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Spitzenpolitik hospitiert bei Ford

Spitzenpolitik hospitiert bei Ford

Saarlouis. Vor dem Werkurlaub hatte Ford bekannt gegeben, die nächste Generation des Focus-Modells ausschließlich in Saarlouis zu bauen - und in der Produktionspause erste Umbauten vorgenommen

Saarlouis. Vor dem Werkurlaub hatte Ford bekannt gegeben, die nächste Generation des Focus-Modells ausschließlich in Saarlouis zu bauen - und in der Produktionspause erste Umbauten vorgenommen. Als weitere Neuerung stellte Werkleiter Jacques Pollenus am Montag Ministerpräsident Peter Müller und Wirtschaftsminister Joachim Rippel vor, dass Ford seine Autos seit Juni auf Wunsch schon ab Werk auf Erdgas umrüstet: "Das erlaubt, die Kapazität zu erhöhen und die Lieferzeit zu reduzieren."

Müller betonte: "Ford ist mit 6500 Mitarbeitern und 2000 in den Zuliefererbetrieben einer der großen industriellen Arbeitgeber im Land. Wirtschaftlicher Wohlstand ist nicht ohne industriellen Kern möglich." Der Regierungschef meinte: "Die Wirtschaftskrise geht an keinem Autohersteller vorbei. Aber der Bedarf ist da, wir haben nur ein Problem, den Bedarf zu finanzieren. Die Frage ist: Wer ist dabei, wenn die Nachfrage wieder anzieht?"

Weniger belastende Arbeit

Die Umrüstung auf Erdgas ist - wie Sonderwünsche à la Anhängerkupplung, Spoiler oder Taxi-Ausstattung - Teil der Aufgaben, die Ford körperlich oder gesundheitlich weniger belastbaren Mitarbeitern anbietet. Diese Arbeitsplätze schaute sich Bundesarbeitsminister Olaf Scholz mit SPD-Landeschef Heiko Maas gestern besonders an. Pollenus sagte: "Mit 55 Jahren ist man nicht mehr so fit am Fließband, ist aber seit 30 Jahren im Betrieb. Auf diese Erfahrung der Kollegen wollen wir nicht verzichten, denn Erfahrung garantiert Qualität."

Die betriebliche Eingliederung von Mitarbeitern mit geänderter Leistungsfähigkeit erläuterte der Geschäftsführer des Personalwesens, Rainer Ludwig. Er unterstrich, dass am Anfang eine optimale Ergonomieplanung für alle stehe, um Überbelastung zu vermeiden: "Arbeitsfähigkeit- und zufriedenheit zu erhalten, sind eine Grundlage für erfolgreiche Unternehmen." Arbeitsminister Olaf Scholz pflichtete ihm bei: "Das ist nichts nur für 52-Jährige, sondern schon für 22-Jährige, sonst haben sie mit Mitte 40 gesundheitliche Probleme." Es sei wichtig, für jeden eine Aufgabe zu finden, bei der er seine eingeschränkten Fähigkeiten einsetzen kann, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Maas lobte die soziale Haltung: "Ich bin sehr zufrieden, wie Ford sich in der Krise verhält." Er hob das Fairnessabkommen hervor, wonach Leiharbeiter dieselbe Bezahlung erhalten wie festangestellte. "Arbeitsfähigkeit- und zufriedenheit zu erhalten, sind eine Grundlage

für erfolgreiche Unternehmen."

Ford-Personalchef

Rainer Ludwig

Meinung

Die Mitarbeiter im Blick behalten

Von SZ-Redakteur

Harald Knitter

An zwei Tagen in Folge gab sich die Politprominenz bei Ford ein Stelldichein. Unter den vielen Firmen im Saarland haben sich die Spitzen von CDU und SPD, die sich noch als Volksparteien sehen, eine ausgesucht, die den Volkscharakter von Unternehmertum noch verkörpert: Die schiere Zahl der Arbeitsplätze zeugt von der zentralen Bedeutung für das Saarland.

Aber den Mitarbeitern zu ermöglichen, mit lohnender Arbeit den Lebensunterhalt dauerhaft zu verdienen, ohne sich gesundheitlich aufzureiben, ist ebenfalls Unternehmensziel. Ein zukunftsfähiger Betrieb braucht die Qualität und Ideen seiner erfahrenen Mitarbeiter.