf ungewöhnliches Ampel-Design. So gibt es beispielsweise in Augsburg in der Nähe der Augsburger Puppenkiste eine Kasperle-Ampel. Und im hessischen Friedberg regelt Elvis Presley den Verkehr.

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