„Die finanziellen Rahmenbedingungen sind sehr angespannt“ Kritische Fragen und Volkfestcharakter – So war der Tag der offenen Tür beim SR

Saarbrücken · Ein paar tausend Menschen im Gänsemarsch auf Besichtigungstour durch Radio- und Fernsehstudios des SR, dazu Selfie-Fotos mit lebensgroßen Saarlodris-Maskottchen und ein Intendant, der sich im Dialog den Radiohörern und Fernsehzuschauern stellte: So war der Tag der offenen Tür beim SR.

 Moderator Joachim Weyand (links) und SR-Intendant Martin Grasmück beim Tag der offenen Tür auf dem Saarbrücker Halberg.

Moderator Joachim Weyand (links) und SR-Intendant Martin Grasmück beim Tag der offenen Tür auf dem Saarbrücker Halberg.

Foto: Udo Lorenz

Zum ersten Mal seit mehr als drei Jahrzehnten ließ sich der Saarländische Rundfunk (SR) am Sonntag wieder bei einem Tag der offenen Tür mit Volksfestcharakter samt Dibbelabbes, Bier und Tanz draußen hinter die Kulissen schauen. „Mein Land. Mein Sender“, hieß das umjubelte Motto, bei dem verblasste Kritiken von einst wie „SR: teuer, aufgebläht, ineffizient“ (Online-Magazin Saarlandinside) ebensowenig eine größere Rolle spielten, wie die zuletzt öffentlich geführten Debatten um die Höhe der Rundfunkgebühren, das Intendantengehalt oder die Besetzung der Rundfunkgremien.

Intendant stellt sich Fragen der Hörer

Im geschichsträchtigen „Studio Eins“ des SR, das von Gilbert Becaud bis Udo Jürgens schon viele Prominente erlebt hat, gab am Sonntag Aktueller Bericht-Moderator Joachim Weyand „Feuer frei“ für Fragen an SR-Intendant Martin Grasmück, doch regten sich dafür nur wenige Hände von den vielen anwesenden Besuchern, die ans Mikrofon wollten. Grasmück selbst überbrückte die Zeit bis zur ersten Hörerfrage mit der Anekdote, dass er vor 30 Jahren, bei seinem ersten Tag im SR, Weyand Kaffee gekocht und ihn dabei leicht an der Hand verbrüht habe. Dann hob der SR-Intendant vor allem die Bedeutung der öffentlich-rechtlichen Medienlandschaft zur Informations- und Wahrheitsfindung hervor, „in einer Zeit, in der heute jeder über Handy auch Sender sein und gezielte Meinung und Fake News verbreiten kann“. Diese Gefahr für die Demokratie abzuwehren, sei eine wichtige Aufgabe.

Für den SR (Jahresetat 138 Millionen Euro, 609 Festangestellte und 205 freie Mitarbeiter) komme es nun darauf an, sich auch mit Online-Angeboten und in Social Media-Kanälen „ganz neu zu erfinden“ und die Menschen sich dabei nicht alleine zu überlassen. „Innerhalb der ARD stehen wir als zweitkleinste Rundfunkanstalt sehr gut da“, meinte der Intendant: „Aber die finanziellen Rahmenbedingungen sind sehr angespannt und schon eine Nicht-Erhöhung um wenige Cent beim Rundfunkbeitrag (Anm. d. Red.: derzeit 18,36 Euro pro Haushalt und Monat) setzt uns unter Druck“.

„Wenn ich Geld hätte, gäbe es gerne auch ein reines Klassik-Angebot beim SR“

Nach diesen Äußerungen zur Medienpolitik kamen vor allem Fragen zum Programm aus dem Publikum. So wollte SR 2-Hörerin Ursula Schorn aus Mandelbachtal wissen, warum der ehemalige Klassikmusik-Sender auch mehr und mehr moderne Musik und Wortbeiträge sende. Grasmück verteidigte den Mix des Cross-over-Programms auch bei anderen Wellen, betonte zudem, dass er sich als einziger ARD-Intendant mit der Deutschen Radio Philharmonie auch um einen bedeutenden musikalischen Klangkörper kümmere: „Wenn ich Geld hätte, gäbe es gerne auch ein reines Klassik-Angebot beim SR“. Unter den Fernsehzuschauern monierte einer der Fragenden, dass es im SR beim Sport viel zu viel Fußball von unten bis zur 2. Liga und kaum Beiträge von anderen siegreichen Saar-Bundesligisten wie beispielsweise den Tischtennisspielern gebe. Intendant Grasmück outete sich selbst als aktiver Tischtennisspieler des SR-Teams und nahm die Kritik zur Kenntnis.

Kooperationen mit dem SWR - aber keine Fusion

Auf die abschließende Frage einer jungen Hörerin, wie es um eine mögliche Fusion von SR und SWR stehe, erklärte Grasmück: „Es lohnt sich darum zu kämpfen, die zweitkleinste Anstalt der ARD am Leben zu erhalten.“ Es gebe aber seitens des SR schon jetzt von der Verwaltung über Einkauf, Jugendradio Unser Ding und Orchester mehr als 30 Kooperationen mit anderen Sendern. Saar-Tatort, Wirtschaftsmagazin Plusminus, Tour der France-Berichterstattung oder neuerdings die achtteilige SR-Serie „Everyone is F*cking crazy“ sollen jedenfalls bleiben. „Der Tag der offenen Tür war ein voller Erfolg“, freute sich der SR-Intendant.