Saarländischer Rundfunk: SR verabschiedet Chefredakteur Norbert Klein

Saarländischer Rundfunk : SR verabschiedet Chefredakteur Norbert Klein

Noch am Donnerstag war er wieder mal, und wie so oft schon, das Gesicht des SR, ja des Saarlandes in den „Tagesthemen“. Mit einem Kommentar zum Pränataltest.

Andere hätten an ihrem letzten Arbeitstag vielleicht den Schreibtisch ausgeräumt, un petit rouge auf den Abschied genippt, Norbert Klein aber hat gearbeitet, bis spätabends. Was wohl schon viel über den langjährigen Chefredakteur des Saarländischen Rundfunks (SR) sagt.

Gestern wurde Klein nun auf dem Halberg verabschiedet. Von vielen Kollegen, darunter die SR-Ahnherren und Klein-Vorgänger Axel Buchholz und Otto Klinkhammer, aber auch von Korrespondenten-Legende Robert Hetkämper, selbst ein SR-Gewächs. Natürlich kam auch die Politik, um Glück für den Ruhestand zu wünschen. Mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) an der Spitze sowie den beiden früheren Bundesministern und Ministerpräsidenten Reinhard Klimmt (SPD) und Oskar Lafontaine (Linke). Letzterem entlockte Klein im März 1999 übrigens mit forschem Mikrofongriff vor Lafontaines Haus in Saarbrücken die Gründe für dessen Hals-über-Kopf-Rücktritt als Bundesfinanzminister. Bloß einer von vielen Höhepunkten eines Journalistenlebens, dann, wenn aus dem normalen Arbeitsalltag plötzlich Zeitgeschichte wird. Die Verabschiedung selbst: geradezu idealtypisch. Weder gab’s steife Reden, noch gestelzte Lobpreisungen. Auch wenn SR-Intendant Thomas Kleist Klein natürlich gebührend würdigte. Der sei so „bekannt wie anerkannt, ein Botschafter des SR“.

Ansonsten hielten Kleins Kollegen kurzweilig und amüsant wie in einer TV-Show Rückschau auf eine reichlich bunte Journalisten-Vita, die vom Jugendradio über die Anchorman-Position des „Aktuellen Berichts“ bis in die Chefetage führte. 1974 fing Klein, ein gebürtiger Saarländer, beim „Sender“ an – mit einem Praktikum und noch als Lehramtsstudent. Die Schüler mussten dann auf ihn verzichten, Klein blieb beim SR und moderierte bald die Jugendsendung „Drugstore 1421“ – mit schwarzem Schnäuzer und pechschwarzen Locken optisch fast ein Zwilling von Freddy Mercury. Die Krawatten wurden dann irgendwann dezenter, die Haare grau und die Aufgaben wuchsen. Und Norbert Klein, seit den frühen 80ern auch im SR-Fernsehen, setzte nicht nur journalistisch Akzente, er schob auch neue Formate an – wie etwa die Nachrichtensendung „Drei direkt“, das heutige „Aktuell“.

Mitten auf der Bühne im Großen Sendesaal übrigens stand gestern der „Saartalk“-Tisch aus der Sendung, die Klein gemeinsam mit SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst moderiert – und das auch noch bis Jahresende tun wird. Hier gab’s dann vielleicht die größte Überraschung. Außenminister Maas drehte mal den Spieß um und machte Klein mal zum Befragten. Frage Maas: „Mein schlimmster ‚Tagesthemen’-Kommentar war...? Antwort Klein: „Als ich Andrea Nahles und AKK eine große Zukunft prophezeit habe.“

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